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Mittwoch, 28. September 2011

Missionieren will gelernt sein

Endlich! Nach dem Umzug ist in der neuen Wohnung so gut wie alles fertig und benutzbar, die ersten drei Schulwochen (von denen F. die letzten drei Tage krank daheim saß) sind vorüber und nun ist Zeit, auf eine Meinungsbekundung von vor vier Wochen zu antworten, die F. in ihrer logischen Inkohärenz doch sehr verwundert hat.
Manja schrieb: "Ikea also. Soso. Ich habe kürzlich gelernt, dass Ikea in Russland illegal Wälder abholzen lässt, damit sie ihre Produkte "schön" billig verkaufen können. Die Mitarbeiter werden schlecht bezahlt und überhaupt - Ikea - Das kann doch gar nicht gut sein. Wenn ich jetzt noch eine Quelle hätte. Aber nein, ich habe sie vergessen. Ihr kreativen, jungen Köpfe, kauft doch lieber Holz aus unseren nachwachsenden Wäldern und baut und schraubt euch eure Möbel selbst zusammen."
Besonders der letzte Satz  haucht seltsam daher. Aber fangen wir doch von vorn an. Punkt 1: Trotz mangelnder Quellen bezweifelt F. nicht, daß Ikeas Schleuderpreise außer auf extrem gute Logistik und ein exzellent durchdachtes System auch auf wenig beklatschenswerte Geschäftspraktiken zurückzuführen sind. Bestimmt ist das so, da stehen große Konzerne sowieso unter einem gewissen Generalverdacht. Dennoch wird es nicht Ikea sein, das in Rußland illegal Wälder abholzen läßt, sondern Rußland beherbergt offensichtlich Bürger, die vor illegalen Geschäften nicht zurückschrecken und Ikea Tür und Tor für solche Praktiken öffnen. Konsequenterweise müßte man hier also nicht nur Ikea, sondern auch die russische Regierung für ihr Verhalten belangen.
Punkt 2: Werden die Mitarbeiter schlecht bezahlt? Welche Mitarbeiter? Der Abteilungsleiter, der Lagerarbeiter oder das kleine Verkaufshäschen am Küchenplancomputer? Schlecht bezahlt in Hinsicht auf welchen Maßstab? Setzt man den Maßstab der Ausbildungszeit im Vergleich zur Einstiegsbezahlung und dem tatsächlichen Arbeitsaufwand an, wird F. zum Beispiel nicht nur schlecht, sondern geradewegs miserabel bezahlt. Bei 100% Standardarbeitszeit 50 bis 60 Stunden pro Woche nach acht (!!!) Jahren Studien- und Ausbildungszeit inklusive obligatorischer Auslandsaufenthalte auf eigene Kosten und natürlich einem Abitur ist das unterm Strich ein elender Deal. Trotzdem verschwenden Millionen von Eltern in Deutschland keinerlei Gedanken daran, ihre Kinder wegen schlechter Bezahlung der Lehrer nicht in die Schule zu schicken und viele Lehrer üben den Beruf mit Freude und Zufriedenheit aus. Ebenso wie zahlreiche Ikeamitarbeiter, die schon jahrelang dort beschäftigt sind (letztens haben A. und F. sogar mit jemandem gesprochen, der extra deswegen nach Ba-Wü gezogen ist).
Punkt 3: Der Satz, der F. genug zum Schmunzeln gebracht hat, daß sie diesen Blogeintrag schreiben mußte! Nicht oft wird man als kurz vor der 30 stehender Mensch von einem nicht wenig älteren Menschen als 'junger, kreativer Kopf' bezeichnet. Da fühlt man sich noch jünger, als man tatsächlich ist! Der wahre Brüller ist aber der abschließende Vorschlag, selbst Holz 'aus unseren nachwachsenden Wäldern' zu kaufen und daraus Möbel zu bauen. MacGyver könnte das sicher mit einem Schweizer Taschenmesser und einer Spule Angelschnur in 45 Minuten minus der Werbepausen, F. und A. aber nicht.  Ob das Holz aus den hießig angebauten, schnell nachwachsenden Monokulturwäldern soviel toller und nachhaltiger ist, als illegales Teufelszeug aus Rußland, muß an dieser Stelle unerörtert bleiben. Selbst wenn A. und F. als Menschen ohne Handwerksberuf utopischerweise die Expertise hätten, besagte Möbel 'zusammenzuschrauben', fehlte ihnen doch weiterhin die Zeit, das Geld und die Örtlichkeit, um ein solches Vorhaben erfolgreich durchzuführen. Viel konstruktiver und realistischer wäre hier der Vorschlag gewesen, Möbel aus verantwortungsvoller Herstellung oder zweiter Hand zu kaufen.

Auf Grund dieser drei Punkte verwandelte sich ein sicher gut gemeinter Kommentar zum Blogeintrag in eine Lachnummer. Obwohl F. und A. Ikea (und viele andere Möbelhäuser) mit gleichbleibender Intensität doof finden, werden sie auch weiterhin dort ihre Einrichtungsgegenstände kaufen. Die Gründen dafür verteilen sich wie folgt:
  • 25% Unfähigkeit und Faulheit bzw. der Überzeugung, daß die leichte Förderung des Übels in der Welt in Kauf genommen werden kann und muß, wenn dabei Freizeit herausspringt.
  • 50% mangelnde finanzielle Ressourcen
  • 25% Unlust, sich mit Möbelfragen zu beschäftigen
Sie kompensieren diese Sünden durch besonders gutes Informiertsein im Bereich Biosiegelrichtlinien bei der Lebensmittelherstellung. Ein viel übersichtlicherer, erfolgsversprechenderer Markt. 

P.S.: Es erstaunt F. immer wieder, wieviele Leute tatsächlich denken, sie hätte gewisse Mengen an Idealismus in ihrem Bewußtsein angesammelt, wo dies doch überhaupt nicht der Wahrheit entspricht. Ob's die natürlich Ausstrahlung ist? Oder der Beruf? A. weiß es auch nicht... 

Freitag, 2. September 2011

Ein Expedit und ein Lack treffen sich in einer Bar.

Ein Grundzustand an Zivilisation und Ordnung konnte in der neuen Wohnung hergestellt werden. Fast alles - bis auf die neue Küche, die derzeit noch in 26 Paketen verschnürt vor sich hin stapelt - befindet sich ungefähr an seinem Platze. Es wurden mehrere Premieren gefeiert: F. hat sich an einem Regalbrett so schlimm den Kopf gestoßen, daß sie furchtbar weinen mußte und es geblutet hat. Nur neue Wohnungen vermitteln Schmerz derart frisch und ungeschminkt. Auch schön und schwer zu toppen - drei Besuche in zwei verschiedenen Ikeafilialen innerhalb von vier Tagen. Hier ein kurzer Abriß:
  • Besuch Nummer 1, Ikea Sindelfingen - Das schicke Wäschekästchen 'Hol' ist aus, von F.s bevorzugtem Schreibtisch 'Vika Amon' gibt es nur die vier roten Beine 'Vika Curry', nicht aber die Tischplatte; A. nimmt zwei Pakete für ihren Schreibtisch 'Expedit' mit und stellt daheim fest, daß eines der beiden zu einem komplett anderen Möbelstück gehört, weswegen sie nun zwar eine Tischplatte hat, diese jedoch nicht aufzubauen vermag. Pflanzen und andere Kleinigkeiten werden gekauft. Das Auto ist bis unter die Decke mit Ikeapäckchen voll und F. kann nur noch unter starken Bequemlichkeitseinschränkungen auf dem Beifahrersitz Platz nehmen.
  • Besuch Nummer 2, Ikea Sindelfingen - Das fremde Möbelstück wird zurückgegeben. Dabei lernt man den amerikanischen Koordinator der Firmen des U.S. Militärs in Stuttgart und Umgebung kennen, schließt mit diesem eine Wette ab und gewinnt eine Einladung zum Kaffee. Von F.s Tischplatte fehlt im Lager weiterhin jede Spur. Es kommt ans Licht, daß A. sehr wahrscheinlich ein falsches Paket eingepackt hat, weil das wahre zweite Paket des Schreibtischs vergriffen ist. Weitere Kleinigkeiten werden gekauft.
  • Besuch Nummer 3, Ikea Ludwigsburg - Das zweite Paket zu A.s Schreibtisch ist vorrätig; das schicke Wäschekästchen wird eingepackt. Auch F.s Tischplatte liegt im Lager bereit, dafür sind die roten Beine bis auf ein einziges vergriffen. F. kauft drei schwarze und das letzte rote Bein für ihren Schreibtisch, um einen vierten Ikeabesuch zu vermeiden. Um 21:30 Uhr kommen A. und F. bei der neuen Wohnung an und laden die letzten Ikeapakete in den Fahrstuhl. F. verläßt den Fahrstuhl, um etwas zu holen - da entschließt sich die Aufzugtür, ihre Pforten vollends zu schließen. Der Fahrstuhl steckt fest, mitsamt all der Möbelpäckchen, und wird erst am folgenden  Morgen vom Monteur repariert. F. schwört, den Aufzug nie wieder zu betreten, schon gar nicht mit Hund. Eine gute Entscheidung: Sechs Tage später folgt der nächste Defekt.
Fazit: Komische Verwicklungen in amerikanischen Komödien, bei denen man vorm Bildschirm sitzt und sich leicht empört denkt: 'Sowas passiert ja auch NUR im Film!', hält F. fortan für realistisch. Zufälle gibt es wirklich. Ikea hat tolle Aufbauanleitungen, wäre aber alles in allem um Welten wunderbarer, wenn nur 1000 Menschen pro Tag das Möbelhaus betreten dürften und man seine Besuche auf zwei Mal verteilt über zwölf Monate dosiert.

