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Freitag, 5. November 2010

Blog droht zu zerfallen

Es ward still um dieses Blog. Warum? 
Weil das Land Baden-Württemberg entschied, zusätzlich zu Unterricht, Korrekturen und Planungsaufwand noch zwei volle Tage der Woche zusätzlich zu belegen, weswegen sowohl A. als auch F. ihre Zeit fast ausschließlich mit Arbeit, Schlaf, Gassigehen und Essen füllen mußten. Nicht einmal mehr für regelmäßiges Star Trek Schauen blieb Zeit. Grausam. Glücklicherweise findet dieser Zustand innerhalb der nächsten zwei Wochen allmählich ein Ende, sodaß hier wieder regelmäßig tolle Infos abzurufen sein werden.
Hier schonmal ein kurzer Vorgeschmack in Form eines Spiegeleies, das aussieht, wie ein grimmiger französischer Fernsehkommisar. In letzter Zeit ißt die F. nämlich vermehrt Eiweiß, weil ihr Körper ihr das so diktiert. Was der Körper mit all den Proteinen möchte, hat er F. noch nicht verraten. Eigentlich mag sie ja gar keine Eier, sondern verspeist viel lieber Obst. Äpfel (gegen die sie allergisch ist), Bananen (die auch machen, daß ihr Mund juckt), Orangen (nach deren Genuß sie sich nicht ins Auge fassen darf, weil dieses sonst anschwillt), Weintrauben (die sie vor dem Essen noch nicht einmal wäscht) usw. Obst ist eine leckere Erfindung, die man trotz Allergien in großen Mengen zu sich nehmen sollte, weil sonst der Stuhl ganz fest und schmerzhaft wird und der Teint vor sich hin bröckelt. Obst zuhause, Obst unterwegs, Obst am Steuer, wenn die Polizei nicht hinschaut. 
Für ganz realitätsfremde, naturentfernte Menschen gibt es jetzt sogar den 'Apple to go' (dt. 'Apfel für unterwegs'). Anders als bisher nämlich alle gedacht haben, kann man normale Äpfel nicht mal eben so einstecken und mitnehmen. Gott bewahre! Wie unsauber, unfrisch und unpraktisch wäre das denn, den Apfel einfach in die Tasche zu stecken und später zu verzehren. Der hat dann ja gleich tausende Quetschestellen an seinem zarten Apfelkörper, sabbert einem seinen Saft über die Finger und hinterläßt schlußendlich einen schwer entsorgbaren Apfelgriebs, den man stundenlang mit sich herumtragen muß, bevor sich eine geeignete Möglichkeit zum Wegschmiss bietet. Herrjemine!
Der 'Apple to go' ist ganz anders. Sauber, frisch und praktisch kommt er in einer Plastiktüte mit Serviette daher - für nur EUR 0,99! Laut Karton bleibt der Apfel in der Plastiktüte, die ihn vor widerlichen Umwelteinflüßen schützt, durch den sogenannten 'Eigeneffekt' auch noch länger saftig und frisch. Was dieser Eigeneffekt wohl ist? Tritt der bei allen Plastiktüten auf oder nur bei dieser speziellen für den tollen Apfel? 
Hätte Albert Schweitzer mal schön seine Koffertruhe samt Wagen in solch eine Tüte gesteckt, dann wäre beides durch den Eigeneffekt auch heute noch gut in Form, statt kurz vor dem Verfallen in einer Ecke des Albert Schweitzer Museums im Schwarzwald herumzustehen. Das Albert Schweitzer Museum war übrigens sehr informativ und durchaus sehenswert, wenn man mal von dem rassistischen Originalfilmmaterial absieht, auf dem der Herr Schweitzer herrschaftlich herumstehend die schwarzen Einheimischen bei der Arbeit beaufsichtigt, während ein Kommentator mit brillianter Beobachtungsgabe erzählt, wie faul und arbeitsvermeidend die 'Neger' seien. Klar, das war früher halt so. Deswegen muß man den Film der Öffentlichkeit natürlich nicht vorenthalten. Aber schriftlich daneben etwas daran herumkritteln oder sich zumindestens im Namen des ganzen Museums nachträglich bei allen potentiellen schwarzen Besuchern dafür entschuldigen - das könnte man schon. Hat man aber nicht. 
Dies trübte F.s Stimmung leicht. Die Trübung hielt aber nur so lange an, bis sie jene schönen runden Büsche im Vorgarten eines Hauses in der Nachbarschaft erblickte. "Wer solch grüne Büschchen derart herrlich rund zurechtschnippelt, kann nur ein sanftmütig beseelter Mensch sein." dachte sie bei sich. Und schwuppdiwupp, war die Stimmung wieder blendend.

Montag, 13. September 2010

Blau, liniert, dreigeteilt

Nun hat die Schule in BaWü wieder angefangen und F. wackelte heut morgen brav zur Dienstbesprechung, in der ganz viel bekanntgegeben, vorgestellt und wohlwollend beklopft wurde. Danach Schlangestehen im Kopierraum mit elegantem Kopieren von 360 Seiten für die erste Woche, weil jeder Schüler danach giert zu erfahren, was wann wie bewertet wird und wie die Organisation läuft.
Wichtige Fragen sind zu klären. Braucht man in Englisch ein Heft oder einen Hefter? Welche Farbe soll der denn haben? Geht blau (25 Schüler nicken zustimmend)? Kann ich auch grün nehmen (5 Schüler blicken bittend)? Welche Unterteilung soll drin sein? Möchten Sie liniertes oder kariertes Papier? Alles enorm wichtig. Am Ende entscheidet man sich für Hefter, blau, Papiersorte total rilleschnurzegal und Übungsteil, Vokabelteil, Grammatikteil.
Dann die absolute Knallerfrage des Tages: "Frau F., was kommt in den Vokabelteil?"
Mhm, mal nachdenken...Vokabeln? Oder vielleicht doch Grammatik? Das wäre ungefähr so, als würde man Geflügelfleisch kaufen wollen, das zur Verwirrung des Kunden mit 'Rinderhack' beschriftet wurde. Demnächst kommt F. in den Unterricht und verkündet auf Französisch, daß jetzt eine Englischstunde stattfindet, wenn eigentlich gerade Deutsch auf dem Stundenplan steht. Ob die Schüler das merken würden? Mit Sicherheit, weil der Englischhefter blau ist und der von Deutsch gelb.

An der Schule gibt es dieses Jahr eine Änderung. Die Schüler müssen nun in jeder großen Pause das Schulgebäude verlassen. Als dies schon entschieden war, fragte der Schulleiter bei Kollegen von anderen Schulen an, was bei Regen zu tun sei. Die anderen Schulleiter antworteten, bei starkem Regen dürften die Schüler im Schulgebäude bleiben, es habe aber seit zwei Jahren keinen starken Regen mehr gegeben. Daraus kann sicher geschlußfolgert werden, daß die Schüler nur dann nicht nach draußen müssen, wenn der Regen so heftig ist, daß die Wucht der Tropfen sie ohnehin erschlagen würde. Eventuell auch bei hühnereigroßem Hagelschlag und Temperaturen unter -20 Grad. F. findet das ausgezeichnet, eine sehr weise Entscheidung seitens der Gesamtlehrerkonferenz. Junge Menschen brauchen schließlich frische Luft und ausreichend Bewegung, um rechtzeitig die enorme Entwicklungsstufe ihrer älteren Mitmenschen erreichen zu können. Außerdem mußte F. in ihrer Schulzeit IMMER in ALLEN großen Pausen in der Kälte herumstehen, weswegen das Leiden jetziger Schüler im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit mit feurigen Lippen willkommensgeküßt werden sollte. Blöd nur, daß F. montags in der ersten großen Pause Aufsicht hat. Hoffentlich regnet es nicht.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Der kann ja nicht mal einer Amsel nen BlueRay-Player verkaufen.

