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Dienstag, 23. August 2011

Die neue Terrasse ist besetzt!

Dank freundlicher Topf- und Stuhlspende der Großeltern sogar schon mit Pflanzen und Sitzgelegenheit. Ist die Wiese nicht wunderschön? J. wird Augen machen! Jetzt stürmen A. und F. den Ikea für weitere Besorgungen...

Freitag, 5. August 2011

Was ist hier falsch?

Schon oft gesehen, diesmal hier links auf Foto festgehalten!
Die Lösung sieht man schneller, wenn das Bild durch anklicken nochmals vergrößert wurde. Antworten bitte per Meinungsbekundung unten notieren.

Und mal ehrlich, wer hat den gleichen Schmonz auch schon verzapft? F. passierte es bereits mindestens einmal an einem geistig umnachteten Tag.

Donnerstag, 21. Juli 2011

PorNO!

Erklärung am Rande für alle Menschen über 40, die sowas nicht wissen: Porno heißt auf Englisch 'porn'. Würde man also an einem Auto vorbeispazieren, auf dem groß 'Elektroporno' stünde, liefe die Fantasie sofort wild schreiend im Kreis herum. In Verbindung mit 'Technik zum Wohlfühlen' könnte der Wagen zu einem echten Knaller avancieren. Scharen spärlich bekleideter Mädels würden verlangend an die Scheiben klopfen, aufs Äußerste dazu gewillt, selbige Technik möglichst schnell zu erwerben. Zum Pech für das Unternehmen stand das Auto jedoch im deutschsprachigen Trier, dessen Bewohner des Englischen i.d.R. nicht mächtig sind und gänzlich unaufgeregt daran vorüberlatschten, ohne in Gedanken an Fleischeslust und sexy Technik zu schwelgen. In England sähe das freilich anders aus, aber dorthin verschlägt es den Trierer Elektromenschen ganz selten. Lieber fährt er nach Frankreich und tankt billig, wobei er vollkommen unbehelligt bleibt: Wenn es einen Ort auf dieser schönen Erde gibt, an dem man garantiert nie mit mehr als extrem rudimentären Englischkenntnissen konfrontiert wird, dann ja wohl Frankreich. Selbst ein auf Englisch angekündigter Weltuntergang würde am Großteil der Einwohner unbemerkt vorbeiziehen, da können sie sich doch nicht mit so Kleinigkeiten wie Sex abgeben.

Freitag, 8. Juli 2011

Dienstags und freitags

Vor zwei Wochen waren A., F. und J. in Begleitung von S. und dem Lethargolabrador ferienbedingt einige Tage außer Haus, fern vom engen Stuttgart, und räkelten sich dekadent auf den karierten Picknickdecken Sachsens. Durch chinesischinduzierte Magenprobleme wurde die Abreise leicht ins Wanken gebracht, durch weiteres typisches Zuspätaufstehen/Zuspättaschepacken/Nochtankenmüssen/WoistmeineSonnenbrille/Ichmachmirnur-nochkurzdieHaare verzögerte sich das Losfahren um einige Zeit. Das Staubsaugen der Wohnung gelang A. ordnungsgemäß - schließlich möchte niemand von erholsamen Ausflügen in eine schmutzige Wohnung zurückkehren - aber die Hausordnung (süddeutsch: Kehrwoche) schaffte man nicht mehr.
(Grimmige Beschreibungen des baden-württembergischen Kehrwochenwahns sollen hier keinen Nährboden finden. Der Schwabe ignoriert Dienstleistungsunternehmen zur Gebäudereinigung im Privatsektor weitestgehend, aber das darf doch auch bitte jeder Hausbesitzer selbst entscheiden. In anderen Lebensbereichen gesteht man den Individuen schließlich auch freimütig  das dauernde Dreckigsein zu. Gärtnern, linksextremistischen Randgruppen, Motocrossfahrern. Niemand hat jemals davon gehört, daß finstere Zuschauer dem erschöpften Motocrossfahrer ein kleines Plastikbeutelchen mit vom Moped gekratzten Schlammresten an den Lenker hängen würden. Deswegen ist es mit Sicherheit auch eine absolute Ausnahme, daß der nette schwäbische Nachbar bisweilen kleine Tütchen mit im Laufe der Woche eingesammelten Hundehaaren an die Klinke der Wohnungstür hängt. Kein Grund zur Aufregung.)
Zum Glück wohnen in A.s und F.s Haus überhaupt keine Schwaben, sondern nur - um die Waiblinger Kreiszeitung einmal in ihrem dauernden randrassistischen Gelaber zu zitieren - Menschen mit deutlichem Migrationshintergrund. Was deutlicher Migrationshintergrund ist und wie er sich von undeutlichem unterscheidet, müssen andere, kompetente Fachkräfte in ihrer Freizeit herausfinden. Jedenfalls meckern die netten Menschen mit deutlichem Migrationshintergrund in der Regel niemanden wegen irgendeiner Kehrwochenlappalie an und benutzen ihre Plastikbeutel auch eher, um exotische Speisen im Kühlschrank länger haltbar zu machen. Als A. und F. jedoch von ihrer mehrtätigen Abwesenheit zurückkehrten und das Treppenhaus betraten, bot sich ihnen ein Bild des Jammers: Geigenmusik im Westernstil spielte leise klagend, der Wind fegte vertrocknete Lindenblüten über die Stufen, Colaflecken deflorierten den glatten Stein! F. spürte  die langen Finger des Schames streng tastend an ihrem Herzen, als mit starkem Akzent folgender Satz fiel: "Is dreckig, nich?"
Ja, Frau Nachbarin aus dem zweiten Stock, s'ist dreckig, da darf man ruhig Salz in die Wunde streuen. Der schwäbische Nachbar hätte wahrscheinlich die Lindenblüten durchs angekippte Fenster in die Wohnung des Übeltäters geschmissen und man würde sich tagelang über solche Unverhältnismäßgkeit aufregen. Frau Graziano hingegen spricht einen Satz und man fühlt sich furchtbar ertappt. Genauso ertappt wie beim Anblick dieses Blogs, das seit reichlich zwei Monaten vertrockneten Unrat aller Art durch seine Hallen fegen sehen muß.
Dies soll sich nun ändern! Eine Regel wurde erstellt. Jeden Dienstag und Freitag wird ein neuer Eintrag kredenzt - koste es, was es wolle. Fotos häufen sich ja eh in F.s Archiv, hinreichend tolle Ideen sowieso, es liegt also nur an der Faulheit. Mal sehen, wie lange sie es durchhält.

