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Mittwoch, 28. September 2011

Missionieren will gelernt sein

Endlich! Nach dem Umzug ist in der neuen Wohnung so gut wie alles fertig und benutzbar, die ersten drei Schulwochen (von denen F. die letzten drei Tage krank daheim saß) sind vorüber und nun ist Zeit, auf eine Meinungsbekundung von vor vier Wochen zu antworten, die F. in ihrer logischen Inkohärenz doch sehr verwundert hat.
Manja schrieb: "Ikea also. Soso. Ich habe kürzlich gelernt, dass Ikea in Russland illegal Wälder abholzen lässt, damit sie ihre Produkte "schön" billig verkaufen können. Die Mitarbeiter werden schlecht bezahlt und überhaupt - Ikea - Das kann doch gar nicht gut sein. Wenn ich jetzt noch eine Quelle hätte. Aber nein, ich habe sie vergessen. Ihr kreativen, jungen Köpfe, kauft doch lieber Holz aus unseren nachwachsenden Wäldern und baut und schraubt euch eure Möbel selbst zusammen."
Besonders der letzte Satz  haucht seltsam daher. Aber fangen wir doch von vorn an. Punkt 1: Trotz mangelnder Quellen bezweifelt F. nicht, daß Ikeas Schleuderpreise außer auf extrem gute Logistik und ein exzellent durchdachtes System auch auf wenig beklatschenswerte Geschäftspraktiken zurückzuführen sind. Bestimmt ist das so, da stehen große Konzerne sowieso unter einem gewissen Generalverdacht. Dennoch wird es nicht Ikea sein, das in Rußland illegal Wälder abholzen läßt, sondern Rußland beherbergt offensichtlich Bürger, die vor illegalen Geschäften nicht zurückschrecken und Ikea Tür und Tor für solche Praktiken öffnen. Konsequenterweise müßte man hier also nicht nur Ikea, sondern auch die russische Regierung für ihr Verhalten belangen.
Punkt 2: Werden die Mitarbeiter schlecht bezahlt? Welche Mitarbeiter? Der Abteilungsleiter, der Lagerarbeiter oder das kleine Verkaufshäschen am Küchenplancomputer? Schlecht bezahlt in Hinsicht auf welchen Maßstab? Setzt man den Maßstab der Ausbildungszeit im Vergleich zur Einstiegsbezahlung und dem tatsächlichen Arbeitsaufwand an, wird F. zum Beispiel nicht nur schlecht, sondern geradewegs miserabel bezahlt. Bei 100% Standardarbeitszeit 50 bis 60 Stunden pro Woche nach acht (!!!) Jahren Studien- und Ausbildungszeit inklusive obligatorischer Auslandsaufenthalte auf eigene Kosten und natürlich einem Abitur ist das unterm Strich ein elender Deal. Trotzdem verschwenden Millionen von Eltern in Deutschland keinerlei Gedanken daran, ihre Kinder wegen schlechter Bezahlung der Lehrer nicht in die Schule zu schicken und viele Lehrer üben den Beruf mit Freude und Zufriedenheit aus. Ebenso wie zahlreiche Ikeamitarbeiter, die schon jahrelang dort beschäftigt sind (letztens haben A. und F. sogar mit jemandem gesprochen, der extra deswegen nach Ba-Wü gezogen ist).
Punkt 3: Der Satz, der F. genug zum Schmunzeln gebracht hat, daß sie diesen Blogeintrag schreiben mußte! Nicht oft wird man als kurz vor der 30 stehender Mensch von einem nicht wenig älteren Menschen als 'junger, kreativer Kopf' bezeichnet. Da fühlt man sich noch jünger, als man tatsächlich ist! Der wahre Brüller ist aber der abschließende Vorschlag, selbst Holz 'aus unseren nachwachsenden Wäldern' zu kaufen und daraus Möbel zu bauen. MacGyver könnte das sicher mit einem Schweizer Taschenmesser und einer Spule Angelschnur in 45 Minuten minus der Werbepausen, F. und A. aber nicht.  Ob das Holz aus den hießig angebauten, schnell nachwachsenden Monokulturwäldern soviel toller und nachhaltiger ist, als illegales Teufelszeug aus Rußland, muß an dieser Stelle unerörtert bleiben. Selbst wenn A. und F. als Menschen ohne Handwerksberuf utopischerweise die Expertise hätten, besagte Möbel 'zusammenzuschrauben', fehlte ihnen doch weiterhin die Zeit, das Geld und die Örtlichkeit, um ein solches Vorhaben erfolgreich durchzuführen. Viel konstruktiver und realistischer wäre hier der Vorschlag gewesen, Möbel aus verantwortungsvoller Herstellung oder zweiter Hand zu kaufen.

Auf Grund dieser drei Punkte verwandelte sich ein sicher gut gemeinter Kommentar zum Blogeintrag in eine Lachnummer. Obwohl F. und A. Ikea (und viele andere Möbelhäuser) mit gleichbleibender Intensität doof finden, werden sie auch weiterhin dort ihre Einrichtungsgegenstände kaufen. Die Gründen dafür verteilen sich wie folgt:
  • 25% Unfähigkeit und Faulheit bzw. der Überzeugung, daß die leichte Förderung des Übels in der Welt in Kauf genommen werden kann und muß, wenn dabei Freizeit herausspringt.
  • 50% mangelnde finanzielle Ressourcen
  • 25% Unlust, sich mit Möbelfragen zu beschäftigen
Sie kompensieren diese Sünden durch besonders gutes Informiertsein im Bereich Biosiegelrichtlinien bei der Lebensmittelherstellung. Ein viel übersichtlicherer, erfolgsversprechenderer Markt. 