Liebes Blog,
gestern und heute war F. krank und mußte zuhause bleiben. Kein Schuldienst, kein Lehrerseminar, stattdessen Schwindelanfälle und langweiliges Abhängen in geschlossenen Räumen. Während draußen bis zu 30°C herrschten, blieb die kühle Wohngrotte bei angenehmen 24 Grädern, fast ein bißchen kalt für F.s Geschmack. Aber brave Kranke sitzen die ganze Zeit daheim und profitieren überhaupt nicht vom schmucken Wetterklimbim, herrjemine! F. wäre allerdings auch in keinem Zustand gewesen, durchs Viertel zu flanieren, da sie schon innerhalb der Kemenate alle Nase lang mit den Türrahmen kollidierte - so arg spielte ihr das Gleichgewicht Streiche. 
Dafür hatte sie genug Zeit, auf dem Balkon zu sitzen und A.s Pflänzchen vor der blöden Amselkuh zu beschützen, die ständig in den Kästen rumturnt und wühlenderweise irgendetwas sucht. Auf F.s Rat hin hängte A. am Wochenende schon jede Menge CDs an Stricken quer über den Balkon, um die Amselkuh das Fürchten zu lehren. Leider zeigte dies nicht den gewünschten Effekt. Die Amselkuh wühlte munter weiter. Wahrscheinlich wunderte sie sich sogar, warum die doofen Menschen ihren Wohnbereich mit leeren Rohlingen dekorierten und hätte auch glatt ein paar CDs eingesteckt, wenn sie nicht vor kurzem auf BlueRay umgestiegen wäre, damit die Amselfamilie ihr tolles Abendprogramm in HD genießen kann. Bei der Amselfamilie sieht es im Wohnzimmer übrigens genauso unwohnlich aus, wie in den meisten deutschen Menschenwohnzimmern: alle Möbel sind sklavisch nach dem Fernsehgerät ausgerichtet. Würden die Leute nicht so entsetzlich viel Fernsehen schauen, könnte man glatt meinen, sie besäßen das Gerät nur, damit sie wissen, in welche Richtung die Sitzgarnitur zeigen soll. Ohne Fernseher fehlte das Epizentrum der Wohnstube, welch grausiges Szenario! Also kaufen alle bei Saturn oder im Mediamarkt von komplett inkompetenten Servicemitarbeiter plakativ beschriebene Flachbildschirme, hängen oder stellen sie in massive Schrankwände oder auf Abstelltische mit Glastür und benutzen sie dann natürlich auch (wo sie doch einmal da sind). Verständlich.
Über das grandiose Halbwissen der Elekrogroßmarktmitarbeiter wollte F. schon seit längerem mal richtig abbitchen. Diese Tölpel! Diese Hochstapler! Hätte man etwa schon von Blumenfachverkäufern gehört, die Rosen nicht von Gerbera unterscheiden können? Oder würden bei DHL Typen ohne Fahrerlaubnis eingestellt? Natürlich nicht! Und dennoch besitzen Saturn und Co. die Impertinenz, Menschen zu beschäftigen die keine Ahnung von Videospielen haben oder nicht wissen, wie man einen MP3-Player bedient.  Stumpfe Grobiane, die noch nie einen PC von innen gesehen haben! Zurückgebliebene Germanen der Elektronik, durch den Limes der Großmarktpolitik unüberwindbar getrennt von den Fakten der modernen Technik.
Ahh, das tat gut. Die Gesundung rückt in greifbare Nähe und demnächst wird F. einen dieser Plastikraben kaufen und neben die CDs auf der Balkonbrüstung platzieren. Mal sehen, was die Amselkuh dann macht. 

Samstag, 29. Mai 2010

Es rappelt im Karton

Lange war Ruhe im Karton. F. wurde gefragt, warum. Hier also die Antwort: Durch sehr blöde Umstände wurde es möglich, über bestimmte Suchbegriffe F.s Blog per Google zu finden. Trotz umfangreicher Versuche, dies zu ändern, blieb der miserable Eintrag wie ein dicker Schandfleck in der vermaledeiten Suchmaschine sitzen. F. zog schon in Erwägung, das Blogschreiben ganz an den Nagel zu hängen, weil sie keine Lust hatte, auf eine neue Adresse umzuziehen. 
Manchem mag die Tragweite eines Googleeintrages nicht bewußt sein - aber als Lehrer muß man immer damit rechnen, daß Schüler und andere seltsame Wesen mitlesen. Natürlicherweise schränkt dies den eigenen Schreibstil ein und wer will schon halbgares, zensiertes Gedöns schreiben oder lesen. So kam es also, daß F. länger abstinent blieb und das Blog verwaiste. Einsam räkelte es sich in den Weiten des Internets, ungepflegt von der lieblichen Besitzerin Hand.
Damit soll nun aber Schluß sein. Es wurden zwar keine Lösungen gefunden, jedoch persönliche Überlegungen angestellt, die eine Fortsetzung des Schreibbetriebes weiterhin ermöglichen. Deswegen kann die F. nun auch berichten, daß sie sämtliche Unterrichtsbesuche für das laufende Schuljahr erfolgreich hinter sich gebracht hat und die eine oder andere drachengleiche Fachleiterin zu befriedigen wußte. Die erste Hürde im Verlauf des Referendariats ist also genommen. Oh Freude! Nun trennen nur noch ein Jahr Ausbildung, zwei bis drei Jahre Probezeit und einige Lehrproben F. von den heiß ersehnten 40 Berufsjahren im Beamtendienst ohne Recht auf freie Wahl des Arbeitsplatzes (dafür aber sanft eingebettet in den Kreis lieber Lehrerkollegen, die schon anfangen zu tratschen, wenn man im Lehrerzimmer einmal zuviel blinzelt und die - während sie von ihren Schülern erwachsenes Verhalten fordern - sich selbst in möglichst vielen Situationen komplett daneben benehmen). Supi.
In Zukunft hier also wieder zu lesen: F.s Ergüsse und Meldungen. Angenehm.

Samstag, 20. März 2010

Geld. Macht. Freizeit.