P.S.: A.s und F.s Auto ist superduper! Kaum ein anderer Wagen durfte bereits soviele unterschiedliche Dinge auf einmal transportieren und nahm dies stets klaglos hin. Nur Firmenwagen großer Bestattungsinstitute können da mithalten. 

Freitag, 12. August 2011

"Jaqueline, komm ma bei die Mutti und tu den Joghurt ausm Kühlschrank!"

Es wird viel passieren in den nächsten Wochen.
F. wird aus dem widrigen Stande der Arbeitslosigkeit hinaufsteigen in die beglückt lächelnde Ebene der zu 75% Beschäftigten. Unter azurblauem Himmel soll in kleinen Mengen Geld aus den Kassen des Landesamtes für Besoldung und Versorgung in ihre Taschen fließen. Dieses gibt sie umgehend für hübsche Accessoires zur Gestaltung der neuen Wohnung aus, in die A., F. und J. zum nächsten Monat umziehen werden. Es winken eine Zugewinn von 25 qm Fläche in Form eines dritten Zimmers sowie eine Terrasse und ein kleines Stück Wiese, direkt vom Wohnzimmer aus zugänglich. Sehr wichtig auch: die Heizung wird so tadellos funktionieren, daß jedem mit Zeigefinger meckernden Menschen umgehend wegen Nichtbenutzung selbiges Körperteil abfallen wird - und zwar mit einem für das Abfallen von Fingern ungewöhnlich lauten Knallgeräusch, ähnlich jenem Kabumm, welches A. und F. verursachen werden, wenn sie letztmalig die überdimensionierte Haustür der alten Wohnung hinter sich zuschmeißen.
Sollte jemand also am zweiten oder dritten September zuviel Zeit haben, der möge nach Stuttgart kommen und beim Umzug helfen oder Schränke aufbauen oder schmackhafte Mahlzeiten für die beiden Hausherrinnen bereiten. Auch am sechsten September gibt es Dinge zu tun. Dann baut der Küchenmonteur nämlich ganz geschmeidig die tolle neue Küche ein und sägt mit seiner Gehrungssäge Gehrungen aus (oder halt andere Dinge, die man mit Gehrungssägen schneiden kann).
Außerdem befinden A. und F. sich in den nächsten zehn Tagen ununterbrochen autofahrend in verschiedenen Gegenden Deutschlands. Aktuell gerade Würzburg, wo die S. und der M. morgen bei strömendem Regen innerorts heiraten werden. Dies ist ein Segen, weil sie nach der Feier die Reichweite der elterlichen Tentakeln verlassen dürfen, um eigenverantwortlich wilden Aktivitäten zu frönen, wie z.B. Joghurt kaufen und in Kühlschränke stellen, Frühstücken, Nektarinen essen und andere extravagante Dinge.
Als nächstes stehen ein Besuch in Beutesachsen alias Niederschlesische Oberlausitz, ein Friseurbesuch in Dresden und ein Aufenthalt im schönen Erzgebirge an. Deswegen demnächst hier nur sporadische Neuigkeiten. Tada, F.

Dienstag, 2. August 2011

Nimm 2 + 38

Im Hause A. und F. gibt es für den Hund bezüglich Essen eine einfache Regel: Alles, was sich auf dem Fußboden befindet, darf gefressen werden, wenn kein Frauchen im Einzelfall brummend dagegen vorgeht. Simpel.
 Die Hundedame auf dem Foto links hat aber eine andere Auffassung von 'auf dem Fußboden', als ihre beiden Halterinnen. Hier eine Veranschaulichung:
  • J.s Definition = 'Auf dem Fußboden' ist überall, wo ich mit dem Maul hinkomme, ohne daß meine vier Pfoten selbigen verlassen.
  • F.s Definition = 'Auf dem Fußboden' bedeutet unten liegend, also nicht auf einem irgendwie gearteten Möbelstück.
Aus diesem Mißverständnis resultiert neuerdings der Umstand, daß J. auch Dinge fressen möchte, die z.B. auf dem sehr niedrigen Wohnzimmertisch oder dem Rand des Bettes liegen. Normalerweise ist das kein Problem, denn Essen liegt hier eh nie herum (das verspeist die A. vorher schnell). Letztens hatte sie jedoch eine ganze Tüte Nimm 2 Lutschbonbons auf dem Bett ausgeschüttet, weil diese später mit Zetteln bestückt und gezählt werden sollten. 48 Bonbons enthielt die Tüte.
Man ahnt, was passierte. Nach abendlicher Abwesenheit lagen nicht mehr 48, sondern nur noch acht Lutschbonbons auf dem Bett - genau jene, die zu weit in der Mitte platziert waren, so daß J. mit den Vorderpfoten hätte hochgehen müssen. Alle Trinknäpfe standen leer, fünf Papierchen befanden sich in des Hundes Bett, machte unterm Strich fünf Bonbons ohne und 35 mit Plastikpapier im lustig gluckernden Bauch der Bestie. F.s Probe, ob J. aus dem Maul nach Multivitamin roch, blieb negativ, dafür hatte sie umso mehr Durst und dementsprechenden Harndrang.
Man fütterte Sauerkraut und fettarmen Hüttenkäse, um die Plastikmengen ans Tageslicht zu drängen. Schon 24 Stunden später sammelte F. mit durchsichtiger und grüner Folie gespickte Kackwürstchen ein - Unmengen davon. J. hat eben doch einen Schweinemagen.

P.S.: A. und F. wissen jetzt, was 'auf dem Fußboden' bedeutet und werden sich entsprechend danach richten. 

Mittwoch, 27. Juli 2011

Und sowas wird Lehrerin...

Seit heute, Mittwochvormittag den 27.07.2011 um 10:15 Uhr darf F. offiziell die Berufsbezeichnung 'Assessorin des Lehramts' führen. Urkunden wechselten den Besitzer, eine letzte Dienstbesprechung mußte durchgestanden werden, Dekoobst wurde massenweise vom Buffet runtergegessen.
Was nun folgt, ist das sogenannte Freizeitloch. Nach 18 Monaten mit nur halbem oder keinem Wochenende haben A. und F. erstmals wieder Unmengen an beliebig verfügbarer Zeit mit Aktivitäten zu füllen. Da weiß man gar nicht so richtig, wohin mit sich. Fest vorgenommene Zeitfresser sollen hier nun aufgeführt werden, aber Vorsicht, die Liste kann sich später beträchlich verlängern:

  • Filme mit geringem Bildungsgehalt erneut auf DVD anschauen, nachdem
  • um 14 Uhr gefrühstückt wurde, weil
  • man erst um 12 Uhr aus tiefem Schlaf erwachte.
  • Aufgeblasene Wälzer angeblicher Weltliteratur lesen, dabei
  • Eis mit Schokostreuseln zum Mittagessen verspeisen und
  • dazu Apfelsaft trinken - wohlwissend, daß das Bauchschmerzen gibt.
  • Mit dem Hund ordentlich im Wald herumsteigen, inklusive
  • enormem Dreckeinsammeln an Kleidung und Fell von Mensch und Tier.
  • Zeitfressende Papiermodelle von Videospielfiguren aus  mikroskopisch kleinen Teilen mit der Pinzette zusammenkleben
  • Videospiele spielen
  • sinnlos im Internet rumsurfen und 
  • unerschwinglich teure Technikprodukte sichten
  • die halbe Wikipedia lesen 
  • in eine Wohnung mit Heizung umziehen
Ergänzungen folgen später. Jetzt muß F. erstmal ins Bett, um 12 Uhr klingelt schließlich der Wecker.