P.S.: Es erstaunt F. immer wieder, wieviele Leute tatsächlich denken, sie hätte gewisse Mengen an Idealismus in ihrem Bewußtsein angesammelt, wo dies doch überhaupt nicht der Wahrheit entspricht. Ob's die natürlich Ausstrahlung ist? Oder der Beruf? A. weiß es auch nicht... 

Freitag, 2. September 2011

Ein Expedit und ein Lack treffen sich in einer Bar.

Ein Grundzustand an Zivilisation und Ordnung konnte in der neuen Wohnung hergestellt werden. Fast alles - bis auf die neue Küche, die derzeit noch in 26 Paketen verschnürt vor sich hin stapelt - befindet sich ungefähr an seinem Platze. Es wurden mehrere Premieren gefeiert: F. hat sich an einem Regalbrett so schlimm den Kopf gestoßen, daß sie furchtbar weinen mußte und es geblutet hat. Nur neue Wohnungen vermitteln Schmerz derart frisch und ungeschminkt. Auch schön und schwer zu toppen - drei Besuche in zwei verschiedenen Ikeafilialen innerhalb von vier Tagen. Hier ein kurzer Abriß:
  • Besuch Nummer 1, Ikea Sindelfingen - Das schicke Wäschekästchen 'Hol' ist aus, von F.s bevorzugtem Schreibtisch 'Vika Amon' gibt es nur die vier roten Beine 'Vika Curry', nicht aber die Tischplatte; A. nimmt zwei Pakete für ihren Schreibtisch 'Expedit' mit und stellt daheim fest, daß eines der beiden zu einem komplett anderen Möbelstück gehört, weswegen sie nun zwar eine Tischplatte hat, diese jedoch nicht aufzubauen vermag. Pflanzen und andere Kleinigkeiten werden gekauft. Das Auto ist bis unter die Decke mit Ikeapäckchen voll und F. kann nur noch unter starken Bequemlichkeitseinschränkungen auf dem Beifahrersitz Platz nehmen.
  • Besuch Nummer 2, Ikea Sindelfingen - Das fremde Möbelstück wird zurückgegeben. Dabei lernt man den amerikanischen Koordinator der Firmen des U.S. Militärs in Stuttgart und Umgebung kennen, schließt mit diesem eine Wette ab und gewinnt eine Einladung zum Kaffee. Von F.s Tischplatte fehlt im Lager weiterhin jede Spur. Es kommt ans Licht, daß A. sehr wahrscheinlich ein falsches Paket eingepackt hat, weil das wahre zweite Paket des Schreibtischs vergriffen ist. Weitere Kleinigkeiten werden gekauft.
  • Besuch Nummer 3, Ikea Ludwigsburg - Das zweite Paket zu A.s Schreibtisch ist vorrätig; das schicke Wäschekästchen wird eingepackt. Auch F.s Tischplatte liegt im Lager bereit, dafür sind die roten Beine bis auf ein einziges vergriffen. F. kauft drei schwarze und das letzte rote Bein für ihren Schreibtisch, um einen vierten Ikeabesuch zu vermeiden. Um 21:30 Uhr kommen A. und F. bei der neuen Wohnung an und laden die letzten Ikeapakete in den Fahrstuhl. F. verläßt den Fahrstuhl, um etwas zu holen - da entschließt sich die Aufzugtür, ihre Pforten vollends zu schließen. Der Fahrstuhl steckt fest, mitsamt all der Möbelpäckchen, und wird erst am folgenden  Morgen vom Monteur repariert. F. schwört, den Aufzug nie wieder zu betreten, schon gar nicht mit Hund. Eine gute Entscheidung: Sechs Tage später folgt der nächste Defekt.
Fazit: Komische Verwicklungen in amerikanischen Komödien, bei denen man vorm Bildschirm sitzt und sich leicht empört denkt: 'Sowas passiert ja auch NUR im Film!', hält F. fortan für realistisch. Zufälle gibt es wirklich. Ikea hat tolle Aufbauanleitungen, wäre aber alles in allem um Welten wunderbarer, wenn nur 1000 Menschen pro Tag das Möbelhaus betreten dürften und man seine Besuche auf zwei Mal verteilt über zwölf Monate dosiert.

P.S.: A.s und F.s Auto ist superduper! Kaum ein anderer Wagen durfte bereits soviele unterschiedliche Dinge auf einmal transportieren und nahm dies stets klaglos hin. Nur Firmenwagen großer Bestattungsinstitute können da mithalten. 

Dienstag, 23. August 2011

Die neue Terrasse ist besetzt!

Dank freundlicher Topf- und Stuhlspende der Großeltern sogar schon mit Pflanzen und Sitzgelegenheit. Ist die Wiese nicht wunderschön? J. wird Augen machen! Jetzt stürmen A. und F. den Ikea für weitere Besorgungen...