"Lehrer haben laut Volksmund vormittags recht und nachmittags frei."
 F. muß nun aber feststellen, daß der Volksmund ein dreckiger Lügner ist. Zwar hat man im Regelfall fachlich tatsächlich recht, der Unterricht hört jedoch an den meisten Schulen an mindestens zwei Tagen in der Woche erst um 17 Uhr auf. 
"Aber eine Unterrichtsstunde hat doch nur 45 Minuten und deswegen ist dauernd Pause!"
poltern vorwurfsvoll die hart arbeitenden Bevölkerungsschichten, welche dem Lehrer mit ihren Steuergeldern sein schönes Leben finanzieren. Sicher, wenn man das Lehrerzimmer abschlösse und mit einem Schild versähe, um all die fragenden und um Rat bittenden Schüler auszusperren und am Klopfen zu hindern, hätten zumindest jene Lehrkräfte Pause, die gerade nicht bei -10°C auf dem Schulhof ins  halbgefrorene Schnittchen beißen und Jonathan-Eugen davon abzuhalten versuchen, dem blöden Chris einen Schneeball mit kastaniengroßer Steinfüllung an die Ömme zu zimmern. Dann würde nur noch die einmal wöchentlich stattfindende Dienstbesprechung den Lehrer von der wohlverdienten Pause trennen. Dort erfährt man, daß Matthias kürzlich in den Status eines Scheidungskindes absteigen mußte, weswegen er nun zum Zwecke der realitätseinbeziehenden Traumatabewältigung die beobachtete häusliche Gewalt im Klassenzimmer nachzustellen versucht. Josephines Vater ist mit dem Ausgang der Fürsorgeverhandlung nicht zufrieden und versucht darum, im Rahmen der Schulpausen näher an seine Tochter zu gelangen. Alle Lehrer werden deshalb gebeten, den aufdringlichen Manne  auf dem Schulgelände vom Kinde fernzuhalten. Das Vorklingeln ertönt, die Erwachsenen lauschen genervt dem Schullleiter und krümeln Brötchenstücke in die mit Lehrbuch-CDs vollgestopften Schreibtischschubläden. Kurz vor Unterrichtsbeginn bildet sich wieder eine ellenlange Schlange im Kopierraum, alle hetzen in ihre Klassen.
Wenn tatsächlich um 13 Uhr Schulschluß ist, heizt man nach Hause und bereitet bis 18 Uhr Unterricht vor oder liest sich die grammatischen Sünden von 32 Sechstklässlern durch. 30 Minuten pro Aufsatz (aber nur, weil der ziemlich kurz ist) machen 16 Stunden Korrekturaufwand. Pro Klausur, pro Klasse.
Auf Klassenfahrt manövriert der Pädagoge dann 30 Vierzehnjährige durch die Weimaraner Innenstadt und versucht spätabends, die ganze Bande vor den Untiefen des Alkoholkonsums zu retten. Wird eine Schülerin schwanger, verklagt der Vater den Lehrer selbstverständlich wegen unterlassener Aufsichtspflicht. Ja will der etwa, daß man der minderjährigen Schönheit beim Akt auch noch zuschaut?!
 "Überbezahlt sind sie sowieso, gerade in den Ferien", tönt es empört von eifrigen Eltern, die auch schonmal gern das Gericht bemühen, weil sie nicht damit einverstanden sind, daß der Geschichtslehrer von gegenüber die ganzen 14 Tage Ferien auf Mallorca verbringt. Schande, Schande! Nun will F. sich keineswegs über den Beruf beschweren, den sie selbst auserwählt hat. Sehenden Auges stürzt sie ins Geschehen, die Vor- und Nachteile gut geordnet im Hinterkopf behaltend. Jedoch soll eines klargestellt werden: Wer neidvoll übermäßig hohe Bezahlung bei geringem Arbeitsaufwand zu den Vorzügen zählt hat diversen, persönlich besuchten Bildungseinrichtungen entweder erfolgreich verwehrt, positiv auf den eigenen Geist zu wirken oder gehört gar zu den Dummen. Daß das hier mal klar ist.

Freitag, 19. Juni 2009

Einmal mit Profis arbeiten...!

Schon wieder keine Bilder. Dafür der Preis der Autoreparatur: weil der Rohling X. in eine Rohlingsspindel der Gewalt geraten war und besonders heftig am Wischer gewürgt hatte, war nicht nur selbiger ab, sondern auch die Pivotvorrichtung darunter beschädigt worden. Deswegen belief sich der stolze Preis am Ende auf 340 Dollar (220 Euro). F. trachtet danach, dem Aggressor mit einer stumpfen Gabel die Beinchen abzuschneiden, um seinen Bewegungsradius im behindertenunfreundlichen Montreal drastisch zu reduzieren. Ja, richtig gelesen, mit einer Gabel! Jede einzelne Zinke sollte sich langsam durchs Gewebe des Mannes graben! Die Hände wären dann auch gleich noch mit dran, damit er den Rollstuhl nicht rollern könnte. Dafür würde F. dann aber einen Kaffeelöffel nehmen.
Die inkompetenten Neandertaler in der Werkstatt ersetzten nicht nur die fehlenden und kaputten Teile, sondern vergaßen auch gleich noch, den Schlauch der Wischerflüssigkeit wieder an den Tank anzuschließen bzw. rissen ein Stück davon ab. Natürlich bemerkten sie dies nicht (Lernen aus Fehlern also ausgeschloßen) und mußten erst von A. darauf hingewiesen werden, die sich wunderte, warum der Tank, den sie eben vollgefüllt hatte, gleich wieder leer lief. Ein Blick unter den Wagen klärte schnell das Problem.
Fazit: Ein bekloppter männlicher Typ benimmt sich daneben und versorgt so seine Geschlechtsgenoßen mit Verdienstmöglichkeiten. Der Kreislauf ist perfekt.

Perfekt war auch die Folge unglaublicher Ereignisse am Mittwoch auf F.s Arbeit. Vorinformation am Rande: nächste Woche Mittwoch begehen die Einwohner der Provinz den Nationalfeiertag Quebecs. Da F. bei den landesüblichen Feiertagen noch nicht so der Profi ist, fragte sie also ihre Chefin (gebürtige Polin), ob an jenem Tage arbeitsfrei wäre. Die Chefin bejahte dies und meinte, es handele sich schließlich um den Nationalfeiertag Quebecs. Verwundert rief F. aus, daß Quebec ja gar kein Land sei. Den hinter ihr sitzenden Quebecer erzürnte dieser laut ausgesprochene Fakt derart, daß er F. ein herzhaftes gerbrülltes "Fuck you!" (zu dt.: unsachliche, sehr vulgäre Beleidigung) entgegen schmetterte. Das ging ja mal noch, denn von jenem subversiven Subjekt konnte man wahrlich nichts Fruchtbareres erwarten. Der Knüller kam nach wenigen Sekunden Bedenkzeit; der Typ drehte sich erneut um und fügte hinzu, daß sein Land wenigstens keine Abermillionen Juden ermordet hätte. Ob dieser unangebrachten, der gegenwärtigen Situation keinerlei wertvolle Informationen hinzufügenden Bemerkung empörte sich F., deren tatsächliche Verantwortlichkeiten bezüglich des Holocaust aufgrund leichter zeitlicher Hindernisse doch eher gering ausfallen, in recht intensivem Maße. Den anwesenden Kollegen standen sowieso die Münder offen. Im Zuge F.s eingelegter Beschwerde wegen Diskriminierung wurde besagter Mensch innerhalb von zehn Minuten fristlos gekündigt und der Firmenhallen verwiesen.
Fazit Nummer zwei: Bisweilen funktionieren gewisse Prozeße auch in Quebec effizient.