Freitag, 8. Juli 2011

Dienstags und freitags

Vor zwei Wochen waren A., F. und J. in Begleitung von S. und dem Lethargolabrador ferienbedingt einige Tage außer Haus, fern vom engen Stuttgart, und räkelten sich dekadent auf den karierten Picknickdecken Sachsens. Durch chinesischinduzierte Magenprobleme wurde die Abreise leicht ins Wanken gebracht, durch weiteres typisches Zuspätaufstehen/Zuspättaschepacken/Nochtankenmüssen/WoistmeineSonnenbrille/Ichmachmirnur-nochkurzdieHaare verzögerte sich das Losfahren um einige Zeit. Das Staubsaugen der Wohnung gelang A. ordnungsgemäß - schließlich möchte niemand von erholsamen Ausflügen in eine schmutzige Wohnung zurückkehren - aber die Hausordnung (süddeutsch: Kehrwoche) schaffte man nicht mehr.
(Grimmige Beschreibungen des baden-württembergischen Kehrwochenwahns sollen hier keinen Nährboden finden. Der Schwabe ignoriert Dienstleistungsunternehmen zur Gebäudereinigung im Privatsektor weitestgehend, aber das darf doch auch bitte jeder Hausbesitzer selbst entscheiden. In anderen Lebensbereichen gesteht man den Individuen schließlich auch freimütig  das dauernde Dreckigsein zu. Gärtnern, linksextremistischen Randgruppen, Motocrossfahrern. Niemand hat jemals davon gehört, daß finstere Zuschauer dem erschöpften Motocrossfahrer ein kleines Plastikbeutelchen mit vom Moped gekratzten Schlammresten an den Lenker hängen würden. Deswegen ist es mit Sicherheit auch eine absolute Ausnahme, daß der nette schwäbische Nachbar bisweilen kleine Tütchen mit im Laufe der Woche eingesammelten Hundehaaren an die Klinke der Wohnungstür hängt. Kein Grund zur Aufregung.)
Zum Glück wohnen in A.s und F.s Haus überhaupt keine Schwaben, sondern nur - um die Waiblinger Kreiszeitung einmal in ihrem dauernden randrassistischen Gelaber zu zitieren - Menschen mit deutlichem Migrationshintergrund. Was deutlicher Migrationshintergrund ist und wie er sich von undeutlichem unterscheidet, müssen andere, kompetente Fachkräfte in ihrer Freizeit herausfinden. Jedenfalls meckern die netten Menschen mit deutlichem Migrationshintergrund in der Regel niemanden wegen irgendeiner Kehrwochenlappalie an und benutzen ihre Plastikbeutel auch eher, um exotische Speisen im Kühlschrank länger haltbar zu machen. Als A. und F. jedoch von ihrer mehrtätigen Abwesenheit zurückkehrten und das Treppenhaus betraten, bot sich ihnen ein Bild des Jammers: Geigenmusik im Westernstil spielte leise klagend, der Wind fegte vertrocknete Lindenblüten über die Stufen, Colaflecken deflorierten den glatten Stein! F. spürte  die langen Finger des Schames streng tastend an ihrem Herzen, als mit starkem Akzent folgender Satz fiel: "Is dreckig, nich?"
Ja, Frau Nachbarin aus dem zweiten Stock, s'ist dreckig, da darf man ruhig Salz in die Wunde streuen. Der schwäbische Nachbar hätte wahrscheinlich die Lindenblüten durchs angekippte Fenster in die Wohnung des Übeltäters geschmissen und man würde sich tagelang über solche Unverhältnismäßgkeit aufregen. Frau Graziano hingegen spricht einen Satz und man fühlt sich furchtbar ertappt. Genauso ertappt wie beim Anblick dieses Blogs, das seit reichlich zwei Monaten vertrockneten Unrat aller Art durch seine Hallen fegen sehen muß.
Dies soll sich nun ändern! Eine Regel wurde erstellt. Jeden Dienstag und Freitag wird ein neuer Eintrag kredenzt - koste es, was es wolle. Fotos häufen sich ja eh in F.s Archiv, hinreichend tolle Ideen sowieso, es liegt also nur an der Faulheit. Mal sehen, wie lange sie es durchhält.

P.S.: Nachbarn mit deutlichem Migrationshintergrund sind einem übrigens nur dann meist milde gestimmt, wenn man selbst keinen hat. Die in der Türkei geborene Frau des Hausverwalters, ebenfalls gebürtiger Türke, vertraute F. in der Vergangenheit zum Beispiel ganz selbstverständlich an, daß "Neger" [sic!] sowieso schlecht putzen und es deshalb kein Wunder sei, wie's bei der Frau aus dem ersten Stock immer aussehe. Als sie von der 'unkonventionellen' Partnerschaft zwischen A. und F. erfuhr, lachte sie nur freundlich und meinte "Lieber so jemand, als Leute mit Kopftuch." Immer schön reintreten in Richtung dessen, was vermeintlich unten ist...

Freitag, 11. Februar 2011

Der Wochenblues

Sicher hat die Weltöffentlichkeit sich in letzter Zeit häufig die Frage gestellt, was J. so den ganzen Tag treibt - wo F. und A. doch soviel zu tun haben. Böse Zungen murmelten unanständige Gedanken in zottige Bärte: '...der arme Hund, wiegt bestimmt schon 25kg und darf nur in zubetonierte, dunkle Ecken kötteln, während F. und A. die zukünftige Elite der Bundesrepublik ausbilden. Verboten gehört sowas. Früher hat es das nicht gegeben. Und dann auch noch eine Spielekonsole kaufen, damit immer mehr Zeit auf dem Sofa herumdrapiert werden kann - so ein Tier muß raus an die frische Luft!' Dergestalt zischte es F. um die Ohren. Nun soll aber aufgeräumt werden mit den ewigen Vermutungen; Fakten müssen auf den frisch abgewischten Tisch.

Montags klingelt um 5:30 Uhr der Wecker. Die arme J. wird genötigt, auf ihr privates Stück Wiese gegenüber, hinterm Bäckersgeschäft, zu pinkeln. Der Grünstreifen direkt vor der Haustür ist ihr nicht genehm, denn dort haben schon zuviele andere Hunde hingemacht. Deswegen kann die schwarze Prinzessin kaum ihre Pfoten auf diesen Boden setzen, geschweige denn den heiligen Fusselpo zum Pullern absenken. Danach frühstückt J. und während die Menschen sich hegen, pflegen und Nahrung aufnehmen, liegt die Hündin des Hauses schon wieder auf ihrem Schafsfell brach. Meistens hat sie nicht einmal Kraft, um an die Tür zu kommen, wenn A. und F. um 6:45 Uhr die Wohnung verlassen. Gegen 12 Uhr stehen die Beiden wieder auf der Matte. J. latscht in der Regel relativ widerwillig in Schrittgeschwindigkeit (!) 15 Minuten um den Block und beschnüffelt dabei jeden Halm. Zuhause kocht F. ein kulinarisch erstaunliches Mahl, J. zerlegt nebenbei eine Rinderkopfhaut oder leert einen Kong. Gegen 13 Uhr zieht J. ihre Schuhe an und schließt den Klettverschluß (Hunde können keine Schnürsenkel binden, weil sie keinen funktionierenden Daumen haben). Es wird in den Wald gelaufen oder mit dem Auto/der Straßenbahn zu einer geeigneten Stelle gefahren. Dabei beschallt F. den Hund mit qualitativ hochwertiger Musik, weil der neue Nissan auch im Kofferraum Boxen hat. Anderthalb bis zwei Stunden  lang springt und hüpft J. durch die Botanik - ja, nun ist auch sie endlich wach - und wird am Ende stark verdreckt wieder eingeladen. Die Qualität des Spazierganges mißt F. am Verschmutzungsgrad des Hundes. Abends latscht man dann wieder eine halbe Stunde gemächlich durchs Viertel bzw. entwischt dem Ordnungsamt im Park.
Dienstags arbeiten A. und F. daheim, deswegen muß J. erst gegen 9 Uhr zum Pullern aufstehen und wird irgendwann nach 13 Uhr von Harald dem Hundesitter abgeholt. Bis 18 Uhr trudelt sie wieder zuhause ein, verspeist in 10 Sekunden ihr abendliches Mahl und meldet sich dann bis zur späten Viertelbesichtigung ins Bettchen ab. Manchmal liegt sie neben F. auf dem Jugendbett und erträgt deren Fluchen beim Videospielen.
Mittwochs passiert alles genau wie montags, außer daß J. beim großen Spaziergang eine Stunde braucht, um auf Touren zu kommen. Vorher trottet sie relativ unmotiviert neben F. her und spürt den Anstrengungen des vorigen Tages nach.
Donnerstags muß J. schon wieder halb 6 aufstehen! Dafür kommen A. und F. erst um 13:30 Uhr nach Hause und es kann sofort frisch losgelaufen werden. Keine Latscherei, kein Getrotte, so soll es sein!
Freitags hat F. frei - J. muß mit A. kurz vor 6 aufstehen, darf dann aber weiterschlafen. Frei haben bedeutet, daß F. sich den ganzen Tag um Stundenvorbereitungen und Korrekturen drückt und schließlich alles aufs Wochenende verschiebt.
Samstags und sonntags werden ausschließlich großartige Dinge getan. In den sehr ausgedehnten Pausen zwischen den großartigen Dingen bereiten A. und F. die Zukunft der Jugend vor. J. wird ordnungsgemäß eingedreckt und sitzt in der restlichen Zeit mit ihren spitzen Poknochen auf F.s behausschuhtem Fuß (wenn sie grad nicht im Schafsfellbett liegt und ihr Fell pflegt oder die Herrinnen des Hauses zum Spiel verleitet).