Freitag, 8. Juli 2011

Dienstags und freitags

Vor zwei Wochen waren A., F. und J. in Begleitung von S. und dem Lethargolabrador ferienbedingt einige Tage außer Haus, fern vom engen Stuttgart, und räkelten sich dekadent auf den karierten Picknickdecken Sachsens. Durch chinesischinduzierte Magenprobleme wurde die Abreise leicht ins Wanken gebracht, durch weiteres typisches Zuspätaufstehen/Zuspättaschepacken/Nochtankenmüssen/WoistmeineSonnenbrille/Ichmachmirnur-nochkurzdieHaare verzögerte sich das Losfahren um einige Zeit. Das Staubsaugen der Wohnung gelang A. ordnungsgemäß - schließlich möchte niemand von erholsamen Ausflügen in eine schmutzige Wohnung zurückkehren - aber die Hausordnung (süddeutsch: Kehrwoche) schaffte man nicht mehr.
(Grimmige Beschreibungen des baden-württembergischen Kehrwochenwahns sollen hier keinen Nährboden finden. Der Schwabe ignoriert Dienstleistungsunternehmen zur Gebäudereinigung im Privatsektor weitestgehend, aber das darf doch auch bitte jeder Hausbesitzer selbst entscheiden. In anderen Lebensbereichen gesteht man den Individuen schließlich auch freimütig  das dauernde Dreckigsein zu. Gärtnern, linksextremistischen Randgruppen, Motocrossfahrern. Niemand hat jemals davon gehört, daß finstere Zuschauer dem erschöpften Motocrossfahrer ein kleines Plastikbeutelchen mit vom Moped gekratzten Schlammresten an den Lenker hängen würden. Deswegen ist es mit Sicherheit auch eine absolute Ausnahme, daß der nette schwäbische Nachbar bisweilen kleine Tütchen mit im Laufe der Woche eingesammelten Hundehaaren an die Klinke der Wohnungstür hängt. Kein Grund zur Aufregung.)
Zum Glück wohnen in A.s und F.s Haus überhaupt keine Schwaben, sondern nur - um die Waiblinger Kreiszeitung einmal in ihrem dauernden randrassistischen Gelaber zu zitieren - Menschen mit deutlichem Migrationshintergrund. Was deutlicher Migrationshintergrund ist und wie er sich von undeutlichem unterscheidet, müssen andere, kompetente Fachkräfte in ihrer Freizeit herausfinden. Jedenfalls meckern die netten Menschen mit deutlichem Migrationshintergrund in der Regel niemanden wegen irgendeiner Kehrwochenlappalie an und benutzen ihre Plastikbeutel auch eher, um exotische Speisen im Kühlschrank länger haltbar zu machen. Als A. und F. jedoch von ihrer mehrtätigen Abwesenheit zurückkehrten und das Treppenhaus betraten, bot sich ihnen ein Bild des Jammers: Geigenmusik im Westernstil spielte leise klagend, der Wind fegte vertrocknete Lindenblüten über die Stufen, Colaflecken deflorierten den glatten Stein! F. spürte  die langen Finger des Schames streng tastend an ihrem Herzen, als mit starkem Akzent folgender Satz fiel: "Is dreckig, nich?"
Ja, Frau Nachbarin aus dem zweiten Stock, s'ist dreckig, da darf man ruhig Salz in die Wunde streuen. Der schwäbische Nachbar hätte wahrscheinlich die Lindenblüten durchs angekippte Fenster in die Wohnung des Übeltäters geschmissen und man würde sich tagelang über solche Unverhältnismäßgkeit aufregen. Frau Graziano hingegen spricht einen Satz und man fühlt sich furchtbar ertappt. Genauso ertappt wie beim Anblick dieses Blogs, das seit reichlich zwei Monaten vertrockneten Unrat aller Art durch seine Hallen fegen sehen muß.
Dies soll sich nun ändern! Eine Regel wurde erstellt. Jeden Dienstag und Freitag wird ein neuer Eintrag kredenzt - koste es, was es wolle. Fotos häufen sich ja eh in F.s Archiv, hinreichend tolle Ideen sowieso, es liegt also nur an der Faulheit. Mal sehen, wie lange sie es durchhält.

P.S.: Nachbarn mit deutlichem Migrationshintergrund sind einem übrigens nur dann meist milde gestimmt, wenn man selbst keinen hat. Die in der Türkei geborene Frau des Hausverwalters, ebenfalls gebürtiger Türke, vertraute F. in der Vergangenheit zum Beispiel ganz selbstverständlich an, daß "Neger" [sic!] sowieso schlecht putzen und es deshalb kein Wunder sei, wie's bei der Frau aus dem ersten Stock immer aussehe. Als sie von der 'unkonventionellen' Partnerschaft zwischen A. und F. erfuhr, lachte sie nur freundlich und meinte "Lieber so jemand, als Leute mit Kopftuch." Immer schön reintreten in Richtung dessen, was vermeintlich unten ist...

Samstag, 27. Februar 2010

Warnung vor dem Fische!