Samstag, 13. Juni 2009

Deutschland riechen können

Tief im Herzen trägt ein jeder Mensch eine gewisse Affinität zum Geruch des eigenen Pupses mit sich herum. Oft unterscheidet man sogar zwischen sehr interessant riechenden Pupsen, mit denen gern unter der Bettdecke gelegen wird, und nicht so tollen Varianten, bei denen man sich fragt, was bitte der Darm sich dabei wieder gedacht hat. Aufgrund ihrer mangelnden Gesellschaftsfähigkeit bleibt die Liebe zum eigenen Pups leider weiterhin ein Tabuthema. Wo angeregt über Kinofilme und Bestseller diskutiert wird, muß das herzhafte Gespräch über gewisse Körperfunktionen verwaist in der Ecke hocken. F. bedauert dies immens! Wie viele Tiere waren und sind Menschen leidenschaftliche Riecher, Gucker, Hörer und Auswerter. Wer hat nicht schon versucht, in der privaten Gemütlichkeit der Kemenate Vokale zu rülpsen? Wenige Leute können ehrlich verneinen, unter der Dusche noch niemals mit Hand und Achselhöhle Pupsgeräusche erzeugt oder Andere zu selbigem Verhalten angeleitet zu haben. Routinemäßig werfen die meisten Neugierigen einen langen Blick in das soeben benutzte Taschentuch und der Klassiker des einsamen Forscherdaseins ist und bleibt das Schauen in die Kloschüssel nach erfolgreichem Stuhlgang. Man tut es nicht immer, aber man hat es schon mindestens einmal getan. F. redet hier nicht von Jugendsünden zehnjähriger Stuhlgänger, sondern dem Verhalten gestandener Erwachsener. Interessierte Frohnaturen schlummern in den meisten Menschen, werden aber leider zu selten Spazieren geführt. Dann redet man auf Wohnungseinweihungsfeiern entfernter Bekannter über das Wetter oder den Arbeitsmarkt. Das muß nicht so sein.
Der persönliche Touch ist es doch, der Gespräche interessant werden läßt. F. erzählt gern eigene Fehlschläge und Erlebnisse, um Bekanntschaften zu pflegen und eventuell zu Freundschaften heranzuziehen. In Montreal stößt sie dabei auf Probleme. Schon die Frage nach dem Wohnort des Kollegen scheint oft zu persönlich und wird mit einem vagen "In dem und dem Stadtteil" beantwortet. Ob G., neben dem F. seit vier Monaten täglich sitzt und tippt, interessante Hobbys hat, erfährt sie erst nach langen Verhörsitzungen. Nun könnte der gebildete Leser ausrufen: "Das ist weil der G. die F. nicht leiden kann. Die quatscht ihm zu viel, mit der möchte er lieber nichts zu tun haben." Dieser Einwand ist berechtigt, stellt sich aber unglücklicherweise als unwahr heraus. Bei drei Dutzend Kollegen in einem Raum kann es nämlich keinesfalls passieren, daß alle Anwesenden der liebreizenden Art F.s derart hartnäckig widerstehen. Nein, die Wahrheit ist viel trauriger: Auf Arbeit gibt es kein PRIVAT, weil man doch mit dem Typen nebenan in direktem Wettbewerb steht. Aus diesem Grunde hält man sich bedeckt und gibt möglichst wenig preis, um später daraus Vorteile ziehen zu können. Teamarbeit wird also eher kleingeschrieben. Geguckt, gerochen, gehört und ausgewertet wurde gestern. Daß man mal ganz dringend pullern muß, kann deswegen auch nicht vertrauensvoll an den Nachbarn weitergegeben werden.
Anders ist dies in Deutschland. Dort kennt F. sehr sympathische Menschen, bei denen man sich auch mal über den doofen Pickel im eigenen Gesicht aufregen kann, ohne verdutzte Blicke zu ernten. Hiermit drückt sie ihre Vorfreude (nicht den Pickel - davon wird der nämlich nur schlimmer) auf das Wiedersehen mit jenen kennenswerten Individuen aus! Noch 49 Tage, dann quatscht sie Euch wieder ein Geschwür ans Ohr und sorgt dafür, daß Ihr leichte Bedenken habt, sie Euren anderen Freunden vorzustellen. Haltet aus!

P.S.: Fotos zum Thema konnten im Fundus nicht ausfindig gemacht werden.

Freitag, 15. Mai 2009

Textaufgabe 1: Schweiß und Erfrierungstod am Arbeitsplatz

Versuchsanordnung
Gegeben ist eine leistungsfähige Klimaanlage AB, die sowohl Raum A, als auch Raum B klimatisieren soll. Zur Ermittlung der Temperatur Teisig steht ein Thermostat X zur Verfügung, welches jedoch ausschließlich die Temperatur des Raumes A mißt. Im Raum B wird keine Temperatur gemessen. Raum A und Raum B sind identisch dimensioniert und erfahren die gleiche Stärke an Sonneneinstrahlung Fschein. Die Fenster beider Räume können nicht geöffnet werden.
In Raum A befinden sich 30 übergewichtige, stark schwitzende, männliche Videospieltester VTklonk niederen Intellekts, die an 30 PCs mit ebensovielen Röhrenmonitoren arbeiten und weitere 30 stark Wärme abgebende Spielekonsolen benutzen.
In Raum B sitzen je 3 männliche und weibliche, formschöne, wohldimensionierte Sprachtester STchic mit ausgeglichenem Stoffwechsel an 6 PCs, 6 Flachbildschirmen und derselben Anzahl kaum wärmeproduzierender, tragbarer Konsolen.
Die Videospieltester VTklonk in Raum A kontrollieren die Temperatur Teisig durch Eingabefeld Edrück. Sie stellen Teisig auf 18°C mit Dauergebläse ein. Da das Thermostat X die Temperatur nur in Raum A messen kann, wird Raum B für den Gesamtverlauf der Zeit tewig mit derselben Kühlkraft Fkühl und Gebläsestärke Fpust versorgt, wie Raum A.

Gesucht
  • Welche Zeit tewig vergeht, bis die Sprachtester STchic in Raum B das Eis Ekratz von der Innenseite ihrer Fenster hobeln können?
  • Welche Zeit tewig vergeht, bis die Population der Sprachtester ST auf ST<1 absinkt?
  • Auf welchen Wert Y müßte der BMI der Videospieltester VTklonk reduziert werden, damit die Sprachtester STchic eine Zeitspanne tschicht=8h lebendig überstehen?
  • In welchem Land befinden sich die Räume A und B?

Donnerstag, 12. März 2009

Die dümmsten Bauern haben die größten Länder

Jetzt hat die F. grad den Eintrag vom 12. März geschrieben und immer wenn sie auf ihr eigenes Foto guckt, muß sie gähnen. Was für ein toller Special Effect. Auf der Arbeit gibt es auch so einige Spezialeffekte, die aber eher zu bitterlichen Tränen der Verzweiflung anregen. In perfekt computeranimierter 3D-Sequenz mit todesmutigen Stuntpersonen wird der Kurzfilm "Absolute Ineffizienz" aufgeführt. Die Säle sind regelmäßig ausverkauft.
In der Videospieletestfirma XYZ weiß die rechte Hand nicht nur nicht, was die linke tut - NEIN! - die rechte Hand ist sich noch nicht einmal darüber im Klaren, daß es eine linke geben sollte und verhandelt aus diesem Grunde in gutem Gewissen die ganze Zeit über mit dem Po, weswegen in der Regel auch nur Mist bei allem herauskommt. Zum Glück sind die Auftraggeber der Videospieletestfirma XZY auch aus Nordamerika und damit ebenso unorganisiert, sodaß am Ende Keinem auffällt, wie wenig man eigentlich zustande bringt. Stolpert doch einmal ein Verantwortlicher über die unverkennbaren Hinweise totalitärer Unproduktivität, so bezichtigt man sich einfach willkürlich gegenseitig der Unprofessionalität, beruft drei Meetings ein und feuert zwei Gruppenleiter.
Es ist keine Seltenheit, daß F. früh auf Arbeit kommt und statt loszutesten erstmal zwei Stunden auf die neue Testversion des Spiels warten muß. Währenddessen versucht die Abteilungsleiterin, die unter Anderem den Testern die Projekte zuteilt, ganze dreimal, F. ein neues Projekt anzudrehen. Dreimal fragt F. nach, ob sie jetzt wirklich das Projekt wechseln soll und dreimal fällt es der A.-Leiterin wie Schuppen aus den Haaren, daß F. ja nur wartet und eigentlich an etwas vollkommen Anderem arbeitet.
Verwirrt-hilfesuchend blickt F. daraufhin hinüber zu Projektmanager P. aus Luxemburg, der nur lächelnd auf Deutsch sagt: "Wir sind hier nicht mehr in Europa." Also wenn sie mich fragen, ist die Wirtschaftskrise schon aus Kompetenzgründen vollkommen berechtigt.