Enddiagnose: Ca. 56 bis 70km (14 bis 21 Stunden) Gassi pro Woche, 18kg Hund und reichlich dreimal soviel F.

P.S.: Wer sich für die genauen Strecken interessiert, die F. und J. immer so zurücklegen, der klicke hier und gebe rechts oben neben der kleinen Lupe F.s volles Geburtsdatum (Format tt.mm.jjjj) mit einem Leerzeichen zwischen Monatspunkt und Jahreszahl ein. Voilà! Es lebe das GPS!

Freitag, 21. Januar 2011

Die kleinste Violine der Welt spielt nur für Dich

Nähere Erklärungen, warum die F. so lange nichts von sich hat hören lassen, spart sie sich mal. Korrekturen, Unterricht, Korrekturen, Sex, Korrekturen, Gassigehen, Korrekturen, Weihnachten, Korrekturen, 2. Staatsexamensarbeit schreiben, Wii spielen, 15 Mal mit dem Autohändler am Telefon streiten - das soll genügen. Eine Schreibblockade war es nicht, nein, viele schöne Ereignisse warteten ungeduldig darauf, beschrieben zu werden. Alle zusammen saßen sie auf der Wartebank, bis eine Sporthalle nicht ausgereicht hätte, um sie zu beherbergen. Daraufhin gingen die Ereignisse unbeschrieben ihrer Wege und wurden nie wieder gesehen. So passiert das manchmal im Leben.
Etliche Dinge hat F. fotografisch dokumentiert, wie zum Beispiel das leckere Frühstück zu Beginn dieses Artikels. Die vielen nackten Frauen, die sie innerhalb der letzten zwei Monate auf großzügig motorisierten Autos räkelnd beobachten konnte, blieben wiederum unbebildert. Ein Jammer. Dafür schoß sie einige Fotos von J. auf Baufahrzeugen. J. hat viel mehr Fell, als die nackten Frauen und obendrein keinerlei Brüste. Als Ausgleich jedoch wirken Baufahrzeuge sehr viel bulliger und imposanter, denn jeder noch so üppige Busen. Seht selbst:
 J. auf einem Mercedes Traktor, MB Trac, der nicht mehr hergestellt wird.

 J. auf einem mittelgroßen Bagger mit augelatschtem Profil.

 J. auf einem Kipper, der gerade einen Haufen Sand auf eine Person schüttet, die nicht zugeben wollte, daß David Bowie ein toller Sänger ist, der auf Arbeit und in seiner Freizeit durchaus auch glitzern darf, ohne böse ausgelacht zu werden. Zum Zeitpunkt des Kippvorganges wollte der bösartige Musikbanause eben ein kehliges Lachen über Davids Kleidungsstil hinausposaunen, da ward es dem Kipperfahrer zu bunt und er fuhr die Ladefläche hoch. Kurz danach bückte er sich, um seinen Schuh zu binden, deswegen sieht man auf dem Foto niemandem im Fahrerhaus. Allen Nichtkennern von David Bowie sei das Originalvideo zu 'Space Oddity' auf Youtube zum Anschauen handwarm empfohlen. Leute, die das Lied nicht mindestens tolerierbar finden, werden hiermit dazu aufgefordert, dieses Blog umgehend zu verlassen und niemals wiederzukehren. Lohnt sich eh nicht, bei der Schreibfrequenz.

Montag, 13. September 2010

Blau, liniert, dreigeteilt

Nun hat die Schule in BaWü wieder angefangen und F. wackelte heut morgen brav zur Dienstbesprechung, in der ganz viel bekanntgegeben, vorgestellt und wohlwollend beklopft wurde. Danach Schlangestehen im Kopierraum mit elegantem Kopieren von 360 Seiten für die erste Woche, weil jeder Schüler danach giert zu erfahren, was wann wie bewertet wird und wie die Organisation läuft.
Wichtige Fragen sind zu klären. Braucht man in Englisch ein Heft oder einen Hefter? Welche Farbe soll der denn haben? Geht blau (25 Schüler nicken zustimmend)? Kann ich auch grün nehmen (5 Schüler blicken bittend)? Welche Unterteilung soll drin sein? Möchten Sie liniertes oder kariertes Papier? Alles enorm wichtig. Am Ende entscheidet man sich für Hefter, blau, Papiersorte total rilleschnurzegal und Übungsteil, Vokabelteil, Grammatikteil.
Dann die absolute Knallerfrage des Tages: "Frau F., was kommt in den Vokabelteil?"
Mhm, mal nachdenken...Vokabeln? Oder vielleicht doch Grammatik? Das wäre ungefähr so, als würde man Geflügelfleisch kaufen wollen, das zur Verwirrung des Kunden mit 'Rinderhack' beschriftet wurde. Demnächst kommt F. in den Unterricht und verkündet auf Französisch, daß jetzt eine Englischstunde stattfindet, wenn eigentlich gerade Deutsch auf dem Stundenplan steht. Ob die Schüler das merken würden? Mit Sicherheit, weil der Englischhefter blau ist und der von Deutsch gelb.

An der Schule gibt es dieses Jahr eine Änderung. Die Schüler müssen nun in jeder großen Pause das Schulgebäude verlassen. Als dies schon entschieden war, fragte der Schulleiter bei Kollegen von anderen Schulen an, was bei Regen zu tun sei. Die anderen Schulleiter antworteten, bei starkem Regen dürften die Schüler im Schulgebäude bleiben, es habe aber seit zwei Jahren keinen starken Regen mehr gegeben. Daraus kann sicher geschlußfolgert werden, daß die Schüler nur dann nicht nach draußen müssen, wenn der Regen so heftig ist, daß die Wucht der Tropfen sie ohnehin erschlagen würde. Eventuell auch bei hühnereigroßem Hagelschlag und Temperaturen unter -20 Grad. F. findet das ausgezeichnet, eine sehr weise Entscheidung seitens der Gesamtlehrerkonferenz. Junge Menschen brauchen schließlich frische Luft und ausreichend Bewegung, um rechtzeitig die enorme Entwicklungsstufe ihrer älteren Mitmenschen erreichen zu können. Außerdem mußte F. in ihrer Schulzeit IMMER in ALLEN großen Pausen in der Kälte herumstehen, weswegen das Leiden jetziger Schüler im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit mit feurigen Lippen willkommensgeküßt werden sollte. Blöd nur, daß F. montags in der ersten großen Pause Aufsicht hat. Hoffentlich regnet es nicht.

Donnerstag, 5. August 2010

Ein bunter Blumenstrauß an Bildern - Teil 2

J. neigt in letzter Zeit zu sehr erfolgreichem Mäusefangen. Mit F.s Erlaubnis werden die Nager aufgespürt, aus dem Loch gejagt und schnell exekutiert. Anschließend verspeist J. die Maus unter subtilen Knuspersounds. Manchmal jedoch - ganz selten - mag J. die gefangene Mausmahlzeit nicht essen. Zum Beispiel wenn das Tier zu staksige Beinchen hat, die im Maul beim Kauen komisch rumhängen. Dann wird die Maus belutscht und besabbert, aber nicht gefressen. Ein unhaltbarer Zustand! Deswegen steckt sie F. in ein altes Brötchen und schon sind die störenden Gliedmaßen kein Problem mehr. Voilà! 