Viele Menschen haben sogenannte Wachhunde und damit kein Besucher erschrickt, hängen sie ein 'Vorsicht Hund!' oder auch 'Achtung, freilaufender Hund!' Schildchen ans Gartentor, um Einbrecher und Postboten gleichermaßen vor den schrecklichen Bestien zu warnen.
F. hätte auch gern solch einen Hund, aber momentan gibt es da nur J. Die hat so gar keine Beschützerqualitäten, also braucht es auch kein Schild. Unglücklicherweise besteht damit jedoch die Gefahr eines ungeahndeten Einbruchs. Mitglieder verwerflicher Bevölkerungsgruppen mit rassistischem Einschlag würden das in F.s Wohnlage als besonders schlimm empfinden, da sie in einem Stadtteil mit hohem Ausländeranteil wohnt. Eines der größten Hobbys von Menschen mit Migrationshintergrund soll schließlich sein, sich das Hab und Gut anderer Leute - vornehmlich unbescholtener, hart arbeitender Deutscher - unter die unmanikürten Nägel zu reißen. Befände ein solcher ausländerfeindlicher Mensch sich in F.s Position, bräuchte er neben J. auch noch einen fleischfressenden Dinosaurier, um die Wohnung adäquat bewacht zu wissen.
Es ist nun aber eine Wonne festzustellen, daß F. dem Rassismus nicht nur nicht nahe steht, sondern ihm auch freudigen Blickes spitze, schwere und stumpfe, noch schwerere Gegenstände ins Genicke werfen würde, wenn er eine Person aus Fleisch und Blut wäre. Isser aber nicht. Rassismus ist ein Konzept, eine Idee, eine Schande auf dem Angesicht des sonst durchschnittlich sehr ansehnlichen Planeten. Man kann ihm nicht einfach mal so eins auf den Deckel hauen und der Typ lernt dann seine Lektion. Rassismus ist viel unbequemer beizukommen, als zum Beispiel einem schurkigen Siebtklässler, der immer seine Hausaufgaben vergißt. Wo F. dem Siebtklässler in der Regel ganz klassisch zehn Schläge mit der Rute auf die Finger haut, daß es pfeffert, kann sie in Sachen Rassismus nur bei sich selbst aufpassen und darum hoffen, daß andere Leute ähnlich vernünftige Ideen haben. Mit gutem Beispiel vorangehen und die Augen offenhalten!
Aus diesem Grunde schafft F. sich in Kürze keinen übertriebenen Raubsaurier an ,um das traute Heim zu bewachen, sondern hat sich für einen friedlichen Riemenfisch entschieden. Der besitzt zwar keine Zähne, wird aber bis zu elf Meter lang und kann etwaige Invasoren prima im Ganzen verschlucken. Sie plant, die gesamte Wohnung bis auf ein Zimmer für den Hund in ihrer Abwesenheit mit Wasser zu füllen. So kann der Riemenfisch optimal patroullieren. Öffnet ein - wahrscheinlich deutscher - Einbrecher unbefugterweise die Tür, fließt zwar das gesamte Wasser aus der Wohnung und der arme Wachfisch erstickt, durch den Todeskampf setzt das Hirn des gepeinigten Tieres aber auch Adrenalin frei, was es aggressiver werden läßt. In den letzten Sekunden seines Lebens würde der Riemenfisch den Dieb mit Haut und Haar verschlingen! Herd und Laptop, Kosmetikartikel und Wertgegenstände wären in Sicherheit! 
Natürlich müßte man nach jedem erfolgreich abgewehrten Einbruch einen neuen Riemenfisch aus der Tiefsee besorgen... da aber noch niemals eingebrochen wurde, spielt dieses Risiko kaum eine Rolle. F. läßt nächste Woche gleich das neue Schild für die Tür anfertigen: 'Warnung vor dem Riemenfisch!'

Mittwoch, 20. Januar 2010

Molger rockt die Küche

Da in der Küche nicht allzu viel Platz zur Verfügung stand, entschlossen F. und A. sich, den Tiefkühlschrank für J.s Futter dauerhaft auf den normalen Kühlschrank zu stapeln. Nach etwas Eingewöhnungszeit kam einem der Anblick auch gar nicht mehr so unstimmig vor. Neben den beiden Kühlgeräten war nun jedoch noch etwas Grundfläche vorhanden, weswegen der Entschluß gefaßt wurde, ein Regal ins Eck zu stellen. Nach gründlichem Suchen fand man das passende Modell bei Ikea. Es hieß Molger und paßte aufgrund seines Namens ganz ausgezeichnet in die Familie. Auch A. wurde von ihren Eltern mit einer Bezeichnung versehen, die durch Austausch nur eines Buchstabens ins Alltägliche abrutscht: Ersetzt man das D durch ein L, erhält man 'Alina', ein von Millionen durchschnittlicher Menschen duldsam ertragener Name. A. aber heißt besonders. Mit ihrer Schwester N. verfuhr man ähnlich. Unzählige Leute heißen Doreen, wenigen Eltern hingegen kam der frohe Einfall, das initiale D durch ein N zu ersetzen. So schneidert man aus grauem Einheitsbrei bunte Innovation. Die Leute bei Ikea dachten wohl Vergleichbares, als sie Holger links liegen ließen und ihr Regal stattdessen Molger nannten. Molger trägt kleidsam Konserven und Produkte aus Hartweizengrieß, stemmt täglich gar das Gewicht der Mikrowelle. Wäre dies auch unter dem Namen Holger möglich? Sicher, aber mit weitaus weniger Charme.