P.S.: Nachbarn mit deutlichem Migrationshintergrund sind einem übrigens nur dann meist milde gestimmt, wenn man selbst keinen hat. Die in der Türkei geborene Frau des Hausverwalters, ebenfalls gebürtiger Türke, vertraute F. in der Vergangenheit zum Beispiel ganz selbstverständlich an, daß "Neger" [sic!] sowieso schlecht putzen und es deshalb kein Wunder sei, wie's bei der Frau aus dem ersten Stock immer aussehe. Als sie von der 'unkonventionellen' Partnerschaft zwischen A. und F. erfuhr, lachte sie nur freundlich und meinte "Lieber so jemand, als Leute mit Kopftuch." Immer schön reintreten in Richtung dessen, was vermeintlich unten ist...

Montag, 1. Februar 2010

O.B. nimmt die Regel da auf, wo sie passiert: im Schrebergarten.

Seit heute geht F. fast jeden Tag in die Schule und hängt mit 100 anderen Lehrern kaffeetrinkend und über die unfähigen Schüler lästernd im Lehrerzimmer ab. Dafür wird sie natürlich viel zu gut bezahlt. Richtig arbeiten müssen Lehrer eh nur bis spätestens mittags, danach ist Feierabend, zu dem man sich auf die von hart schuftenden Steuerzahlern finanzierte Ledercouch im heimischen Wohnzimmer bettet. Mit der Fernbedienung in der Hand schaut der Lehrer dann qualitativ minderwertige Sendungen an und schimpft nebenher über die Eltern, die ihre Kinder nicht richtig im Griff haben.
Blöderweise herrscht an F.s Schule verkehrte Welt. Es gibt Nachmittagsunterricht, der bis 17:15 Uhr geht und der Schulleiter waltet gewissenhaft seines Amtes. Ein Ledersofa besitzt F. schon, das gehört aber dem Vermieter. Fernseher inklusive Fernbedienung fehlen auch, weswegen sie sich mit J. auf den Sessel quetscht und dieser die Unarten der Kinderlein ins Schlappohr pustet. Da der Hund seligerweise wie immer nur Bahnhof versteht, fühlt F. sich gleich wieder an eben jene Schüler erinnert. Die Arbeit verfolgt einen überall hin!
Außer zum Gassigehen natürlich, da trifft man niemals Kinder und Jugendliche. Welcher ordentliche 15jährige geht bei diesem Wetter schon vor die Tür außer um Drogen oder neue Kleidung einzukaufen? Richtig, kein einziger. So begegnen F. und J. im Wald in der Regel nur ausgewachsene Menschen und Hundehalter. Auf der steilen Treppe den Berg hinauf läßt sich meistens gar niemand blicken. Einsam schritten die Beiden auch am Samstag dort entlang, als F.s Blick große Blutflecke im Schnee entdeckte. J. schnüffelte interessiert, schickte sich aber nicht an, vom Blute zu kosten. Kombiniere, kombiniere, es handelte sich somit wahrscheinlich nicht um Tierblut! Dafür sprach auch, daß menschliche Fußspuren vom Blut wegführten, begleitet von weiteren roten Flecken. Die Spuren verliefen bis zu einem Schrebergartentor, unter dem unmöglich ein Tier durchgepaßt hätte und gingen hinter selbigem noch an die 100 Meter weiter, bis F. sie in der Ferne aus den Auge verlor. Die roten Stellen mit Blut leuchteten weit und waren zahlreich - ungefähr alle 30 Zentimeter ein größerer Fleck.
Vor F.s innerem Augen spielten sich dramatische Gewaltverbrechen in der samstäglichen Stille der Schrebergartenanlage ab. Das Ereignis konnte noch nicht lange her sein, hatte es doch über Nacht geschneit. Sollte hier wirklich ein Bösewicht sein unschuldiges Opfer mit scharfer Klinge angefallen und im naheliegenden Garten deponiert haben? Oder hatte sich doch nur ein ältlicher Schwabe unter benachteiligender Einwirkung von Blutverdünnungsmitteln in den Finger geschnitten, während er im ertragreichen Monat Februar die ersten Zwiebeln erntete? Am Ende war hier vielleicht lediglich eine stark menstruierende, nackte Frau in hohen Winterstiefeln vorbeigeeilt - peinlich überracht von der plötzlich einsetzenden Regelblutung.
Kurz kam F. der Gedanke, mal eben nachschauen zu gehen, wo die Blutspur endete. Unbefugt in fremden Gärten herumlaufen wollte sie aber auch nicht, schon gar nicht ohne Handy. Schließlich kennt jeder die berühmte Situation in gefährlichen Filmen: Ahnungslose Person X befindet am Eingang zu Ort Y. Spannende Musik erklingt. Der Zuschauer schreit dem Protagonisten innerlich zu, er solle das verhängnisvolle Gelände doch lieber nicht betreten! Vergeblich! X ignoriert jede Warnung in Form klanglich-düsterer Filmuntermalung und latscht ins Verderben. 'Da wäre ich NIE und NIMMER reingegangen,' quäkt vorm Bildschirm besserwissend der Zuschauer. Weil F. dies im wirklichen Leben nicht passieren sollte, ging sie nicht in die Gartenparzelle. Vielleicht liegt dort nun immernoch eine Leiche, vielleicht aber auch nur kleine Tamponfolierestchen der schamgepeinigten Dame. Wissen kann man das nicht.