Sonntag, 15. Februar 2009

Gratulation, Du hast ein neues Motorrad freigeschaltet!

Am Wochenende steigt F. aus dem Bunker der Videospielkranken (B.d.V.) hinauf in die normale Welt. Im B.d.V. ist die Welt anders. Man braucht eine Magnetkarte und Zugangscodes, um die alltäglichsten Türen zu öffnen. Will F. ins Treppenhaus: Magnetkarte ranhalten, piep! Aus dem Treppenhaus wieder raus: Magnetkarte und piep! Auf den Gang, in den Testraum, in die Pause, in den Pausenraum, auf's Klo... die Magnetkarte glüht. Bei F. glüht sie besonders, denn die trinkt immer viel und muß alle 2 Stunden pinkeln.

Das Unternehmen hat also wie man sieht sehr hohe Sicherheitsmaßstäbe. Die CDs und Speichersticks zu testender Spiele werden jeden Abend in einen Tresor geschlossen, genau wie die Spezialgeräte, mit denen man unterschiedliche Spielkonsolen für Bildschirmaufnahmen und eine direkte Datenübertragung an den PC anschließen kann. Das Mitbringen technischer Geräte jeglicher Art ist strengstens verboten - man könnte ja Daten nicht veröffentlichter Spiele nach draußen schmuggeln. Wird von außen an die Tür des Testraums geklopft, müssen erst alle darin befindlichen Tester ihre Monitore ausschalten, bevor der Besucher eintreten darf.

Die Firma wird bevölkert von Menschen zwischen 20 und 40 Jahren, die komplett den Verstand verloren haben. Der Durchschnittstester ist 25 Jahre alt und spielt 8 Stunden pro Tag testweise Vorversionen neuer Spiele. Zu jedem gefundenen Bug (dt. Fehler) muß ein ausführlicher Bericht geschrieben werden. Man könnte meinen, daß die Pausen genutzt werden, um die Augen auszuruhen, aber weit gefehlt: Die einstündige Mittagspause verbringen die schwarz beTshirteten Nintendo-Hippies im Pausenraum an einer der 5 frei aufgestellten Spielkonsolen zockend.

F., die durchaus auch gern privat den Joystick schwingt, wirkt neben diesen Strebern natürlich wie eine Canasta spielende Kaffeekränzchenomi. Sie arbeitet mit vorwiegend normalen Menschen in der Übersetzungs- und Sprachtestabteilung, in der die Spiele für den italienischen, spanischen, französischen, portugiesischen, polnischen, niederländischen und selbstverständlich deutschen Markt übersetzt und angepasst werden. Dort sitzen dann 20 erwachsene Menschen verschiedener Nationen zusammen und shampoonieren mehrere Stunden am Tag Hundebabys auf dem Nintendo DS, nur um zu sehen, ob die Hundemutti auch keine Kommafehler in ihren Kommentaren hat. F. findet die Arbeit toll, denn es ist alles sehr abwechslungsreich. Mal muß man Autorennen spielen, mal die Dialoge einer Ninjakämperin übersetzen. Einige Spiele sind so schlecht, daß man die ganze Idee am liebsten als Fehler werten würde, aber das geht natürlich nicht, denn sonst hätten ja die ganzen Leute mit schlechtem Geschmack keine neuen Videospiele mehr.

Nach 8 Stunden Playstation muß F. schnell nach Hause, um ausgleichsweise die hier zu sehen:
So guckt J., wenn sie zuviel Nintendo gespielt hat:

Dienstag, 10. Februar 2009

In Eile eine Zeile! Oder zwei oder drei...

F. ist erlöst! Nach unglaublichen 35,126665 Stunden (laut online Arbeitsüberwachungssoftware) nervenaufreibender Arbeit im Callcenter, bei der seitens der Angestellten pro geleisteter Stunde je 0,5 Punkte des gemessenen IQs verschwanden, wurde von der Unaushaltbarkeitspolizei für menschenverstandsunwürdige Beschäftigungsverhältnisse - kurz UpfümeB - ein neuer Job gefunden.
Nun verdingt F. sich 40 Stunden die Woche bei einer Spieletestfirma und übersetzt beziehungsweise korrigiert den deutschen, französischen und englischen Text in Computerspielen aller Konsolen. Das bedeutet 8 Stunden Videospielespielen, Übersetzen und Berichteschreiben pro Tag. Heute am Premieretag stand die gesamte Zeit ein sehr spezielles Spiel für den Nintendo DS auf dem Plan. Da alle getesteten Produkte natürlich noch nicht auf dem Markt sind, ist Stillschweigen angesagt. F.s Fingerspitzen sind versiegelt, was das Tippen der vielen interessanten Dinge, die sie so den ganzen Tag zu Gesicht bekommt, angeht. Die Sicherheitsmaßnahmen sind enorm! Zum Beispiel muß jedes Mal, wenn andere Menschen den Raum betreten, der Testmonitor abgeschaltet werden und am Ende des Arbeitstages werden alle Geräte und Produkte in einem Tresor verschloßen. Das Mitbringen eigener technischer Geräte ist selbstverständlich strengstens untersagt! Davon später mehr, denn erstmal muß geschlafen werden. In Zukunft bleibt weniger Zeit für's Blogschreiben...

Donnerstag, 5. Februar 2009

Sport unter der Auslegeware.

Wenn Dusseligkeit klein machen würde, könnte F. unter dem Teppich Rollschuhfahren. Vor einem Monat hatte sie beim Tanken den Deckel auf dem Autodach liegengelassen, war dann eine Stunde lang 90km/h auf der Autobahn gefahren und hatte erst nach dem Aussteigen bemerkt, daß der Verschluß sich glücklicherweise in der Dachreeling verhakt hatte und noch genauso da lag.

Heute stand erneut der Benzineinkauf an. Unpraktischerweise muß man hier in Kanada an der Tankstelle meist vor dem Tanken zahlen. Also an die Tanksäule rangefahren, Nummer gemerkt, bezahlt. Dann der Schock am Auto: Die Tanköffnung ist ja auf der anderen Seite! Wie kommt die denn da so plötzlich hin? Da man ja nun für diese spezielle Tanksäule gezahlt hat, bleibt einem nur das umständliche Umparken. Der ein Stück weiter stehende Tankstellenshoplieferfahrzeugfahrer kicherte vernehmlich. Der Tankvorgang verlief ereignislos, F. fuhr nach Hause. Dort angekommen, bemerkte sie nach dem Aussteigen, daß nicht nur der Tankdeckel auf dem Fahrzeugdach weilte, nein, auch die seitlich aufklappbare Tankklappe war noch weit geöffnet. Wo soll das nur hinführen?

Hoffentlich nicht dorthin, wo die Metro heute morgen hinfuhr. Das war nämlich nirgendwohin. Eine geschlagene Stunde wartete F., die ja verantwortungsbewußterweise schon ein Ticket gelöst hatte, auf die U-Bahn. Drei Züge kamen auch vorbei, waren aber derart vollgestopft, daß die Leute leicht nach oben schauen mußten, um sich bei einem kleinen Ruck nicht unfreiwillig gegenseitig unsittlich im Gesicht zu berühren. Nach 60 Minuten erklang eine Durchsage, die ein Ausfallen der kommenden Züge für eine weitere Stunde ankündigte. Daraufhin sah selbst F. ein, daß es wohl besser wäre, nach Hause zu gehen und den Mißstand auf Arbeit zu melden. Dort fehlten wohl allerhand Angestellte, denn es dauerte sehr lange, bis jemand an den Apparat ging. Das Ende vom Lied: Freier Tag für F., extralanger Spaziergang für J. und 30 Minuten Verspätung für A., die später auch noch die Metro nehmen mußte.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Bienvenue chez Super C! Welcome to Super C!