Sonntag, 10. Januar 2010

Draußen liegt die Welt in Fetzen, laßt uns drinnen Speck ansetzen! (Fritz Eckenga)


So sind F. und A. samt J. nun nach S. umgezogen. Alle Dinge wurden mißmutig in Kisten gepackt, unter Ächzen fünf Stockwerke nach unten getragen, paßgenau in den LKW gebastelt und bei starkem Schneetreiben 550 Kilometer durch Deutschland gekutscht. Vor Ort packte man das ganze Geraffel sogleich wieder aus, bohrte zahlreiche Löcher in Wände und staubsaugte viermal. Die Wohnung ist recht schön, doch stört die Tatsache, daß sich rundherum enorm viel Stuttgart befindet. F. fühlte sich viel wohler in einer Behausung, die von allen Seiten mit Dresden oder zumindest Sachsen umgeben war. Nun jedoch heißt es Baden-Württemberg er- und überleben. Beim zufälligen Mitanhören von Gesprächen in der Öffentlichkeit stellt sich F. jetzt regelmäßig die Frage: "Ist das ein Dialekt oder ein Akzent?" Spricht der beleibte, bildungsferne Bürger in der Schlange des Hornbachmarktes eine exotische Fremdsprache oder doch nur dialektal stark entstelltes Deutsch? Muß man wirklich alle fünf Vokale und drei Umlaute der deutschen Sprache in die Artikulation des Ausdruckes 'Einsneunundneunzig' quetschen? Geht das nicht auch klarer? Anscheinend nicht.
Als F.s Vater in bestem Sächsisch Brötchen kaufen gehen wollte, prallten Welten aufeinander. Verständnislos blickte die Bäckereifachverkäuferin den guttural gurgelnden Mann an, der offenbar unter größten Schwierigkeiten versuchte, seine Bestellung hervorzupressen. Genauso irritiert vernahm der Sachse die seltsame Botschaft der Schwäbin und schlußendlich beschränkte man sich auf Zeichensprache. So soll es F. aber nicht ergehen. Große Mühe wird sie sich geben, durch klarer Worte Klang ihrem Anliegen eine leicht verständliche Stimme zu verleihen; aus unendlicher Langmut soll ihr Geist gemeißelt sein, wenn ihr Ohr die Äußerungen des Gegenübers in Empfang nimmt! Die Kommunikation wird beispiellos sanft dahinmäandern!
Ebenfalls sanft, dafür aber in großen Mengen fiel während der letzten Tage der Schnee. Die neuen Gassigehgebiete, allen voran der Wald rund um den Frauenkopf, wurden deswegen ganz in weiß erstbegangen. Um diesen Wald zu erreichen, muß jedes Mal ein recht langes 'Stäffele' bestiegen werden. Dabei handelt es sich um eine Art Trimm-Dich-Pfad mit etlichen zu überwindenden Höhenmetern und Treppen, die der Figur gut tun sollen.
Unglücklicherweise hat F. in den letzten drei Wochen durch Krankheit mehrere Kilogramm Gewicht eingebüßt und kann solch sportliche Einlagen gar nicht gebrauchen. So stand sie dann auch bei der ersten Treppenbegehung total unterzuckert am Abstieg und schaffte es nur mit Müh' und Not ins schützende Heim. Dem werten Leser und der werten Leserin, die an dieser Stelle schon den Zeigefinger heben und sagen wollen, daß es schrecklich nervt, wenn dünne Menschen lamentieren, daß sie nie zunehmen und Zitat "essen können, was immer sie möchten ohne anzusetzen" wird ohne Umschweife Recht gegeben. Jener schreckliche Brauch geht tatsächlich allen auf den Keks, vorallem weil er meistens von Menschen gepflegt wird, die in Wirklichkeit essen wie die Spatzen und nur vorgeben, einen tollen Stoffwechsel zu haben. Hier ist das aber ganz und gar anders. F.s Magen erweist sich nämlich als viel zu klein für all die Massen an Nahrung, die sie zu sich nehmen müßte, um das verlorene Gewicht wieder an ihrem Körper begrüßen zu dürfen. Drum ißt sie den lieben langen Tag fleißig, damit ständig verbrannt und umgesetzt werden kann. Sogar sonntags wird gegessen, was das Zeug hält. Wenn dann aber eine blöde Treppe in der wundervoll hügeligen Stuttgarter Landschaft herumsteht, darf mit gutem Gewissen Zorn aufsteigen! Schließlich zappelt F. sonst schon andauernd durch die Gegend. Stillsitzen müßte sie, tagein tagaus!
Dafür wird morgen Zeit sein, denn morgen findet die Beamtenvereidigung statt. Zehn Stunden lang wird vereidigt und dienstbesprochen. F. hofft zwar, daß nur tolle und hochinteressante Dinge behandelt werden, die Wirklichkeit sieht aber bestimmt genau andersherum aus. Ob Langeweile auch Kalorien verbrennt?