Manchmal hat auch F. keine Lust auf ihr Essen. Zufällig immer dann, wenn die zerknittertste Tischdecke der Welt auf dem Tisch liegt. Hier ein Beweisfoto:

Diese Tischdecke ist derart knittrig, daß sich Suppenteller auf den Rücken der hohen Faltenberge zur Seite neigen und ihren kostbaren Inhalt verschütten, so knittrig, daß man Blutergüsse bekommt, wenn man sich aufstützt, so knittrig, daß es meldepflichtig sein sollte, eine solche Tischdecke im Haus zu haben oder über ihren Erwerb auch nur nachzudenken! Wäre dieses Tischtuch ein Hemd, müßte der Träger vor Scham metertief im Boden versinken und umgehend seine Arbeitsstelle verlieren. Ja wäre dieses ein menschliches Gesicht, würde es jeder gesunde Betrachter immer älter schätzen als die acht Monate, die es in Wirklichkeit auf dem Buckel hat. Kein Wunder, daß F. da der Appetit vergeht!


Statt ihre Eier zu essen, legt sie sie sich aufs Knie und wartet geduldig, bis daraus Küken schlüpfen. Diese wechseln später die Farbe zu gelb. Danach werden sie rasiert und als Tennisbälle verkauft.

J. hat sich raubtiergemäß beim Anblick der niedlichen Küken sofort das Maul geleckt und wollte auch zuschnappen. Daraufhin sperrte man sie in ein anderes Zimmer. Sie fühlte sich wohl zu sehr an die aus dem Nest gefallenen Vogeljungen erinnert, die F. und J. in letzter Zeit häufig auf dem Weg sitzend finden. 


Hier hat sich F. verbrannt, nachdem sie zweieinhalb Stunden konstant im Schatten saß. Uneingecremt - zugegebenermaßen - aber im Schatten. Natürlich war die Schulter eine Woche später wieder genauso weiß wie zuvor. Sämtliches Melanin in F.s Körper konzentriert sich nämlich auf Sommersprossen und Leberflecken, von Sommerbräune kann keine Rede sein. Apropos Leberflecken: jüngst gelang eine sensationelle Entdeckung! Ein Bild von J. befindet sich direkt auf F.s rechtem Oberschenkel, man sehe und staune:

Für die Großmutter: Wie man eine Taste aus der Tastatur entfernt...

Freitag, 9. Juli 2010

Ein bunter Blumenstrauß an Bildern - Teil 1

Seit einiger Zeit besitzt F. ein Kamerahandy, das trotz 3,2 Megapixeln Auflösung immer noch erstaunlich schlechte Fotos fabriziert. Dank dieses Technikwunders fotografiert sie ab und an interessante Dinge, die ihr im tristen, drückenden Endzwanzigeralltag so vor die Nase geraten. Hier eine geheime Auswahl jener Objekte:
 Was ist das wohl für ein Mensch, der Zeitungsartikel aus dem täglichen Stuttgarter Wurschtblatt kopiert, laminiert (!!!), an öffentichen Stellen verteilt und gewissenhaft untendrunter einen derart schönen Satz notiert? Wahrscheinlich hat derselbe Mensch, als er der ersten weiteren Person den wichtigen Artikel zum Lesen vorlegte, traurig kopfschüttelnd 'Armes Deutschland!' gemurmelt. Extrem wahrscheinlich.
An dieser Stelle sollte jetzt eigentlich das sehr schöne Motiv von A.s Mandelentzündung präsentiert werden. F. ist sich allerdings nicht sicher, ob trotz hoher Ästhetik und unbestreitbarem Informationswert ein zu starker Ekelfaktor vorliegt, der alle Blogleser scharf einatmen ließe. Deswegen weg mit dem scheußlichen Mandelentzündungsfoto. 
Oben zu sehen der schmunzelhafte Zustand des rechten Außenspiegels von A. und F.s Wagen. Nach einem Akt roher Gewalt wurde dieser per Sekundenkleber und Kraftband unter Berücksichtigung von keinerlei Qualitätsmaßstäben wieder am Fahrzeug angebracht. Seitdem quietscht er, wie ein Sechserpack 1,5 Liter Aldi-Plastikmineralwasserflaschen, wenn man ihn von der Europalette in den Einkaufswagen hievt. Jeder kennt das Geräusch. Für zwei Sekunden durchaus charmant - süß gar - für sechs Stunden auf 500km nach Chemnitz absolut gehirnverflüssigend.
Ein Feuersalamander im Teich nahe der Waldebene Ost Stuttgarts. Das erste Exemplar, welches F. persönlich unter die Augen trat. Laut Wikipediaartikel hat ein Feuersalamander bisweilen eine sogenannte Begleitfauna. Die Geburtshelferkröte zum Beispiel, welche so komisch heißt, weil sie sich ihre Eier um die Fersengelenke wickelt, statt sie irgendwo zu vergraben. Menschen können ihren Nachwuchs leider nicht um die Fersen wickeln, weil die Proportionen für solche Eskapaden ungünstig angelegt wurden. Deswegen bleibt die Geburtshelferkröte allein mit ihrer unkonventionellen Lösung.
Im Reformhaus am Hbf Stuttgart kostet DARMCARE jetzt nur noch € 11,99 statt € 13,49. Ungeklärt bleibt weiterhin, was verkauft wird: Eine Dienstleistung oder ein Nahrungsergänzungsmittel? Falls es sich um eine Dienstleistung handelt, spielt F.s Fantasie sofort absolut verrückt. Falls DARMCARE jedoch ein einfaches Nahrungsergänzungsmittel sein sollte, fragt man sich natürlich, warum es preislich reduziert worden ist. Rückt das Verfallsdatum näher oder will keiner seinen Darm pflegen? Und was richten solche Darmmittel eigentlich Schlimmes an, wenn der Zeitraum der sicheren Nutzung verstrichen ist? Die engagierte Angestellte des Reformhauses konnte dazu keine Aussagen treffen, hatte jedoch eine für Stuttgarter Verhältnisse sehr alternative, asymetrische Frisur, bei der die Haare auf der einen Seite viel kürzer rasiert waren, als auf der anderen. Sah einigermaßen schick aus.
Jetzt soll hier erstmal Schluß sein. F. knallt sich einen Grillkäse Gouda mild in die Pfanne und schaut dann Star Trek. Tada!

Sonntag, 6. Juni 2010

Der Sinn des Lebens ist eine Blume. Oder eine Perserkatze.

Lob dem tollsten Haushaltgerät der Welt! Lob dem Geschirrspüler, Sparer von Zeit und Wasser, Nerven und schöner Handhaut! Lob, Lob!
Vor einigen Wochen erwarben A. und F. ein solches Maschinchen gebraucht für wenige Euro und erfreuen sich nun mühelos sauberen Geschirrs. Ein wenig Gefummel an der Abwasserleitung, eine Prise Spezialsalz und ein 7-Phasen-Tab der Marke ja! reichen aus, um das sklavische Gerät zum Arbeiten zu motivieren. Nie mehr sich stapelnde Teller und Tassen, die die Arbeitsfläche in der Küche kontaminieren, nie mehr fettiges Spülwasser und Nudeln im Abflußsieb, nie mehr! Hinfort die Sorgen um das Gekratze mit dem Metalldingens, das keinen richtigen Namen hat, einem aber die Fingernägel ruiniert, wenn man damit eingetrocknete Speisen bearbeitet. Nur noch neutral duftende Lappen bevölkern die Spüle, oh Wunder der Technik.
Der Klarspüler ist übrigens auch von der Marke ja!, was einen einmal mehr wundern läßt: Auf welche dringliche Frage soll ja! eigentlich die Antwort geben? Wird diese spezielle Frage bei der Entwicklung jedes neuen ja!-Produktes extra erdacht? Oder handelt es sich um eine universelle, jedem Stück Ware inhärente Problematik? 
Wie zum Beispiel 'Was ist der Sinn des Lebens?' - nein, denn darauf antwortet nur ein zynischer Optimistenklotz mit ja! Mhm. Vielleicht 'Ist Dir der Sinn des Lebens bekannt?' - klingt schon vielversprechender. Allerdings kommt damit niemand weiter, weil auf der Spezialsalzpackung ja keine zusätzlichen Hinweise zum Sinn des Lebens aufgedruckt sind. Da steht nur REIZEND und 'Gefahr ernster Augenschäden' und 'Darf nicht in die Nähe von Kindern gelangen.' Wieso sollte ein Hersteller, der den Sinn des Lebens zu kennen behauptet, Packungen mit der frohen Botschaft bedrucken und gleichzeitig Kinder kriminalisieren? Oder beziehen sich die kryptischen Anweisungen auf den Sinn des Lebens selbst? 'Bei Verschlucken sofort ärztlichen Rat einholen' klingt, als wäre der Lebenssinn, den die REWE-Handelsgruppe da so geschickt vor der Menschheit zu verstecken versucht, ziemlich gefährlich oder aber sehr fragil. Immerhin ist die menschliche Magensäure dafür bekannt, alle Arten von Substanzen effizient aufzulösen. F. hat einst als Kind ein kleines Lego-Plastikblümchen verschluckt. Trotz aufwändiger investigativer Bemühungen wurde jenes Blümchen niemals wiedergefunden. Sollte der Sinn des Lebens also aus ähnlichem Material sein, so scheint die Warnung vorm Verschlucken gerechtfertigt.
Da nun zweifelsfrei bewiesen ist, daß die REWE-Handelsgruppe den Schlüssel zum Lebenssinn in den Händen hält, hat F. beschlossen, soviele ja! Produkte wie möglich zu kaufen, um weiterer Hinweise habhaft zu werden. Folgendes ist bisher bekannt:
Der Sinn des Lebens
  • stellt eine Gefahr für die Augen dar, muß also besonders schön, häßlich oder hell sein
  • darf nicht verschluckt werden, ist demnach gefährlich oder wenig stabil gebaut
  • kann allergische Reaktionen hervorrufen
Die bisherigen Fakten weisen darauf hin, daß der Lebenssinn entweder eine Blume (schön, instabil, allergieauslösend), Licht (hell, gefährlich, allergieauslösend) oder eine Perserkatze (häßlich, gefährlich, allergieauslösend) ist. Da kaum ein Mensch aus Versehen eine Perserkatze oder Licht verschlucken würde, tendiert F. zum gegebenen Zeitpunkt mehr zur Blume. Sobald weitere ja!-Produkte gekauft wurden, um die Beweislage zu verbessern, sollen die Auswertungen hier erscheinen.
Im Verlauf der Gedankenreihe zum Thema Sinn des Lebens wurde F. übrigens klar, daß nicht nur dem Geschirrspüler, sondern auch der Waschmaschine großes Lob als herausragendes Haushaltsgerät gebührt. Sie wäscht Kleidung rein und ermöglicht regelmäßigen Kleidungswechsel ohne viel Anstrengung. Mit ihr wirken die Menschen schöner und weniger nackt, sie spart ebenso Zeit und Wasser, wie ihre Freundin, die Spülmaschine. Ein Lob also auf die Waschmaschine und die Geschirrspülmaschine! Lob, Lob, Freude, Jauchzen!