Heute morgen nach dem Aufstehen weinte F. bittere Tränen der Verzweiflung, da sie schlimme Seelenängste vor der neuen Arbeit durchstand. Der Job bereitet ihr schon gedanklich derart große Unannehmlichkeiten, daß es ihr nicht einmal schwer fällt, morgens aufzustehen. Ein Gedanke an Headset und Telefongemurkse reicht aus um schon während des Weckerklingelns hellwach zu sein. Freude kam demzufolge im Überschuß auf, als F. an einem sechsstündigen Übersetzungstest teilnehmen durfte, der für eine Stelle als Editor und Übersetzer verlangt wird. 4 Stunden lang Korrektureditieren und Übersetzen von Finanz- und Börsentexten findet sie nämlich total abgefahren und arbeitstechnisch erstrebenswert. Übersetzen ist superklasse!

Gestern ging der Fotoapparat mit in die Kaufhalle, kam dann aber auf Grund von F.s chronischer Vergesslichkeit nicht zum Einsatz. So muß die werte Leserschaft noch länger auf ein Foto der 5kg Packung Miracel Whip Mayonnaise warten. Demnächst kommt auch ein Foto von einer Person, die ein solches Riesenglas Mayonnaise tatsächlich kauft. Den Fitnesszustand dieses Menschen kann man sich aber auch schon im Voraus bildlich vorstellen.
Am Drehkreuzeingang der Einkausstätte heißt einen eine freundliche, aufgezeichnete Stimme im Supermarkt willkommen. Die Kassiererin direkt neben dem Drehkreuz ist wahrscheinlich schon halb dem Wahnsinn verfallen, weil sie von morgens um 7 bis 0 Uhr Mitternacht aller 30 Sekunden "Willkommen bei Super C" hören muß.

Super C ist eine abgewrackte kanadische Version von Aldi mit einer durchschnittlichen Verkaufsfläche von 4000qm. Alle Packungen sind von enormer Größe. 2kg Schälchen Hackfleisch und 1500g Beutel Instanthühnerbrühe gehören nicht länger ins Reich der Träume, hier kann man sich Geschmacksverstärkervergiftungen im großen Stil holen, indem man nur zu tief einatmet. Der aufmerksame deutsche Einkäufer hortet nur Produkte, die Stamm-Super C-Kunden liegenlassen. Diese unbeliebten Speisen werden dann preisreduziert und schon bezahlen F. und A. 30 Dollar weniger für den Wocheneinkauf.

Provigo ist die nächstbilligere Kategorie. Im Gegensatz zu Super C sind die Parkplätze dort so riesig, daß sogar F. einparken kann. Die Limonade kostet pro 2 Liter Flasche nur 79 statt 99 Cent. Wie in fast allen nordamerikanischen Supermärkten (außer Super C) gibt es an der Kasse Einpackpersonal. Bei Provigo ist dieses in tolle grüne Schürzen gekleidet.

Bei IGA bekommt der Käufer pro 50 Dollar Einkaufspreis etwas geschenkt. F. und A. haben letztens ein Bund Möhren für die 50 und ein Netz Zitronen für die 100 Dollar Grenze ausgehändigt bekommen. Beim Einpacken kann man zwischen Plastik- und Papiertüten wählen, das Personal trägt rote Blusen.

Der Marché Richelieu heißt zwar wie der berühmte Kardinal, die Angestellten haben aber keine fetzig-rote Uniform. Die Einpackmenschen sind gar unbeschürzt! So geschieht es F. an der Kasse häufig, daß sie beim Bezahlen erschrocken zur Seite schielt und bemerkt, wie ein fremder, in waschbedürftige Kleidung gehüllter Mann ihr eben gekauftes Gut in eine Tüte packt und vermeintlich stehlen möchte. Ärger ergreift die sanfte Natur! Doch alsbald erinnert sie sich: Der lotterige Geselle hat nicht den Diebstahl, sondern das servicemäßige Verpacken im Sinne.

Manchmal erlauben Supermärkte auch, daß Jugendliche in Eishockeytrikots oder Hilfskorpsuniformen die Tüten bepacken. Das sind dann Sportmannschaften bzw. Organisationen, die ihre finanziellen Mittel aufpolieren wollen und auf Trinkgeld hoffen.

J. packt auch manchmal Tüten ein und aus. Sie hofft dabei auf Leckerlie:
Meistens muß sie aber mit infantilem Spielzeug vorlieb nehmen.
Die Verantwortliche für diesen Mißstand lächelt dazu nur selbstgefällig:

Sonntag, 1. Februar 2009

Sind sie relativ zufrieden oder sehr zufrieden?

Sonntagabendschicht von 17 bis 21 Uhr, erster Arbeitstag bei der LochimBauch GmbH.

Alle außer den Neuen kommen auf den letzten Drücker. Einführung in die Handhabung der Software für anderthalb Stunden an flimmernden 15 Zoll Monitoren von vor dem Krieg. In den Tastaturen klebt "Zeugs". Da das Callcenter aus über 100 (!) Plätzen besteht, die fast alle besetzt sind, herrscht ein ständiges Hintergrundgemurmel. Welche Art von Umfrage ist denn bitte so wichtig, daß die Regierung Kanadas eine Durchführung Sonntagabends anordnet? Nunja, denkt sich F., das kann heiter werden.

Die Umfrage heißt Alberta und richtet sich ausschließlich an Bewohner dieser Provinz. In einer 15minütigen Fragesession soll herausgefunden werden, wie wenig zufrieden die Albertaner mit ihrer Regierung sind. Es stellte sich heraus, daß sie sogar dermaßen unzufrieden sind, daß eine Umfrage für sie keine Option ist. Nach zweieinhalb Stunden am Telefon hat F. gerade mal einen Fragebogen vollständig, den eine 70jährige Frau mit Katze beantwortet hat.
Auszug aus dem Gespräch:
  • F.: Wo sehen Sie sich in 5 Jahren? Wie wird es Ihnen gehen? Besser, schlechter oder gleich?
  • Frau mit Katze: In 5 Jahren bin ich bestimmt tot.
  • F.: Gilt das als "besser" oder "schlechter"?
  • F.m.K.: Besser.
Alles muß sehr genau sein. Die Antwortenden dürfen nicht einfach sagen, daß sie "zufrieden" sind. Sie müssen unbedingt auswählen zwischen "relativ zufrieden" und "sehr zufrieden". Man kann auch nicht einfach mit etwas "übereinstimmen" - entweder man "stimmt ein bißchen überein" oder "vollkommen".
Nach 4 Stunden am Telefon wußte F. eines ganz genau: Dies war der blödeste Job des Universums. Im Auftrag der Regierung zuhause bei Leuten anrufen und ihnen die Zeit stehlen, dafür dann am Telefon zusätzlich angeschrien werden. Was will man mehr.