Montag, 5. Oktober 2009

Niedriger geistiger Wasserstand übervorteilt Nichtschwimmer

"Ich möchte ja zu gern wissen, was Du gerade denkst," bekommt F. ziemlich oft zu hören. Komischerweise fragen die Leute das in den meisten Fällen genau dann, wenn gerade gähnende Denkleere in ihrem Kopf herrscht, was zugegebenermaßen viel häufiger vorkommt, als der gemeine Freund oder Bekannte ahnt. Da werden unglaublich intellektuelle oder schöpferische sowie lästernde und wertende Gedanken vermutet, während in F.s Kopf nur die abertausendste Schleife eines Klaviersolos vor sich hin dudelt. Über die Hälfte der Zeit strömen alle möglichen Eindrücke und Beobachtungen auch fast ungefiltert wie durch einen großen Trichter in sie hinein, um irgendwo zu versickern.
Zu F.s Überraschung muß sie allerdings bei genau diesem Prozeß nach irgendetwas Fragenswertem aussehen. Vor dem Spiegel kann man das freilich schlecht simulieren, denn wer sich selbst anschaut, denkt meistens auch an das Gegenüber. F. zum Beispiel wundert sich dann, wieviele Sommersprossen sie doch hat und sieht, wie eckig ihre Nase ist. Ein Klassiker des Spiegelguckens ist auch der vergebliche Versuch, sich selbst gleichzeitig in beide Augen zu schauen. Das kann gar nicht funktionieren, wird aber wie das Anlecken des eigenen Ellbogens (ebenfalls unmöglich) gern immer wieder neu probiert. Bei dieser Gelegenheit soll noch erwähnt werden, daß man ganz schlecht schlucken kann, wenn man nach oben schaut. Dies ist zwar ein unumstößlicher Fakt, wird dennoch aber gern von Zeit zu Zeit verifiziert.
Fest steht also, daß F. selbst in Zeiten großen Stresses in mindestens sechs von zehn gefragten Fällen an gar nichts denkt. Gibt sie diese Wahrheit als Antwort auf die ganz oben gestellte, indirekte Frage 'Ich möchte ja zu gern wissen, was Du gerade denkst.', glaubt der Frager das natürlich nicht. Schließlich muß man irgendwas denken, sonst wird Zeit verschwendet. Dabei ist es oft so schön mollig warm und ereignislos in F.s Kopf, daß sie später viel mehr Energie hat, wenn es wirklich zur Sache geht. Zum Beispiel wenn man grad mit heruntergelassenen Hosen am Telefon spricht, weil jenes läutete, als man sich zum Pullern anschickte und zeitgleich die Türglocke den Paketboten ankündigt, dessen Wortfetzen aufgrund der schlecht funktionierenden Gegensprechanlage kaum zu verstehen sind. Dann ist schnelles Handeln gefragt: Hose hochziehen, Gürtel zumachen, Telefonpartner elegant vertrösten, den lauthals bellenden Pflegeschäferhund an der Heizung anketten und schließlich ganz relaxt das Paket annehmen. Wer solches souverän meistern möchte, muß meditative Phasen innerer Ebbe einplanen.
Apropos Ebbe. Der Elbstand ist momentan so niedrig, daß F. am zutage kommenden steinigen Ufer besonders vieler Slipeinlagen gewahr wird. Wie die da wohl alle hinkommen? Ob die Touristinnen auf den Elbdampfern in unbeobachteten Augenblicken ihre gebrauchten Hygieneartikel über Bord werfen? Oder sommerliche Picknickerinnen und Grillbräute in großer Not auf dem abendlichen Toilettengang hinterm Busch einfach mal eine Carefree oder Always Ultra fallenlassen? Bei den Umweltsünderinnen handelt es sich laut aktueller Beobachtungen in der Regel nicht um Tangaträgerinnen, denn die speziellen Tangaslipeinlagen hat F. noch nie am Elbufer gesehen. Gesucht werden demnach Frauen mit normalen Unterhosen. Am Ende sind die Übeltäter gar nicht weiblich, sondern böswillige, männliche Wüteriche verschmutzen mutwillig die elbnahen Erholungsgebiete, um den guten Namen ahnungsloser Damen zu besudeln. Schließlich denkt ein jeder gewissenhafte Bürger beim Anblick des unsachgemäß entsorgten Menstruationsvlieses sehr vorwurfsvolle Dinge und fordert insgeheim härtere Maßnahmen sowie punktgenaues Durchgreifen. Ist ja nachvollziehbar. Würde F. sicher auch tun. So schürt der Untergrund frauenfeindliche Gedanken und vergiftet das ansonsten harmonische Miteinander von Mann und Frau. Dies darf nicht zugelassen werden! Verteidigt den süßen Geschlechterfrieden! Zermalmt die entsetzlichen Störenfriede, die bei Nacht und Nebel Slipenlagen heimlich aus kleinen Weidenkörbchen von den Dresdener Brücken segeln lassen! Zermalmt sie mit entschlossenem Herzen und erhobener Faust!

Donnerstag, 27. August 2009

Verpaßt nicht das Wunder der Geburt!