Samstag, 29. Mai 2010

Es rappelt im Karton

Lange war Ruhe im Karton. F. wurde gefragt, warum. Hier also die Antwort: Durch sehr blöde Umstände wurde es möglich, über bestimmte Suchbegriffe F.s Blog per Google zu finden. Trotz umfangreicher Versuche, dies zu ändern, blieb der miserable Eintrag wie ein dicker Schandfleck in der vermaledeiten Suchmaschine sitzen. F. zog schon in Erwägung, das Blogschreiben ganz an den Nagel zu hängen, weil sie keine Lust hatte, auf eine neue Adresse umzuziehen. 
Manchem mag die Tragweite eines Googleeintrages nicht bewußt sein - aber als Lehrer muß man immer damit rechnen, daß Schüler und andere seltsame Wesen mitlesen. Natürlicherweise schränkt dies den eigenen Schreibstil ein und wer will schon halbgares, zensiertes Gedöns schreiben oder lesen. So kam es also, daß F. länger abstinent blieb und das Blog verwaiste. Einsam räkelte es sich in den Weiten des Internets, ungepflegt von der lieblichen Besitzerin Hand.
Damit soll nun aber Schluß sein. Es wurden zwar keine Lösungen gefunden, jedoch persönliche Überlegungen angestellt, die eine Fortsetzung des Schreibbetriebes weiterhin ermöglichen. Deswegen kann die F. nun auch berichten, daß sie sämtliche Unterrichtsbesuche für das laufende Schuljahr erfolgreich hinter sich gebracht hat und die eine oder andere drachengleiche Fachleiterin zu befriedigen wußte. Die erste Hürde im Verlauf des Referendariats ist also genommen. Oh Freude! Nun trennen nur noch ein Jahr Ausbildung, zwei bis drei Jahre Probezeit und einige Lehrproben F. von den heiß ersehnten 40 Berufsjahren im Beamtendienst ohne Recht auf freie Wahl des Arbeitsplatzes (dafür aber sanft eingebettet in den Kreis lieber Lehrerkollegen, die schon anfangen zu tratschen, wenn man im Lehrerzimmer einmal zuviel blinzelt und die - während sie von ihren Schülern erwachsenes Verhalten fordern - sich selbst in möglichst vielen Situationen komplett daneben benehmen). Supi.
In Zukunft hier also wieder zu lesen: F.s Ergüsse und Meldungen. Angenehm.

Montag, 18. Januar 2010

Wenn ick an den Rückweg denke...!

Seit nach S. umgezogen wurde, muß J. immer entsetzlich früh aufstehen! Sieben Uhr klingelt das Weckgerät und A. schleift sie eine halbe Stunde um den Block. Danach gibt es Frühstück und der arme Hund bettet sich wieder für ein paar Stunden. Zu lange kann man aber nicht in der Einsamkeit verharren, drum hat J. einen neuen Gassimenschen, den Harald. Harald ist groß, trägt enorm viele dunkle Haare auf dem Kopfe und spricht - weil er ein Mann ist - mit tiefer Stimme. Trotz vorherigem Testgassi in Begleitung von F. und A. fand J. das deshalb nicht so prickelnd, als der Neue am Montag plötzlich in der Tür stand. Angebellt wurde er! Hernach ließ sie sich aber dennoch das Halsband anziehen und stieg in sein Auto, schließlich roch er ziemlich interessant nach Hund und versprach Entertainment, während es allein zuhaus total öde war. In Haralds Kutsche wartet unter Anderen auch Tammy, eine lebhafte Beagledame, mit der man nach Herzenslust durch Wald und Feld rasen kann. Kurz bevor F. und A. vom Seminar heimkehren, wirft der Gassimann J. wieder in die Wohnung und verabreicht ihr den bereitgelegten Kausnack. Sie ist dann sehr müde und muß sich erstmal ausruhen, bis F. sich abends nochmal mit ihr im neuen Viertel anständig verläuft.
Das passiert nämlich öfters. F. schaut vor dem Gassi auf die Karte, um den Weg bis zum gewünschten Ort abzuspeichern, ist aber zu faul, selbige mitzuschleppen. Irgendwo biegt sie dann falsch ab - genug Seitengässchen dafür gibt es ja - und ist statt 45 Minuten glatte 75 unterwegs. J. stört das nicht so, F. lernt die Gegend kennen. Immerhin hockt sie sonst den lieben langen Tag in einem Gebäude mit gut 400 anderen Lehrern (beängstigender Gedanke, oder?), da leistet ein straffes Umherirren bei starkem Schneefall nach 20 Uhr Körper und Geist sicher nützliche Dienste.

Sonntag, 10. Januar 2010

Draußen liegt die Welt in Fetzen, laßt uns drinnen Speck ansetzen! (Fritz Eckenga)