Glücklicherweise ruft F. nur am Wochenende in Privathaushalten an. Wochentags von 8 bis 12 werden Firmen in Deutschland belästigt. Herr Dr. Johann-Brechtholdt Müller von Taubich-Stein, Chef der Marketingabteilung von der Schnürsenkel-Gossefriemel GmbH hat aber keine 15 Minuten Zeit und Frau Annika-Elke Storkhahn-Zwetschge ist gerade in einem Meeting. Herr Marlik Kossepugel arbeitet schon seit Oktober nicht mehr hier und bei Pfundshubel und Söhne machen wir ja generell keine Umfragen mit. Frau Sonja Nathias ist grad zur Tür raus. Der Herr Koschfromm hat bis Freitag Urlaub. F. hört unzählige Warteschleifenmelodien in dreifacher Ausführung, komplett mit der in stark akzentbehaftetem Englisch von der Sekretärin aufgesprochenen Mitteilung, daß man doch auch eine Mail schicken könne. Juur coall is werie impoartent tuu ass! Manchmal setzt man auf Samba, bei Volkswagen klimpert ein fünftklassiger Keyboardkünstler und die Linda AG spielt Schlager.
Immerhin ist es weit weniger peinlich, Leute vom Arbeiten abzuhalten, als unbescholtenen Bürgern sonntags ihre Freizeit zu klauen. Dennoch bleibt als Fazit, daß berufsmäßige Belästigung im großen Stil nicht ganz F.s Temperament entspricht. Übergangsmäßig sicher auszuhalten, schließlich bieten sich innerhalb der nächsten Zeit hoffentlich noch weitere Möglichkeiten. Für 5 Monate allerdings eine absolute Horrorvision.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Interessante Adjektive

Diese Woche geschahen mehrere erstaunliche Dinge, die ihre herausragenden Facetten in Montreal erstrahlen ließen. Erstens: F. hat jetzt Arbeit bei einer Umfragefirma, die online nicht genannt werden möchte; aus diesen Gründen soll diese Firma hier LochImBauch GmbH getauft werden. Die LochImBauch GmbH führt weltweit Umfragen zu verschiedenen Themen durch und verdient damit augenscheinlich viel Geld. Da auch Leute in Deutschland befragt werden sollen, muß F. mit ihren exotischen Deutschkenntnissen an die prestigeträchtige Umfragefront rücken.

Um dies tun zu dürfen, verbrachte sie gestern fast zwei Stunden damit, sich selbst einem unglaublich unseriös gekleideten Mittzwanziger anzupreisen. Dieser Angestellte, der die O-Ton "humanen Ressourcen" Kanadas in Spreu und Weizen trennt, trug ein weit aufgeknöpftes, türkisfarbenes Hemd und sehr spitze Schuhe (wahrscheinlich an die 2mal so lang wie seine eigentlichen Füße) zu hautengen Jeans und einem Pferdeschwanz. Mit genau diesem Outfit würde man im alten Europa die Chefetagen sicher im Sturm erobern. F.s alte, konservative Seele seufzte vor Schmerz. Gleich darauf durfte dann aber vor Freude geseufzt werden, denn der Humanressourcenagent befand F. als weizig genug und orderte sie am Freitag um 12 zur Einweisung. Freude, Freude! Dank selbst einteilbarer Schichten muß auch J. keine Einsamkeiten fürchten und F. hat endlich Gelegenheit, ihre Brillianz dem Arbeitsleben zuzuführen.

Woran sie das Arbeitsleben jedoch nicht teilhaben lassen wird, ist die neuentdeckte Tatsache, daß Hitler im Englischen ein offizielles, im Wörterbuch verzeichnetes Adjektiv hat: "hitlerian". Das ließ F. natürlich sofort überlegen, wie das deutsche Äquivalent dazu lauten könnte. Hitlerisch? Hitleresk? Hitlerig? Hitlerös? Letztere Version gefällt ihr am Besten. Sie plant, es als ihr neues, ultimatives Lieblingsnegativadjektiv zu gebrauchen, da es recht unheilsschwanger und historisch demonös klingt.

Das in den letzten Wochen doch ziemlich hitleröse Wetter ist in den letzten Tagen stauffenbergisch gut geworden, mit Sonnenschein und -12°C Tagestemperaturen. Bei solch sommerlichen Temperaturen kann man die Handschuhe jetzt zum Naseputzen wieder ausziehen, statt alles an den Stoff der Daumenrückseite zu wischen. Sehr gut. Weitermachen.

Als Letztes - als Vorschau auf den nächsten Artikel - noch informative Details aus Deutschlands Supermarktlandschaft. Haben nicht viele von Euch schon zahllose schlaflose Nächte über der Frage verbracht, warum der Edeka-Markt Edeka heißt? Ja? So erging es auch F. bis vorgestern, als die herausfand, daß Edeka früher E.d.K. hieß und "Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler" bedeutete. Ob der wenigen Kolonien der BRD muß F. mit erstauntem Blicke das dennoch reichhaltige Angebot der Edeka-Märkte loben. Weiter so!

Freitag, 16. Januar 2009

Schwierige Situationen im Ausland - bitte hier anstellen!


A. und F. nehmen wirklich alles mit. Was wäre ein Auslandsaufenthalt auch ohne verzweifelte Situationen und Havarien am laufenden Band? Man würde sich glatt langweilen. Damit den Beiden dies auch ja nicht passiert, umgehen sie jedes Fettnäpfchen und springen direkt in die Fritteuse:

  • Auto tot nach 4 Tagen bei -21 bis -27°C? - Wir nehmen's mit!
  • Anderthalb Stunden im Auto ohne Heizung in der Schlange am Grenzübergang bei -15°C und beschlagenden Scheiben? - Wir nehmen's mit!
  • Am Wochenende alle Werkstätten geschlossen und keine Möglichkeit zur Reparatur? - Wir nehmen's mit!
  • Die Fensterscheibe der Terrassentür fällt bei arktischen Temperaturen fast aus dem Rahmen und hinterläßt einen nicht zu reparierenden, 4cm breiten Spalt? - Wir nehmen's mit!
  • In der Badewanne sitzen, Wasser nachlassen wollen und feststellen, daß kein heißes mehr da ist (obwohl wir keinen Boiler haben)? - Wir nehmen's mit!
  • Erfrierungen an Gesicht und Händen? - Wir nehmen's mit!
  • Jalousie der Mietwohnung fällt beim Versuch des Hochziehens vor lauter Schreck in Nichtfunkionalitätsstarre? - Wir nehmen's mit!
  • Waschbär bepinkelt sämtliche Müllsäcke, die auf der Terrasse lagern und man faßt aus Versehen rein, sodaß die Hände ewig nach wilder Libido duften? - Wir nehmen's mit!
  • Der Tiefkühlschrank geht kaputt und 10kg Fleisch vergammeln? - Wir nehmen's mit!
  • Der Schlüssel steckt noch im Zündschloß, als F. die Tür des Wagens 5km von zuhause entfernt zumacht? - Wir nehmen's mit!
  • Ein Eichhörnchen wird aus eigener Blödheit und suizidalem Verhalten vor den Augen dreier entsetzer Zeugen von J. auf Kommando F.s aus Versehen getötet? - Wir nehmen's mit!
  • Die Wohnungtemperatur geht nie über höchstens 19°C? - Wir nehmen's mit!