Bestimmt hat jede Frau im Laufe ihres Lebens schon einmal mit einem kleinen Mädchen oder Jungen unter der Dusche gestanden. Vorausgesetzt die Frau trägt untenrum nicht den heutzutage allseits beliebten Kahlschlag, läuft das Duschwasser natürlich an allen Ecken und Enden des Körpers ab, bildet dünne Wasserschnüre, die nach unten wollen. Spätestens dann kräht das Kind halb triumphierend, halb vorwurfsvoll: "Du pullerst ja in die Dusche!" Sicher pullert man manchmal auch in die Dusche, in der Regel aber in Abwesenheit Minderjähriger oder anderer Personen. Falls man es doch aus großer Dringlichkeit heraus in Gesellschaft tut, dann ins Eck abgewandt, alibimäßig das Shampooetikett lesend.
Bei Hunden ist das ganz anders. Die stehen zwar selten unter der Dusche, genieren sich aber sonst gar nicht, sich unter den Blicken Anderer zu erleichtern. Einige sind wählerisch, machen nur auf Wiesen oder kriechen hinter Büsche beziehungsweise kacken nur auf erhöht liegende Objekte. Anderen genügt jedweder Untergrund, auch weil sie vom Halter immer achtlos vorangezerrt werden, sodaß gar keine Zeit für wählerisches Getue bleibt.
Allein, in der städtischen Gedrängtheit verursacht das maßlose Verrichten der Geschäfte insofern ein Problem, als daß es den Lebensraum für andere Menschen in unangenehmer Art und Weise umgestaltet. Mülltonnen, Häuserwände, Zäune, Autos und andere öffentliche Einrichtungsgegenstände profitieren nicht davon, immerfort angepinkelt zu werden. Parks, Fußwege, Straßen und vorallem Naherholungsgebiete - so groß sie auch sein mögen, genießt man viel unbeschwerter, wenn nicht überall Hundekot herumliegt. Folgende Argumente kommen gern zum Einsatz:
  • "Ich kann meinem Rüden doch nicht das Markieren verbieten." - Muß man ja auch nicht generell. In Bezug auf bestimmte Gegenstände ist es aber durchaus möglich, wie F. an mehreren ihrer gesitteten Rüden selbst entspannt feststellen durfte. Die waren es sonst gewöhnt, an jede Ecke zu pieseln, verstanden jedoch schnell, daß manche Stellen einfach tabu sind.
  • "Die anderen Hundehalter räumen den Kot auch nicht weg." - Wir erinnern uns an die Mutti von früher. Diese legte sich ihre Erziehungsargumente manchmal gerade so zurecht, wie es am Besten paßte. Wollte man länger wegbleiben und wies darauf hin, daß Jennifer das auch dürfe, schnarrte die Mutti: "Das interessiert mich nicht, was Andere dürfen!" Hatte man eine vier in Mathe, wurde hingegen sofort nach Jennifers Note gefragt. Daraus kann man lernen, daß es oft vielleicht doch keine so gute Idee ist, immer auf die Anderen zu schielen.
  • "Wir zahlen schon genug Hundesteuer, da könnte die Stadt wenigstens genug Beutelspender aufstellen." - Plastikbeutel bekommt man überall sonst hinterhergeworfen; was die Stadt mit der Hundesteuer anstellt, bleibt rätselhaft und ist sicher nicht im Interesse der Halter, aber deshalb auf Hygiene verzichten?
  • "Die Katzen/Füchse/anderen Tiere XYZ kacken hier auch immer hin." - Über Katzenhalter soll hier geschwiegen werden (immer schön an Mutti und ihre Wankelmut denken). Andere Tiere gibt es sicher, aber selbst wenn alle Füchse DDs sich spontan zum Stuhltourismus entscheiden und gesammelt auf die Elbwiesen kacken würden, verursachten sie keine solche Sauerei wie die Hunde, aus dem einfachen Grunde, daß es viel mehr Hunde als Füchse gibt.
Nun sollen die werte Leserin und der liebreizende Leser nicht etwa annehmen, F. erwarte von den anderen Hundehaltern, daß sie ihren Hundekot beseitigen. Weit gefehlt. F. weiß, daß die Faulheit der anderen Hundehalter sie immerfort daran hindern wird und erwartet deswegen gar nichts. Sie macht einfach weiter J.s Hinterlassenschaften in Parks, Straßen und noch so großen Naherholungsgebieten weg, pauschal frisch angepöbelt von genervten Nichthundehaltern, die sich ebenso aggressiv verhalten, wie ihre hundehaltenden Mitbürger. Schöner wäre es aber doch, wenn man sich um Sauberkeit bemühte. Der Wandel kommt von innen und ist durch lieben Druck von außen kaum zu erreichen (den bösen Druck lassen wir mal außen vor). Eines Tages tritt der Kot nicht wegräumende Hundehalter vor sein Anwesen, seine hochschwangere Frau auf dem Arm haltend und eilt zum Kraftfahrzeug. Er beschmutzt seinen Schuh mit Kot, bemerkt dies aber nicht. Im Krankenhaus dann das schlimme Erwachen: Mit den verdreckten Schuhen wird ihm der Zutritt zum Kreißsaal verwehrt, das Wunder der Geburt erlebt der Hundehalter durch Glastüren getrennt, traurig in einer Wolke Hundekotgeruchs sitzend. Erst jetzt denkt er um, doch schon ist's zu spät. Bei der wirtschaftlichen Situation schafft sich kein Mensch mehr als ein Kind an. Wer soll denn das bezahlen.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Das Leben ist ein zorniges Wurstbrot