So sind F. und A. samt J. nun nach S. umgezogen. Alle Dinge wurden mißmutig in Kisten gepackt, unter Ächzen fünf Stockwerke nach unten getragen, paßgenau in den LKW gebastelt und bei starkem Schneetreiben 550 Kilometer durch Deutschland gekutscht. Vor Ort packte man das ganze Geraffel sogleich wieder aus, bohrte zahlreiche Löcher in Wände und staubsaugte viermal. Die Wohnung ist recht schön, doch stört die Tatsache, daß sich rundherum enorm viel Stuttgart befindet. F. fühlte sich viel wohler in einer Behausung, die von allen Seiten mit Dresden oder zumindest Sachsen umgeben war. Nun jedoch heißt es Baden-Württemberg er- und überleben. Beim zufälligen Mitanhören von Gesprächen in der Öffentlichkeit stellt sich F. jetzt regelmäßig die Frage: "Ist das ein Dialekt oder ein Akzent?" Spricht der beleibte, bildungsferne Bürger in der Schlange des Hornbachmarktes eine exotische Fremdsprache oder doch nur dialektal stark entstelltes Deutsch? Muß man wirklich alle fünf Vokale und drei Umlaute der deutschen Sprache in die Artikulation des Ausdruckes 'Einsneunundneunzig' quetschen? Geht das nicht auch klarer? Anscheinend nicht.
Als F.s Vater in bestem Sächsisch Brötchen kaufen gehen wollte, prallten Welten aufeinander. Verständnislos blickte die Bäckereifachverkäuferin den guttural gurgelnden Mann an, der offenbar unter größten Schwierigkeiten versuchte, seine Bestellung hervorzupressen. Genauso irritiert vernahm der Sachse die seltsame Botschaft der Schwäbin und schlußendlich beschränkte man sich auf Zeichensprache. So soll es F. aber nicht ergehen. Große Mühe wird sie sich geben, durch klarer Worte Klang ihrem Anliegen eine leicht verständliche Stimme zu verleihen; aus unendlicher Langmut soll ihr Geist gemeißelt sein, wenn ihr Ohr die Äußerungen des Gegenübers in Empfang nimmt! Die Kommunikation wird beispiellos sanft dahinmäandern!
Ebenfalls sanft, dafür aber in großen Mengen fiel während der letzten Tage der Schnee. Die neuen Gassigehgebiete, allen voran der Wald rund um den Frauenkopf, wurden deswegen ganz in weiß erstbegangen. Um diesen Wald zu erreichen, muß jedes Mal ein recht langes 'Stäffele' bestiegen werden. Dabei handelt es sich um eine Art Trimm-Dich-Pfad mit etlichen zu überwindenden Höhenmetern und Treppen, die der Figur gut tun sollen.
Unglücklicherweise hat F. in den letzten drei Wochen durch Krankheit mehrere Kilogramm Gewicht eingebüßt und kann solch sportliche Einlagen gar nicht gebrauchen. So stand sie dann auch bei der ersten Treppenbegehung total unterzuckert am Abstieg und schaffte es nur mit Müh' und Not ins schützende Heim. Dem werten Leser und der werten Leserin, die an dieser Stelle schon den Zeigefinger heben und sagen wollen, daß es schrecklich nervt, wenn dünne Menschen lamentieren, daß sie nie zunehmen und Zitat "essen können, was immer sie möchten ohne anzusetzen" wird ohne Umschweife Recht gegeben. Jener schreckliche Brauch geht tatsächlich allen auf den Keks, vorallem weil er meistens von Menschen gepflegt wird, die in Wirklichkeit essen wie die Spatzen und nur vorgeben, einen tollen Stoffwechsel zu haben. Hier ist das aber ganz und gar anders. F.s Magen erweist sich nämlich als viel zu klein für all die Massen an Nahrung, die sie zu sich nehmen müßte, um das verlorene Gewicht wieder an ihrem Körper begrüßen zu dürfen. Drum ißt sie den lieben langen Tag fleißig, damit ständig verbrannt und umgesetzt werden kann. Sogar sonntags wird gegessen, was das Zeug hält. Wenn dann aber eine blöde Treppe in der wundervoll hügeligen Stuttgarter Landschaft herumsteht, darf mit gutem Gewissen Zorn aufsteigen! Schließlich zappelt F. sonst schon andauernd durch die Gegend. Stillsitzen müßte sie, tagein tagaus!
Dafür wird morgen Zeit sein, denn morgen findet die Beamtenvereidigung statt. Zehn Stunden lang wird vereidigt und dienstbesprochen. F. hofft zwar, daß nur tolle und hochinteressante Dinge behandelt werden, die Wirklichkeit sieht aber bestimmt genau andersherum aus. Ob Langeweile auch Kalorien verbrennt?

Sonntag, 20. Dezember 2009

Weiterbildung in der Sauna

Letztens besuchten A. und F. zur Stärkung der Abwehrkräfte und aus purer Lebenslust abends um acht Uhr die Sauna. Die anderen Insassen des Etablissments bestanden aus circa 30 Männern und nur fünf Frauen (A. und F. schon mit eingerechnet), obwohl an jenem Tage - wie auch an den meisten anderen Tagen in deutschen Saunen - eindeutig gemischtes Schwitzen vorgesehen war. F. fragte sich, warum hier demografisch gesehen ein solches Ungleichgewicht herrschte. Männer schwitzen ja sowieso meistens viel schneller als Frauen. Sie könnten also genauso einfach daheim bleiben und die Heizung auf fünf stellen. Dann würden aber auch nicht mehr Frauen in die Sauna gehen, man säße mit drei anderen Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts und zwei unschwitzigen Männern gelangweilt beim 90° Kräuteraufguß und die Einrichtung müßte bald schließen. Deswegen bleibt die Heizung zuhause brav bei zweieinhalb und 30 Typen aalen sich mit fünf Girls auf dem Holz. Ist ja auch nicht weiter schlimm, schließlich waren alle Männer wie erwartet in der Sauna ausnehmend nett und diskret, viel Platz in der Frauenumkleide gab es zudem.
F. war ebenfalls nett und diskret, verschaffte sich aber trotzdem einen Überblick über die primären Geschlechtsmerkmale der anwesenden Herren - nur zur Bereicherung des Allgemeinwissens natürlich. Soviele Penisse und Hoden sieht man schließlich nicht alle Tage. Dabei fiel ihr auf, daß man an den Hoden mancher Männer sehen kann, was auch in vielen Discounterfilialen zu beobachten ist: Ein nicht zu vernachlässigender Teil der Einkäufer erwirbt nur wenige Waren; sagen wir einen Kilo Äpfel, eine Packung Kekse und einen Liter Milch. Nun haben diese Menschen ab und an kein Einkaufsbehältnis an die Stätte der Transaktion verbracht und müssen eine PVC-Tragetasche erwerben. In vielen Supermarktfilialen gibt es jedoch nur ganz große Plastiktüten. Ergo kullert der Kleineinkauf lustig im großen Plastebeutel hin und her. Gerade so nun, wie die Äpfel samt restlichen Krimskrams sich in der Tüte wiegen, hingen die Hoden vieler Saunamänner im Hodensack. Kaum Einer hatte da den ganzen Wocheneinkauf für die vierköpfige Familie in eine Alditüte gebastelt. Nein, es ging eher zu wie beim Single, der nur schnell etwas vergessen hat.
Gut, daß man derartige Beobachtungen unbemerkt im eigenen Kopf behalten kann. F. möchte nicht wissen, mit welchen Behältnissen ihre Körperteile insgeheim verglichen wurden. Alditüten waren es aber sicher nicht.



P.S.: Heute gab es bei J. Lammpansen mit Ei. Hoden hat F. vor langer Zeit auch schon probiert zu füttern, den mochte J. aber nicht, obwohl die Tüte da schon weg war.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Chinesenfleisch ist tabu