Dienstag, 5. Januar 2010

Sendepause bis 12.01.10.

...solange dauert es nämlich, bis Alice es geschafft haben wird, den Internetanschluß und das Telefon von D. nach S. zu verlegen. Elende Saubande, Dreckade! Schließlich braucht man in einer fremden Stadt kurz nach dem Umzug nichts weniger, als eine Verbindung zur Außenwelt. Wo kämen wir da hin. Auf  bald also!

Samstag, 25. April 2009

Heb' mal das Haus hoch, mein Matchbox-Bagger ist druntergerollert!

Der geneigte Leser erinnert sich vielleicht an diesen Blogeintrag zum gegenüber renovierten Haus. Damals machten die fortdauernden Arbeiten schon keinen besonders professionellen Eindruck. Seit drei Tagen ist die Situation allerdings noch bizarrer. Den Bauarbeitern hat wohl der Boden unter dem Haus nicht so gut gefallen, weswegen sie ihn komplett entfernten und das Gebäude nun, von Wagenhebern und Brettchen gehalten, fast ausschließlich in der Luft hängt. Tagsüber tuckert untendrunter eine Miniraupe und schiebt Erde hin und her. Hier die Bildbeweise:
Vorn wurden Hölzer gestapelt, auf denen Balken ruhen. Um die richtige Höhe hinzubekommen, haben die gewissenhaften Bauarbeiter kleine Brettchen untergeschoben. Ob das Haus einstürzt, wenn F. die mal rauszieht?Naja, das probieren wir lieber nicht. Interessant wäre es aber schon...

Sonntag, 5. April 2009

Biokampfstoffe am Arbeitsplatz

F. ist mit einem gewissenhaften und sehr fleißigen Verdauungstrakt gesegnet. An sich sollte dies eindeutig etwas Gutes sein, doch diese Annahme relativiert sich durch folgende Fakten: F. befindet sich neun Stunden pro Tag am Arbeitsplatze in mehr oder weniger reger Bewegung, was den Herrn Darm im Vergleich zu den bewegungsarmen neun Stunden ruhigen Nachtschlafes in aldikassierermäßig turbulente Arbeitsaktivität stolpern läßt. Große Mengen konsumierter Hülsenfrüchte werden mit Getöse verdaut und öfter nutzt der Verdauungstrakt den menschlichen Auspuff. Mit anderen Worten, F. sitzt tagsüber permanent in ihrer eigenen Pupswolke. So schön und natürlich es ist, dem eigenen Körper in seinem unermüdlichen Wirken beizuwohnen, muß jedoch eine wichtige Sache bedacht werden: Der nächste Kollege sitzt in der Regel nur 50cm weiter. F. verhält sich so, wie wahrscheinlich jedermann dies in einer solchen Situation schon mehrmals getan hat; sie hält ganz still - um verteilend wirkende Luftzirkulation zu minimieren - und tut so, als sei gar nichts, in der Hoffnung, daß der Nachbar es nicht riecht oder zumindest vorgibt, nichts zu merken oder - die allerbeste Variante - jemand Anderen verdächtigt. Da die Biogassituation sich nicht zu bessern scheint, wurde letztens im windstillen Badezimmer des Privatapartments eine wissenschaftliche Untersuchung durchgeführt. Die Fragestellung lautete: Wie nah kann A. an die in einer frischen Gaswolke regungslos verharrende F. herangehen, ohne des Pupsgeruches gewahr zu werden? Das Ergebnis war erstaunlich! Bis zu 20 Zentimeter stellten überhaupt kein Problem dar! Deswegen hier der gute Rat an alle - naht der Pups, stillhalten und Ruhe bewahren. Starke Nerven werden auch diese Situation meistern.
Um wiederum die eigene Nervenstärke zu stählen, kann man folgende Dinge tun:
  • als Führer(in) eines KFZ am Montrealer Straßenverkehr teilnehmen
  • als Mitarbeiter in einem beliebigen nordamerikanischen Unternehmen die allgemeine Organisation der Geschäftsangelegenheiten beobachten
  • sich einen Hund anschaffen und umringt von aus dem Winterschlaf erwachten, tagaktiven, halbzahmen, munter pfeifenden Murmeltieren (wie Biber ohne Schwanz und ohne Wasser) ahnungslos den Park betreten
  • abends beim Joggen mit Hund in der Dämmerung neugierige Stinktierpärchen treffen
  • die Renovierung oder bloße Baustelle eines Wohnhauses beobachten
Letzteres möchte F. nun mit Fotos belegen. Dieses Haus war vorher mit einer dünnen (5cm) Zierschicht Ziegel verkleidet. Um den Schutt aus dem Haus zu entfernen, benutzte man nicht etwa die ohnehin kaputten Fenster, nein, man sägte ein Loch in die Stirnwand:Mit Tüchern (!) vermummte Bauarbeiter (nicht im Bild) räumten den Schutt, der vorher einfach durch das Loch nach draußen geworfen worden war, in einen Container. Von einer Schuttröhre, Staubschutz, Fangnetz oder Atemmasken keine Spur. Zwischendurch bleibt die Baustelle mehrere Tage unberührt stehen. Entweder wird nachgedacht, was man als nächstes machen könnte oder die an Atemnot und Lungenödem verendeten Arbeiter müssen ersetzt werden. Hier nochmal eine Nahaufnahme der Außenwand, links das sich anschließende Nachbarhaus. Die Stärke der Wand inklusive Zierziegel und Holz beträgt ca. 15 cm, eine Dämmung war auch innen nicht zu erkennen.Kein Wunder, daß man in solchen Höhlen friert. A.s und F.s Haus ist ähnlich gebaut. So sieht übrigens ein neugebautes Haus aus, bevor die Zierziegelschicht angebracht wurde. Bei den Wänden handelt es sich um Pressspanplatten, die mit Drucklufttackern zusammengeschustert wurden. Die Verpackungsfolie klebt schon seit 2 Monaten am Gebäude, dessen Fenster sich nicht öffnen lassen (man hat ja eine Klimaanlage). Beinahe alle Häuser des Landes mit weniger als 5 Stockwerken erblicken auf diese sonderbare Art und Weise das Licht der Welt. Ausschließlich im reichsten Teil der Stadt, in dem Gebäude stehen, die auch F. eindeutig als vollwertige Häuser bezeichnen würde, kann man steinerne Bauwerke bewundern. Zuviel Biogas sollte man somit im herkömmlichen kanadischen Hause nicht produzieren, denn es könnte unter Umständen davonfliegen.