Nach neun Monaten Aufenthalt in Montreal hat Dauermäklerin F. beschloßen, in einer ausgedehnten Denksitzung die positiven Aspekte Quebecs zusammenzutragen. Nach mehrtägigem Brüten fielen ihr diese Dinge ein:
  • Es gibt zahlreiche wohlschmeckende, zuckerfreie und damit zahnfreundliche Limonadesorten, z.B. zuckerfreie Litschi-, Preiselbeer-, Granatapfel-, Limetten-, Kirsch-, Erdbeer-, Trauben-, Zitronen- und Ingwerlimonade zu tollen Preisen (45 Cent pro Liter). Diese werden von den Einheimischen verschmäht, weil sie nicht dick machen.
  • Die Straßen sind in der Regel doppelt so breit wie in Deutschland, ebenso die Parkplätze. Selbst F. flutscht hier die Fünfmeterkutsche in unter zehn Zügen in jede Lücke.
  • Die Menschen räumen (fast) immer den Kot ihrer Hunde weg, in (fast) allen Parks, Naherholungsgebieten und auf sonstigen Grünflächen. Auf dem Gehweg liegt NIE Hundekacke. F.s Schuhprofil bleibt verhältnismäßig geruchsneutral.
  • Schneegarantie im Winter: mindestens drei Monate lang gibt es eine geschlossene Schneedecke.
Außerhalb Quebecs ist die Kundenfreundlichkeit in jeglichen Läden und Geschäften erstklassig. Dinge umtauschen ohne Kassenzettel? Kein Problem! Die Einkäufe werden einem eingepackt und bis zum Auto getragen, Verkäufer sind (beinahe) immer freundlich, man umwirbt den Kunden.
Soweit zur mageren Ausbeute der positiven Aspekte. Zwei studierte deutsche Menschen marterten ihre Hirne und fanden doch keine weiteren guten Punkte. Dafür aber jede Menge blöde/schlechte/nervige Seiten Quebecs:
  • Die Straßen sind zwar breit, aber entsetzlich in Stand gehalten. Auch hier scheint der arthritiskranke, einhändige Riese, der schon F.s und A.s Bad flieste, als Straßenbauarbeiter am Werk gewesen zu sein. Die Beschilderung ist extraschlecht, damit verzweifelte Einwanderer oder Touristen nie wieder den Weg zurück ins Heimatland finden und auf immerdar in Quebec bleiben müssen. Spuren enden ohne Vorwarnung, Ausfahrtshinweise werden drei Meter vor der jeweiligen Ausfahrt platziert und Entfernungsangaben kennt man kaum. Quebecer müssen keine Fahrschule machen, um den Führerschein zu bekommen, sondern nur eine Prüfung in einem selbstgewählten (!) Fahrzeug absolvieren. Die meisten wählen einen Panzer, vergessen dann später im Straßenverkehr aber, daß sie jetzt in einem normalen Kraftwagen sitzen.
  • Die (französischsprachigen) Menschen sind unfreundlich, unsozial, distanziert und feindselig. Sie mögen keine englischsprachigen Menschen (die im Lande durchaus beheimatet sind), keine Ausländer und auch keine anderen französischsprachigen Individuen. Vorallem aber mögen sie keine anderen Quebecer. Persönlicher Austausch ist unerwünscht. Der/die normale, Bekanntschaften suchende Europäer(in) fühlt sich regelmäßig wie ein(e) verrückte(r) Stalker(in), nur weil er/sie versucht, eine(n) Quebecer(in) zum Kaffee zu treffen.
  • Essen ist teuer. Zwei Liter Milch kosten fünf Dollar, ein Kilo vom billigsten Käse 25 Dollar, eine Dose Pulvercappuccino acht Dollar. Deswegen sind die Quebecer etwas weniger dick, als ihre nordamerikanischen Nachbarn und fühlen sich diesen überlegen.
  • Quebecer denken, ihre Provinz hätte einen starken europäischen Anstrich, was nicht stimmt. Gleichzeitig finden sie Europa doof. Nordamerika auch. Weil die Stadt Montreal drei U-Bahn- und zwei Dutzend Buslinien auf 1,6 Millionen Einwohner hat, denken die Leute, sie wären umweltfreundlich. Autos mit 25 Liter Verbrauch sieht man aber dennoch an jeder Ecke. Die Stadt verlassen, um in umliegende Grüngebiete zu kommen, ist ohne KFZ nicht möglich.
An dieser Stelle mußte F. aufhören nachzudenken, sonst wären ihre Halsadern armesdick angeschwollen. Zur eigenen Beruhigung ging sie eine Runde mit dem Hund spazieren und kam auf dem Weg zum Park (10km) an 26 Ampeln vorbei, die alle per Zufall willkürlich eingestellt wurden und in keinster Weise aufeinander abgestimmt waren, weswegen sie an 14 dieser Ampeln anhalten mußte. Rückzu natürlich nochmal dasselbe Spektakel. Sie nahm sich vor, auf der nächsten Fahrt in einem Anfall ungezähmter Zerstörungswut jede rote Ampel mit einer großen Säge umzusägen. Dieses Vorhaben scheiterte am Mangel an qualitativ hochwertigen Sägen. Argh.

Sonntag, 31. Mai 2009

Warum sind Möhren orangener als Orangen?

Nachdem das Auto innerhalb der letzten Woche dreimal liegengeblieben ist, weil Bob, der 55jährige Mechaniker, "aus Versehen" das defekte Zündmodul gegen ein anderes defektes Zündmodul ausgetauscht hatte, entschloß F. sich heute, sicherheitshalber das Fahrrad im Kofferraum mitzunehmen. Jetzt traut sie dem Auto nämlich erstmal nicht mehr so richtig über den Weg. 15km von zuhause entfernt eine Panne zu haben, ist in Montréal kein Spaß, denn man kann mit Hund in der Regel weder Taxi noch Bus benutzen. Damit soll nicht behauptet werden, daß Pannen irgendwo in der Welt mehr Spaß machen, aber F. und A. ziehen dem Wagenstillstand an sechsspuriger Straße ohne Fußweg doch eher die Panne im bayrischen Bergdorf vor. Hätten sie die Wahl zwischen einem Motorschaden im Bagdader Umland und einem Montréaler Vorort, würde letzterer aber bestimmt gewinnen.
Erstaunlicherweise passte das Fahrrad ganz ohne Demontierung des Vorderrades in den Kofferraum. Dort bleibt es erstmal liegen, auch wenn der Wagen wieder okay zu sein scheint (Anzahl heutiger Pannen: 0).
Auf den anderen Blogs wurde tüchtig mit spannenden Balkonfotos und Blümchendokumentationen herumgeprollt. Das kann F. auch:
So sieht es im heimischen Garten aus, wenn schönes Wetter herrscht. F. guckt natürlich doof und puhlt sich grad mit verschlossenen Augen im Ohr herum. J. ist nur halb auf dem Foto. Ihr Unterteil mußte vermutlich den lila Blumen auf der oberen Bildhälfte weichen. Genau weiß man das nicht, denn der Nachbar hat das Foto geschossen. Vielleicht hat er auch nur schief auf's Display geschaut, die Blumenerklärung klingt allerdings wesentlich plausibler. Es kommt ja unglücklicherweise öfters vor, daß Menschen geknipste Lichtbilder zur Hälfte mit Banalem füllen. Ob 50% grauer Himmel, 45% reingrüne Wiese, das Kamerabändchen halb auf der Linse oder ein fremder abgehackter Menschenkörper bzw. 150 unbearbeitetete, unsortierte Bilder vom ersten Geburtstag der Enkeltochter - den Leuten fällt immer etwas Hübsches ein, um ihren Fotos einen ganz speziellen Amateurtouch zu verleihen. Dann brennt man im Zeitalter der digitalen Fotografie (ausgeleierte, pseudorevolutionäre Phrase) den ganzen Bilderwust auf eine DVD und schickt sie an alle Verwandten. Die freuen sich ganz besonders, wenn die Hälfte der optischen Grußbotschaft auf dem Kopf steht. Früher war alles besser! Da paßten nur 36 Bilder auf einen Film, danach war Feierabend. Was vor 15 Jahren der volle Film, ist heute der leere Digitalkameraakku. Zum Glück halten die Dinger nicht ewig, sonst würden aus 150 Schnappschüssen 70ster Geburtstag womöglich 300.
Trotzdem findet F., die eher ein Fotografiermuffel ist, Digitalkameras ausgezeichnet. In verantwortungsvollen Händen bringt ein solches Gerät viel Freude ins vorher öde Leben der 10 Euro Fuji Wegwerfpappfotoapparatkäuferin. Auf dem Display kann man zum Glück meistens sehen, ob die fotografierten Personen blöd gucken und somit unattraktiv wirken. In solchen Fällen wird ratzfatz gelöscht. Nur wenn der Nachbar das Foto schießt, bleibt alles unzensiert. Natürlich finden meistens alle Menschen das gemachte Foto supertoll. Alle, außer man selbst. Derartige Selbstkritik am eigenen Aussehen gehört verboten! Erst Jahre später realisiert nämlich die junge Person, wie außerordentlich gutaussehend sie mit 25 doch noch war - dann ist die Zeit der Attraktivität aber leider schon vorbei. Nehmt Euch diesen Ratschlag deswegen zu Herzen: Auf einem Foto sieht man in neun von zehn Fällen 100mal (Achtung, frei erfundene statistische Werte!) toller aus, als man kurz danach glaubt. Deswegen sollte der Löschdaumen langsamer löschen.
Zum Schluß noch eine erhellende Bonuserkenntnis, die F. über sich selbst gemacht hat: Sie denkt sich gern Prozentzahlen zu Fakten aus, deren wahre Statistiken sie vergessen hat oder nie wußte. Dies läßt sie glaubwürdiger wirken und die meisten Leute fallen darauf herein. Man muß nur selbst von der ausgedachten Zahl überzeugt sein und notfalls einen Streit um die Richtigkeit selbiger anzetteln. In 75% der Fälle klappt dies prima.