Weitere Vorschläge, Opfer alltäglicher Mißgeschicke zu werden bitte an: Franziska@da_mußte_ma_bißl_offpassen.de

Donnerstag, 8. Januar 2009

Nichtstun macht keine Schwielen an der Hand aber Beulen im Kopf

F. ist frustriert. Seit zwei Monaten sucht sie nun schon nach Arbeit und nur eine einzige der ganzen Firmen war so seriös, tatsächlich abzusagen. Diese steht unter deutschem Management. Eine weitere, amerikanische Firma schickt F. gerade durch einen aufwendigen Auswahlprozeß voller enthusiastischer Telefonate und langer Wartezeiten. Bisher hatte sie die Ehre, sich für folgende Stellen zu bewerben:

  1. Deutschlehrerin bei Berlitz Kanada
  2. Private Deutschlehrerin
  3. Videospieltesterin bei Volt
  4. Übersetzerin bei einer deutschen Firma
  5. Telefonistin für Kundenbetreuung eines Online Deutschlerndienstes
  6. Mitarbeiterin einer Hundesitterfirma
  7. Übersetzerin für Videospiele bei Bug-tracker
  8. Deutschlehrerin für Firmenkunden
  9. Vollzeit Fruchtzerschneiderin in einem Brunch-Restaurant
  10. Private Hundesitterin
  11. Hundegassitante in einem Gassiservice
  12. Das Bekleben von 2000 Visitenkarten einer Zahnarztpraxis mit kleinen künstlichen Zahnteilchen (weiß der Geier, warum die da drauf sollten).
  13. Vollzeitnachtschicht in einer Plastefirma, die in die Jobanzeige schreibt, "wenn man einen Lebenslauf habe, solle man diesen mitsenden". Es gibt also tatsächlich Personen OHNE Lebenslauf.
  14. und andere mehr...
  15. Fortsetzung folgt.

Keine dieser Firmen, außer der beiden oben schon genannten, hat sich jemals gemeldet. Auf telefonische Anfrage hin konnten auch keine Erfolge verbucht werden. Nicht einmal die Zahnarztpraxis war bereit, F. Zahnprothesenstücke mit kleinen Klebepunkten auf Visitenkarten kleben zu lassen.

Im Brunch-Restaurant werden die Ananas nun wahrscheinlich von HIV-positiven (Stichwort Schwulenviertel), unwissenden Stümpern auf ineffiziente Art und Weise geschlachtet. Kann Aids auch über Bananen übertragen werden? Die richtige Form hätten sie ja.

F. fühlt sich ungebraucht und es fehlen neue Ideen zum Bewerben. Außerdem sind offenbar alle Firmen von F.s Bewerbung so stark abgeschreckt, daß sie es nicht einmal schaffen, zurückzuschreiben. Vielleicht sind ihre Unterlagen für den nordamerikanischen Raum auch einfach zu seriös gestaltet. Es muß mehr Sex rein. Religiöse Einstellungen, patriotische Denkmuster.

Alles muß anders werden.

Samstag, 3. Januar 2009

6h für 200km und 1 Arbeitserlaubnis


Hat man den Antrag auf die kanadische Arbeitserlaubnis bewilligt bekommen, muß man zu einem Grenzübergang, um sich selbige ausstellen zu lassen. Ein Flughafen geht dafür nicht, denn das wäre zu einfach. Man muß schon 100km bis zur US-amerikanischen Grenze nach New York fahren, ausreisen und wieder in Kanada einreisen, um das Blättchen in den Paß geheftet zu bekommen.

An der Grenze in die USA wird man schon vor dem Grenzhäuschen im Auto fotografiert. Das Gespräch mit dem Beamten im Häuschen zeichnet die vernünftige Regierung per Video auf. Nachdem der erste Beamte die Pässe und den Brief über die Bewilligung der Arbeitserlaubnis in Kanada eingehend studiert hat, behält er diese ein (!) und ein zweiter eskortiert zu Fuß das Auto zu einem nahegelegenen, von 11 Polizeiautos umgebenen Parkplatz. Dort muß man seine Autoschlüssel abgeben und wird in das Grenzgebäude geführt, an dessen Eingang natürlich eine Wache steht.

Alle Beamten haben 9 Ledertäschchen an ihren Gürteln hängen, zusammen mit einer Handfeuerwaffe, einem Metallschlagstock und einer Metalltaschenlampe. Natürlich tragen alle kugelsichere Westen, die es erstaunlicherweise auch in Übergrößen zu geben scheint (die Beamten halten wohl nicht so viel von gesunder Ernährung und Sport). Man wird mit seinem Vornamen aufgerufen und muß den Grund für das Stören an der Grenze erklären. Dann werden Fingerabdrücke beider Hände genommen und Fotos der potentiellen Eindringlinge gemacht, damit schonmal Suchplakatvordrucke als PDF-Datei im FBI-Ordner gespeichert werden können. Man wird nach dem Wirken der eigenen Großeltern im zweiten Weltkrieg gefragt. Nee, Scherz. In Wirklichkeit wird man nur gefragt, ob man eine Axt mit sich führt.

Die ganze Prozedur findet wohlgemerkt statt, obwohl man ja gar nicht in die USA einreisen, sondern nur über die Grenze und schnell wieder zurück gehen möchte, um im kanadischen Immigrationsgebäude seine Arbeitserlaubnis ausgestellt zu bekommen.

Die US-amerikanischen Beamten sind aber nun einmal extra vorsichtig, schließlich müssen sie alle Terroristen der Welt abwehren, die natürlich sicher indirekt an der drohenden Pleite von Ford und GMC schuld sind. Was die Beamten in den vielen Ledertaschen an ihrem Gürtel verstaut haben, traute F. sich nicht zu fragen, aus Angst, dann mit erhobenen Händen breitbeinig an die Wand gestellt zu werden. Wahrscheinlich sind es nur Taschentücher und Lutschbonbons. Oder Handcreme. Bestimmt aber Pfefferspray, eine Liste beleidigender Wörter auf Arabisch, ein Zertifikat über mangelnde Bildung bezüglich internationaler Angelegenheiten, ein Zettel mit einer Argumentationskette und plausiblen Ausreden, die einem aus einer möglichen Anklage wegen Folter helfen könnten, ein Snickers und eine Fernsehfernbedienung.

Nach einer weiteren kurzen Wartezeit bekommt man einen Zettel, auf dem steht, daß die Einreise in die USA verweigert wurde. Dabei wollte man ja gar nicht einreisen. Ein jähzorniger Beamter führt einen dann wieder "nach Kanada" zurück. Das Aufbegehren gegen Zollbeamte ist übrigens eine Straftat und keine Ordnungswidrigkeit. Es kann zur Inhaftierung führen. Über diese Fakten wurde der oder die Einreisende schon vorher auf großen Schildern informiert.

In der Schlange "nach Kanada" mußten F., A. und J. dann sage und schreibe anderthalb Stunden warten. Was die Wartezeit gefühlt arg verlängerte, war die Tatsache, daß kurz nach Fahrtantritt in den 50 Meter entfernten USA die Heizung und das Gebläse des Autos den Dienst versagten. Es wurde also nicht nur total kalt im Auto (der/die geschätzte Leser(in) erinnere sich an die -13°C Außentemperatur), sondern die Scheiben beschlugen auch alsbald. Deswegen mußte das Fenster geöffnet werden. Nie warteten F. und A. länger in einer Schlange...

Reifliche Überlegung und väterliche Hilfe ließen vermuten, daß fehlende Kühlflüssigkeit für den Motor die Ursache des Übels sein mußte. Solche stand im Wartebereich der Grenze leider auch nicht zum Verkauf. Man fror still vor sich hin, während die Kinder im Toyota nebenan DVD guckten.

Nach 90 Minuten waren die französischsprechenden Beamten im Zollgebäude sehr freundlich. Im unbewachten Warteraum gab es einen Kaffeeautomaten und die Beamten hatten außer einer Taschenlampe und dem Schlagstock nur noch je einen großen Stempel am Gürtel hängen. Endlich konnte F. ihre Arbeitserlaubnis in den Händen halten!

Zurück im Auto fror der Hund, der die ganze Zeit hatte warten müssen. F. und A. fuhren zur nächstgelegenen Tankstelle und füllten die Kühlflüssigkeit auf. Nachdem die Heizung auf Blitzkrieg gestellt war, ging es zackig mit 100km/h heimwärts. Nie kam einem das Apartment in der Rue de la Visitation gemütlicher vor - so ganz ohne Schlagstöcke und Kameras.