Freitag, 16. Januar 2009

Schwierige Situationen im Ausland - bitte hier anstellen!


A. und F. nehmen wirklich alles mit. Was wäre ein Auslandsaufenthalt auch ohne verzweifelte Situationen und Havarien am laufenden Band? Man würde sich glatt langweilen. Damit den Beiden dies auch ja nicht passiert, umgehen sie jedes Fettnäpfchen und springen direkt in die Fritteuse:

  • Auto tot nach 4 Tagen bei -21 bis -27°C? - Wir nehmen's mit!
  • Anderthalb Stunden im Auto ohne Heizung in der Schlange am Grenzübergang bei -15°C und beschlagenden Scheiben? - Wir nehmen's mit!
  • Am Wochenende alle Werkstätten geschlossen und keine Möglichkeit zur Reparatur? - Wir nehmen's mit!
  • Die Fensterscheibe der Terrassentür fällt bei arktischen Temperaturen fast aus dem Rahmen und hinterläßt einen nicht zu reparierenden, 4cm breiten Spalt? - Wir nehmen's mit!
  • In der Badewanne sitzen, Wasser nachlassen wollen und feststellen, daß kein heißes mehr da ist (obwohl wir keinen Boiler haben)? - Wir nehmen's mit!
  • Erfrierungen an Gesicht und Händen? - Wir nehmen's mit!
  • Jalousie der Mietwohnung fällt beim Versuch des Hochziehens vor lauter Schreck in Nichtfunkionalitätsstarre? - Wir nehmen's mit!
  • Waschbär bepinkelt sämtliche Müllsäcke, die auf der Terrasse lagern und man faßt aus Versehen rein, sodaß die Hände ewig nach wilder Libido duften? - Wir nehmen's mit!
  • Der Tiefkühlschrank geht kaputt und 10kg Fleisch vergammeln? - Wir nehmen's mit!
  • Der Schlüssel steckt noch im Zündschloß, als F. die Tür des Wagens 5km von zuhause entfernt zumacht? - Wir nehmen's mit!
  • Ein Eichhörnchen wird aus eigener Blödheit und suizidalem Verhalten vor den Augen dreier entsetzer Zeugen von J. auf Kommando F.s aus Versehen getötet? - Wir nehmen's mit!
  • Die Wohnungtemperatur geht nie über höchstens 19°C? - Wir nehmen's mit!

Weitere Vorschläge, Opfer alltäglicher Mißgeschicke zu werden bitte an: Franziska@da_mußte_ma_bißl_offpassen.de

Montag, 8. Dezember 2008

Was Häuser in Kanada von einfachen Erdlöchern unterscheidet

  1. Die Häuser bestehen aus Holz, Erdlöcher aus Erde. Erdlöcher haben unendlich dicke Wände, Häuser nur 10cm getackerte Spannplatten mit etwas Dämmwolle dazwischen --> 0:1 für die Erdlöcher
  2. Kanadische Häuser haben keine Doppelfenster, es zieht wie Hecht. Erdlöcher haben keine Fenster, es kann nicht kalt hineinziehen. --> 0:2 für die Erdlöcher
  3. Ohne Fenster kein Licht! Erdlöcher sind stockduster. Wenig Licht durch blöde Grundrisse und komische Fensteranordnung in den Häusern. --> 1:2 für die Erdlöcher
  4. Kanadische Häuser haben Strom (außer 1mal pro Woche für eine Stunde während des obligatorischen Ausfalls), stark gechlortes Wasser (kocht man ungefiltertes Leitungswasser, riecht es nach Schwimmbad) und eine schlecht konzipierte Heizung (23°C angezeigt, 18°C gefühlt). Erdlöcher haben keine Heizung, kein Wasser, keinen Strom. --> 2:2
  5. In Erdlöchern wohnt man meistens ohne Nachbarn. Im Eingang des Hauses nebenan wohnt eine Harfistin, die öfter ihre Seele und ihren gesunden Menschenverstand beim Klang des Instrumentes baumeln läßt. Tröstlich, von kulturell Interessierten umgeben zu sein. --> 3:2 für die kanadischen Häuser