Montag, 25. Mai 2009

Spocht frei!

Am Sonntag stapften F. und J. friedlich durch ein stillgelegtes Bahngelände, dessen Betreten streng untersagt ist. Die großen Löcher im Zaun erlaubten es aber, dieses Verbot zackbumm in einen gutgemeinten Ratschlag zu verwandeln. Solche ignoriert F. mit ihrer jugendlich-ungestümen Natur und latschte dort folglich trotzdem herum. Mit Entsetzen sollen die geneigten Leser(innen) nun weiterhin erfahren, daß es sich nicht einmal um eine Einzeltat handelte, sondern F. besagtes Gebiet sehr gut kennt. Sie hat da sogar schon hinter Büsche gepullert und in der Nase gepopelt, wenn sie sich unbeobachtet glaubte. Im Auto fühlt man sich auch schnell unbeobachtet und zupft am oder im eigenen Gesicht herum, während man an der roten Ampel wartet. Die Bestürzung ist dann groß, wenn man feststellen muß, daß der Fahrer des spritfressenden Möchtegerngeländewagens neben einem 2 Meter höher sitzt und einem ohne Mühe auf die Zehennägel gucken kann. Von den Popeln ganz zu schweigen. Hartnäckiges Abschweifen vom eigentlichen Thema beendet.
Während also galant herumspaziert wurde, sah F. plötzlich mehrere von denen hier in der Ferne:
Aus der Entfernung konnte man zwar das Camouflage sehen, nicht aber die Waffen und die Vermummungen. Ganz so, wie F. bisweilen Leute aus der Ferne für hübsch hält, dann aber durch die Details beim Herannahen eines Besseren belehrt wird. Auch Fettleibigkeit fällt bei größerer Distanz weniger auf. Amerikanische Hochzeitfotos von Mittel- und Unterklassepärchen sollten aus diesem Grunde immer aus 100 Metern Sicherheitsabstand ohne Zoom aufgenommen werden. Die tarnfarbenen Gesellen standen genau auf ihrer Route, deswegen nahm F. im Geiste optimistisch erstmal an, daß es sich um Pilzesammler oder naturverbundene Spaziergänger handeln müsse, immerhin trug sie an diesem sonnigen Tage selbst ein Camouflage-Nicki (westdeutsch: T-Shirt). Der Weg wurde also schlendernd fortgesetzt. Aus 10 Meter Entfernung waren die Waffen dann doch unübersehbar, zusammen mit den Masken und allerlei Equipment. Eines der Kampfmännchen lief direkt auf F. zu, die gespannt den Hund beobachtete. J. ignorierte die Leute komplett.
Bevor F.s Großmutter jetzt beim Lesen in tiefe Sorge fällt und drei Stunden des kommenden Nachtschlafes einbüßt, kommt auch gleich die friedliche Wendung.
Der Ballermann mit der großen Knarre klappte nämlich sein Visier hoch und erklärte, daß sie jetzt hier Paintball spielen würden und fragte nach, wo F. langzugehen gedenke. Zur Erklärung: Paintball wird mit Druckluftwaffen gespielt, die kleine, mit Lebensmittelfarbe gefüllte Kugeln als Munition enthalten. Selbst aus größerer Entfernung sind diese Geschosse recht schmerzhaft und verursachen Blutergüsse, weswegen Gesichtsschutz und gepolsterte Kleidung sowie zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen nötig werden. In ihrem schicken Tarnnicki (westdeutsch: T-Shirt) mit der Aufschrift "Country Music Hall of Fame" wollte man F. keinesfalls aus Versehen abschießen. Deshalb tauschte sie kurz mit dem Spieler ihre Spazierpläne aus und ging dann ihres Weges. Das Einzige, was sie danach noch von den Leuten sah, waren zwei vermummte Tarnträger, die aus dem Gebüsch knapp an ihr vorbeigerannt kamen. Da mußte dann selbst die J. kurz bellend klarmachen, daß maskierte Paintballisten die Dreimeterdistanz nicht unbemerkt unterschreiten dürfen.
F. fand die Begegnung sehr interessant, wollte sie doch selbst schon immer mal Paintball spielen. Vermummte Typen mit Druckluftgewehren sind ihr außerdem lieber, als 50jährige Tierliebhaber, die Backwaren in die Stadtrabatten werfen. Lieber Lebensmittelfarbe im Gebüsch, als Weizenbrot auf Rindenmulch. Solches lädt J. nämlich zum Fressen ein, wovon sie unsäglich dick werden könnte. Daraus resultierend müßte F. eine 100 Meter lange Flexileine benutzen, um das Tier optisch noch ertragen zu können. Abgesehen davon, daß eine Flexileine dieser Länge in der Handhabung sehr ungünstig ist und Radfahrer wie Passanten zum Stolpern einlädt, kostet die bestimmt auch Einiges. Darum bleibt Sport in Wald und Flur dem Herumschmeissen qualitativ niedriger Backerzeugnisse generell vorzuziehen.

Samstag, 25. April 2009

Heb' mal das Haus hoch, mein Matchbox-Bagger ist druntergerollert!

Der geneigte Leser erinnert sich vielleicht an diesen Blogeintrag zum gegenüber renovierten Haus. Damals machten die fortdauernden Arbeiten schon keinen besonders professionellen Eindruck. Seit drei Tagen ist die Situation allerdings noch bizarrer. Den Bauarbeitern hat wohl der Boden unter dem Haus nicht so gut gefallen, weswegen sie ihn komplett entfernten und das Gebäude nun, von Wagenhebern und Brettchen gehalten, fast ausschließlich in der Luft hängt. Tagsüber tuckert untendrunter eine Miniraupe und schiebt Erde hin und her. Hier die Bildbeweise:
Vorn wurden Hölzer gestapelt, auf denen Balken ruhen. Um die richtige Höhe hinzubekommen, haben die gewissenhaften Bauarbeiter kleine Brettchen untergeschoben. Ob das Haus einstürzt, wenn F. die mal rauszieht?Naja, das probieren wir lieber nicht. Interessant wäre es aber schon...

Sonntag, 5. April 2009

Biokampfstoffe am Arbeitsplatz

F. ist mit einem gewissenhaften und sehr fleißigen Verdauungstrakt gesegnet. An sich sollte dies eindeutig etwas Gutes sein, doch diese Annahme relativiert sich durch folgende Fakten: F. befindet sich neun Stunden pro Tag am Arbeitsplatze in mehr oder weniger reger Bewegung, was den Herrn Darm im Vergleich zu den bewegungsarmen neun Stunden ruhigen Nachtschlafes in aldikassierermäßig turbulente Arbeitsaktivität stolpern läßt. Große Mengen konsumierter Hülsenfrüchte werden mit Getöse verdaut und öfter nutzt der Verdauungstrakt den menschlichen Auspuff. Mit anderen Worten, F. sitzt tagsüber permanent in ihrer eigenen Pupswolke. So schön und natürlich es ist, dem eigenen Körper in seinem unermüdlichen Wirken beizuwohnen, muß jedoch eine wichtige Sache bedacht werden: Der nächste Kollege sitzt in der Regel nur 50cm weiter. F. verhält sich so, wie wahrscheinlich jedermann dies in einer solchen Situation schon mehrmals getan hat; sie hält ganz still - um verteilend wirkende Luftzirkulation zu minimieren - und tut so, als sei gar nichts, in der Hoffnung, daß der Nachbar es nicht riecht oder zumindest vorgibt, nichts zu merken oder - die allerbeste Variante - jemand Anderen verdächtigt. Da die Biogassituation sich nicht zu bessern scheint, wurde letztens im windstillen Badezimmer des Privatapartments eine wissenschaftliche Untersuchung durchgeführt. Die Fragestellung lautete: Wie nah kann A. an die in einer frischen Gaswolke regungslos verharrende F. herangehen, ohne des Pupsgeruches gewahr zu werden? Das Ergebnis war erstaunlich! Bis zu 20 Zentimeter stellten überhaupt kein Problem dar! Deswegen hier der gute Rat an alle - naht der Pups, stillhalten und Ruhe bewahren. Starke Nerven werden auch diese Situation meistern.
Um wiederum die eigene Nervenstärke zu stählen, kann man folgende Dinge tun:
  • als Führer(in) eines KFZ am Montrealer Straßenverkehr teilnehmen
  • als Mitarbeiter in einem beliebigen nordamerikanischen Unternehmen die allgemeine Organisation der Geschäftsangelegenheiten beobachten
  • sich einen Hund anschaffen und umringt von aus dem Winterschlaf erwachten, tagaktiven, halbzahmen, munter pfeifenden Murmeltieren (wie Biber ohne Schwanz und ohne Wasser) ahnungslos den Park betreten
  • abends beim Joggen mit Hund in der Dämmerung neugierige Stinktierpärchen treffen
  • die Renovierung oder bloße Baustelle eines Wohnhauses beobachten
Letzteres möchte F. nun mit Fotos belegen. Dieses Haus war vorher mit einer dünnen (5cm) Zierschicht Ziegel verkleidet. Um den Schutt aus dem Haus zu entfernen, benutzte man nicht etwa die ohnehin kaputten Fenster, nein, man sägte ein Loch in die Stirnwand:Mit Tüchern (!) vermummte Bauarbeiter (nicht im Bild) räumten den Schutt, der vorher einfach durch das Loch nach draußen geworfen worden war, in einen Container. Von einer Schuttröhre, Staubschutz, Fangnetz oder Atemmasken keine Spur. Zwischendurch bleibt die Baustelle mehrere Tage unberührt stehen. Entweder wird nachgedacht, was man als nächstes machen könnte oder die an Atemnot und Lungenödem verendeten Arbeiter müssen ersetzt werden. Hier nochmal eine Nahaufnahme der Außenwand, links das sich anschließende Nachbarhaus. Die Stärke der Wand inklusive Zierziegel und Holz beträgt ca. 15 cm, eine Dämmung war auch innen nicht zu erkennen.Kein Wunder, daß man in solchen Höhlen friert. A.s und F.s Haus ist ähnlich gebaut. So sieht übrigens ein neugebautes Haus aus, bevor die Zierziegelschicht angebracht wurde. Bei den Wänden handelt es sich um Pressspanplatten, die mit Drucklufttackern zusammengeschustert wurden. Die Verpackungsfolie klebt schon seit 2 Monaten am Gebäude, dessen Fenster sich nicht öffnen lassen (man hat ja eine Klimaanlage). Beinahe alle Häuser des Landes mit weniger als 5 Stockwerken erblicken auf diese sonderbare Art und Weise das Licht der Welt. Ausschließlich im reichsten Teil der Stadt, in dem Gebäude stehen, die auch F. eindeutig als vollwertige Häuser bezeichnen würde, kann man steinerne Bauwerke bewundern. Zuviel Biogas sollte man somit im herkömmlichen kanadischen Hause nicht produzieren, denn es könnte unter Umständen davonfliegen.