ENDSTAND: 3:2 - der Sieg geht knapp an die Häuser. Aus diesem und aus anderen gewohnheitstechnischen Gründen bleiben F., A. und J. in ihrer Wohnung. Die mangelnde Isolation wird zur Kulturstudie, die Fenster klebten F. und A. mit durchsichtiger Folie und doppelseitigem Klebeband zu, bei Stromausfall helfen Teelichte von Ikea, das Wasser wird mit Britta gefiltert, F. ist so dick angezogen, daß ihre Arme komisch vom Körper abstehen und die Harfistin bekommt zu Weihnachten eine Hundepfeife. Man wächst an seinen Herausforderungen.

Dienstag, 14. Oktober 2008

Bei Goebbels unter'm Sofa


A., F. und J. teilen sich eine 2-Raumwohnung. Wie viele Wohnungen hier, hat auch diese Heimstatt einen separaten Eingang. Es gibt also für das Mehrfamilienhaus kein Treppenhaus, von dem dann Wohnungstüren abgehen, sondern jede Wohnung besitzt ihre eigene Tür zur Straße hinaus, man fühlt sich ein bißchen, als bewohne man ein klitzekleines Einfamilienhäuschen. Die Tür ist weiß und hat einen Briefschlitz, es gibt keinen Postkasten.
Nach der Eingangstür folgt ein winziger Raum mit Terracottafliesen, dann eine weitere Tür direkt in die Wohnung. Der Flur ist lang und dünn, verbreitert sich aber nach 3 Metern von 1,50 auf 2 Meter. Zuvor geht rechts die Tür zu F.s Zimmer ab, in dem auch geschlafen wird. Es gibt einen riesigen begehbaren Kleiderschrank, der zu ¾ voll mit F.s und nur zu ¼ mit A.s Kleidung belegt ist. In der Ecke steht eine Kommode, die Unterwäsche beherbergt und komisch riecht, zwei Fakten, die keinesfalls als kausal zusammenhängend verstanden werden sollen. Das Fenster ist vergittert und geht direkt auf den Bürgersteig hinaus.
Im breiteren Teil des Flures steht rechts eine schöne rote Kommode, deren Schubladen gerne beim Öffnen beinahe herausrutschen und ihren Inhalt gut zugänglich auf dem Boden verteilen. Links befindet sich die Tür zur Abstellkammer. In dieser wiederum ist links versteckt eine kleine, von A. und F. erst vor ein paar Tagen entdeckte Tür, die hinunter in den Keller führt. Der Keller ist unsagbar ungemütlich, fensterlos und eignet sich hervorragend, um darin Kinder und Jugendliche einzusperren und jahrelang von ihrer Schulbildung fernzuhalten. Zum Glück steht das Haus aber in Kanada und nicht in Österreich, sodaß niemand außer den Strom- und Wasserzählern im feuchten Erdloch hausen muss.
Nach der roten Kommode folgt rechts die Tür zum Bad, dessen Fliesen von einem blinden, arthritiskranken Riesen mit nur drei Fingern verfugt wurden. Die Fugenmasse wurde augenscheinlich auch gleich anstelle von Silikon verwendet, um den Badewannenrand abzudämmen. Die Abwaschbarkeit dieser Konstruktion läßt stark zu wünschen übrig, da man Gefahr läuft, gleichzeitig auch die nichtgetrocknete Fugenmasse mit zu entfernen. Das Bad bleibt also besser ungeputzt.
Da wo der Flur aufhört, fängt A.s Zimmer, auch als Wohnzimmer genutzt, an. Links steht ein Tisch Modell Norden mit 4 Stühlen, rechts an der Wand, direkt gegenüber der Verandatür ein unsagbar hässliches Sofa, dessen mangelnde Schönheit notdürftig mit einer Ikeadecke kaschiert wurde. An das Wohnzimmer schließt sich direkt die Küche an, die durch leichtes beige erfrischt. Der Kühlschrank hat die Größe eines überdimensionalen Kleiderschrankes und könnte einer Flüchtlingsfamilie als Übergangsbleibe dienen. Zur Zeit beherbergt er aber nur einige Speisen und 3 tiefgefrorene, legal erworbene Truthähne zu je 4 kg. Der Herd vereint Faszination und Nostalgie in einem Gerät. Es gibt keine Kochplatten sondern nur 4 Stellen mit geringelten Heizstäben. Unter einer dieser Stellen befindet sich ein Loch, welches vom Heizstab des darunterliegenden Backofens nach oben durch die Metalldecke hindurchgebrannt wurde. Eine Konstruktion, die durchaus zum Schmunzeln anregte, wäre F. nicht so eine ernsthafte und griesgrämige Person.

Die Wohnung ist sehr schön, mit 600 Dollar kalt sehr billig und außerdem ausgezeichnet mitten in der Stadt in einem ansprechenden Viertel mit ungefähr 75% schwulen Einwohnern gelegen. Der Boden ist aus Parkett und die Heizung funktioniert gut. Hier können A., F. und J. gemütlich überwintern.