Donnerstag, 22. Januar 2009

Invasion unseres Parks

Als naturliebender Mensch kennt man das ja schon: Bei Sauwetter trifft man in den schönsten Parks, Wäldern und Grünanlagen niemanden. Jedermann wendet sich symbolisch und tatsächlich von der unüberdachten Welt da draußen ab. Wer möchte schon gern durch Pfützen schlurfen, sich die Schuhe dreckig machen und naß werden...
F. ist der Ansicht, daß aus diesem Grunde eine bestimmte Anzahl obligatorischer Besuche von Grünanlagen bei schlechtem Wetter eingeführt werden sollte, die nötig ist, um auch bei Sonnenschein Eintritt in den Park zu bekommen. So könnte jeder Mensch ein Stempelheft haben und F. müßte im Sommer nicht mehr einer Milliarde Deckenlungerern begegnen, denn die Leute wären mit Sicherheit viel zu faul, ihr Schönwetter/Schlechtwetterkonto ausgeglichen zu halten.
Wer denkt, dies sei totalitärer Überwachungsstaatenstyle, hat damit vollkommen recht. Jedoch erfordern harte Zeiten und blöde Leute auch entsprechende Maßnahmen. Solange F.s Freiheiten nicht eingeschränkt werden, können die Freiheiten anderer Menschen ihrer Meinung nach ruhig nackig gemacht werden. Nächstenliebe ist schließlich schon lange total out.

Im Winter begegnet man derselben Impertinenz: Die Flocken stapeln sich, die Kälte klirrt, der Park bleibt einsam. F. findet das gut. Sollen die Schönwetterbratzen doch bleiben, wo der Ofen bullert. Eine deutsche Frau friert nicht, eine deutsche Frau zittert vor Wut, daß es nicht kälter ist. Gleiches gilt für Hunde deutscher Frauen.

Schlimmer noch wird die ohnehin schon wenig applaudierenswerte Situation allerdings, wenn auch in der kalten Jahreszeit immerdar lauernde Ausnahmen auftreten. So beobachtet heute in F.s Stammpark Jean Drapeau auf der Île Ste Hélène. Sonst trifft man dort pro 2 Stunden Spaziergang im Schnitt eine lausige Person, die zudem nur als 0,5 Personen gezählt werden kann, weil sie entweder a) obdachlos (wenn man keine Bleibe drinnen hat, gilt der Aufenthalt im Freien logischerweise nur zu 50%) oder b) ein Fotograf (der dick eingepackt den Weg vom Auto zum Fotografierobjekt und zurück sprintet, um kürzer draußen zu sein) ist. Heute war in Vorbereitung auf die Fête des Neiges, das Schneefest, alles voll mit skulpturenformenden Pseudokünstlern und soundcheckenden Familien-DJs. Kinder können in toll geformtem Umfeld rutschen
und sich auf 12 nebeneinander angelegten Spuren mit Gummireifen in die Tiefe stürzen. Auf dem Weg um die Insel herum wurde eine 3km lange Eislaufbahn angelegt. Es gibt einen Lift, plärrende Popmusik, Eisstockschießen, ein Hockeyturnier, Eisbaden im Fluß, und Einiges mehr. Alles in allem schauen schon die Vorbereitungen spannend aus. J. kann gar nicht hingucken. Die üblicherweise so einsame Insel wird überschwemmt von entertainementhungrigen 3jährigen + Eltern sein. Genau richtig für F. und A. Die werden das Gassigehgebiet für dieses Wochenende woandershin verlegen, dafür aber mal beim Reifenrutschen vorbeischauen. Vielleicht ändert die sanftmütige F. ja dann ihr Urteil und erlaubt dem Amüsiervolk offiziell den Aufenthalt in ihrem Park. Altruismus und Freigiebigkeit sind schließlich ihre zweiten Vornamen. *räusper*

Freitag, 31. Oktober 2008

Heute hat ein...

...offenbar geistesgestörter Bauarbeiter (Ist das redundant ausgedrückt? Sollten gar alle Bauarbeiter geistesgestört sein?) versucht, J. zu "fangen" als F. an ihm und seinem ebenso neandertalig aussehenden Kollegen mit dem Rad vorbeifuhr. Er stellte sich breitbeinig hin, bückte sich nach vorne, als wollte er amateurhaft eine Bowlingkugel zwischen den Beinen durchschmeißen und streckte die Arme aus, um das Tier zu schnappen.
F. konnte gut reagieren und fuhr einen Bogen, während J. ebensogut reagierte und dem Bauklotzmann geschickt auswich, ohne dabei F. vom Rad zu holen.
Sowohl F. als auch J. hoffen, daß der Baumann für diese idiotische und sehr gefährliche Aktion (an einer immerhin 4spurigen Straße) den Rest seines Lebens in einer 45 Stunden Woche für Niedriglohn in dreckiger Umgebung ohne Krankenversicherung arbeiten muss.
Hochleben hingegen soll derjenige Mensch, der die Entwicklung des kanadischen Sozialsystems derart versaut hat, daß oben genannte schlechte Wünsche für das Berufsleben des Bauarbeiters sowieso schon lange Realität sind.

Hochleben soll auch der allmächtige Herr, der F. gute Augen und Finger gegeben hat, um das Hindernis zu sehen, den Lenker zu drehen und die Bremsen zu betätigen.

Der Vorarbeiter, der die Bauarbeiter aus ihrem Arbeitskäfig befreit hat, sie allerdings dort auch wieder einsperren wird, soll nur mittelmäßig hochleben.