F. wurde letztens von einer netten Person gefragt, warum Hunde bisweilen Leute beißen würden.  Da fiel der F. ein, daß sie die Antwort auf diese Frage zwar  im Prinzip weiß - soweit ein Mensch sie wissen kann - der Sachverhalt aber doch sehr schwer an Nichthundehalter weiterzuvermitteln ist. Deswegen müssen nun die Chinesen herhalten. Bevor wir aber zu denen kommen, ein paar kurze Anmerkungen:
  • Hunde haben keine Hände und können sich nur eingeschränkt verbal äußern. Sind sie also in einer Situation, die ihnen Ungemach bereitet, können sie weder fuchteln, noch schubsen. Als dem Durchschnittsmenschen verständliche Gesten bleiben Ihnen nur das Wegrennen, Knurren, Bellen, Schnappen, Beißen oder Unterwerfen. All die anderen subtilen Zeichen und Ausdrucksmittel bemerkt der unbedarfte Mensch - selbst dann wenn er selbst Hundehalter ist - meistens nicht. Blöderweise werden drei dieser fünf Verhaltensoptionen vom Menschen schon als aggressiv eingestuft und der Reigen möglicher Alternativen schrumpft auf ganze zwei akzeptable Mittel zusammen. Keine guten Karten für den Hund, das erkennt man selbst ohne große Stochastikbegabung.
  • Nicht der Hund ist am Dilemma schuld, sondern der Halter. Immer, immer, immer der Halter. Weil er ein Vollidiot ist (im schlimmsten Falle), weil er nicht vorausschauend handelt, sich nicht informiert hat, faul ist, kein Interesse zeigt, eigentlich gar keinen Hund haben sollte, einen schlechten Tag hatte, grad am Handy telefoniert, weil ihm das alles schlicht egal ist, etc., etc., pp.
  • Ein Hund ist kein Spielzeug und auch kein knuffiger Gefährte für die Kinder. Er wird den Nachwuchs nicht Rücksichtnahme und Nächstenliebe lehren. Sollten die Eltern diese Erziehungsziele nicht selbständig verwirklichen können, sind sie mit Sicherheit auch nicht dazu in der Lage, einen Hund zu führen.
  • Es ist vollkommen rille, wie groß der Hund ist. Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund. Vor dem Gassi ist nach dem Gassi. Eine Gassirunde hat 90 Minuten, oder 60 oder 30. 
Nun zu den Chinesen. Da Hunde eine gänzlich andere Sprache sprechen als wir Menschen, zieht F. als Vergleich nun die Chinesen hinzu, aber nicht irgendwelche Chinesen, sondern ganz besondere. Man stelle sich also vor, vor die chinesische Bevölkerung hätte in den letzten Jahrzehnten nicht auf minderjährige Möbelpolierer und Teppichknüpfer gesetzt, sondern wäre ins All gefahren. Dort hätten sie einen tollen Planeten gefunden und eine Kolonie gegründet, in der man noch viel viel günstiger Kinderarbeit zu niedrigen Löhnen betreiben kann. Nebenbei wären diese Raumfahrerchinesen durch die außerirdische Flora und Fauna auch grundlegend neu sozialisiert worden und hätten eine neuartige Version menschlicher Körpersprache entwickelt. Chinesisch sprächen sie natürlich weiterhin.
Nun verhandelt Neuchina ein Schüleraustauschabkommen mit Castropp-Rauxel. Einzelne chinesische Kinder sollen vorübergehend Urlaub bekommen vom Teppichknüpfen und Markenkleidungfälschen. Ein chinesisch-außerirdischer Junge gerät in eine deutsche Familie. Er kennt die Körpersprache nicht, seine Sprache wird nicht verstanden und er spricht die Sprache des Gastlandes nicht; sein Heimatland hat andere Bräuche und Lebensgewohnheiten als sein jetziger Aufenthaltsort. Er mag die Gastfamilie, ist sich aber nicht sicher, was diese von ihm erwartet. Gleichzeitig muß er auch an seine eigenen Bedürfnisse denken. Da die chinesisch-außerirdische Nation in Deutschland noch keinen Botschaft hat, weil der Wohnungsmarkt gerade völlig überlaufen ist, stehen dem Jungen auch keinen Beratung oder Hilfe zur Verfügung. Die Gasteltern sind sich der kulturellen Unterschiede nur bedingt bewußt. Eine schwierige Situation.
Ähnlich könnte man sich einen jungen Hund vorstellen, der in eine Menschenfamilie kommt. Auch er kann seine Menschen nicht verstehen, weil sie körperlich wie sprachlich eine vollkommen andere Sprache sprechen. Dabei wissen sie meist nicht um die Misere und behandeln den Hund wie eine stark vereinfachte, tierische Variante Mensch. Unbewußt überfordern (Bedrängen, Erschrecken, falsches Maßregeln) oder unterfordern  (keine ausreichende, hundegerechte Beschäftigung, Langeweile, Frustration, mangelnde Triebkontrolle) sie den Hund. In manchen Fällen kommt es auch zu starker körperlicher oder psychischer Misshandlung - so als hätte man den außerirdischen Chinesen in eine Gastfamilie von NPD-Anhängern in die Sächsische Schweiz geschickt. Seltener hat der Hund Schmerzen oder eine unerkannte Krankheit, die kritisches Verhalten nach sich ziehen.
All diese Komponenten können dazu führen, daß der Chinese seinen Schüleraustausch abbricht und lieber wieder für 50 Cent die Woche Möbel mit bloßen Händen in dunklen Kellern poliert. Der Hund hat diese Möglichkeit leider nicht, ihm bleibt nur ein lebenslanger Aufenthalt in der Gastfamilie.
F. findet den Vergleich von Hunden und Chinesen von anderen Planeten mittlerweile leicht befremdlich. Eine kleine Portion ungewollte Ironie steckt aber schon im Bildnis, wird Chinesen doch immer wieder vorgeworfen, sie würden Hunde verspeisen. Beim Gedanken an solcherlei Bräuche dreht sich dem ach so tierlieben Europäer der Magen um. Auch Pferde mag mancher nicht essen. F. wundert sich über derlei Gedankengut. Zwar würde sie statt eines Hundes niemals eine Kuh als Haustier halten und Gassi führen, findet letztere aber trotzdem nicht weniger sympathisch. In die angebotene Hundewurst würde sie aus diesem Grunde auch herzhaft beißen, vorausgesetzt das Fleisch stammte aus verantwortungsbewußter Biohaltung und gewisse ethische Grundsätze bei der Schlachtung wären berücksichtigt worden.
Chinesen - ob außerirdisch oder von sonstwo - würde F. aber niemals essen. Sie werden in viel zu großen Gruppen gehalten und unkontrolliert in Stadien erschossen. Vereinheitlichte Biosiegel sind hier nicht bekannt, also: Vorsicht!

Donnerstag, 19. November 2009

Tamara und Elisa finanzieren ihr Studium

Die F. ließ sich heute von professioneller Hand das Haar zurechtschneiden und sprach sich nebenbei mit dem Friseur über einen möglichen Werdegang zum Zuhälter aus. Welche Qualifikationen muß man mitbringen? Sind Gewaltbereitschaft, Migrantenhintergrund und körperliche Fitness ausreichend? Oder gehört auch ein gewisses Maß an Intelligenz zu den Berufsvoraussetzungen? Die Friseurlehröse, welche zur Zeit im Salon beschäftigt wird, schließt nach drei Jahren ihre berufliche Ausbildung ab, des Zuhälters Weg verläuft schlängelnd und wenig vereinheitlicht. Außerdem erfreut man sich großer Unbeliebtheit. Der Antipathiegrad eines Zuhälters kann sich mit Sicherheit locker mit dem des Polizisten oder Arbeitsamtangestellten messen. Zahlreiche Anschuldigungen muß man sich anhören, keiner mag einen. Frauenhäuser bringen einem großes Mißtrauen entgegen. Die Welt ist grau und ohne Freunde. Wo Polizisten jedoch bedauerlicherweise zu unrecht in der Ausübung ihrer Arbeit angefeindet werden und die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit die mangelnde Erziehung ihrer Kunden leider jeden Tag ausbaden müssen, kann den Zuhältern mit gutem Gewissen gar nicht genug Abscheu gezeigt werden. Sie sollten es sein, die beige Karottenhosen und häßliche Dienstmützen zu tragen verpflichtet sind, sie sollten pro Tag 200 verzweifelte, sozial abgestiegene Subjekte abservieren müssen! Der Welt Mißmut und Gram könnte Nützliches leisten, wenn er sich über die pomadenen Häupter der Zuhälter in üppigen Strömen ergöße! Die negative Energie, die in allen Bevölkerungsschichten tagein, tagaus gegen unschuldige Mitbürger verpufft, muß den Zuhälter wuchtig in seine hoffentlich durch böse Taten verkümmerten Genitalien treffen!
Senioren,  spart Euren Ärger gegen lärmende Kinder und die aufmüpfige Jugend und entsendet schauderhaft vibirierende Wellen gegen Zuhälter!
Junge Menschen, erzürnt Euch nicht über die immergleichen Frisuren der Senioren und klagt sie nicht an, weil sie immer beige, grau, olivgrün oder braun tragen - werft Euren Zorn auf die Zuhälter.
Hundehalter, wettert nicht gegen Radfahrer, weil diese zu schnell fahren und unachtsam sind; Radfahrer, beschimpft nicht die Hundebesitzer, weil sie ihre Tiere leinenlos laufen lassen - schickt Eure Flüche den Zuhältern!
Gesellschaft, knechte nicht die Frauen, weil sie in Deinen Augen zu wenig gebären und zuviel an ihre Karrieren denken - verurteile die Zuhälterschaft!
Menschen geboren vor 1995, denkt milde an den Musikgeschmack der jüngeren Generationen und ladet Eure Aggressionen auf die Zuhälter; Menschen geboren nach 1995, nehmt die Hosen aus den Socken und schreibt Petitionen an Kreuzberger Musikanten, auf das sie in den Krieg ziehen gegen die Zuhälter!
Ihr dünnen, gut rasierten Menschen, vergesst für kurze Zeit, daß die dicken, stark behaarten Menschen mehr Dreck verursachen und deswegen auch öfter putzen sollten - richtet Euren Groll stattdessen gegen den gnadenlosen Moloch der Zuhälterei, der jedem sanften Bürger ein Dornenbusch im Auge sein sollte!
Über 30.000 Einwohner brauchen trotz ihrer großen Zahl keine sexuellen Ventile, sondern sollten auf den Balkon gehen und eine DDR-Luftmatratze aufpusten, statt der Ausbeutung und dem Verlust der Menschenwürde zuzuarbeiten, indem sie in zweifelhaften Etablissements große Mengen an Vaseline verbrauchen. Die gesparte Vaseline wird hunderttausende wundgepusteter Lippen wieder glattbalsamieren und am nächsten Morgen erwacht man in einer besseren Welt.

Donnerstag, 5. November 2009

Tote Kastraten schreien wortlos nach Feuchtigkeit UND Lipiden

Cecilia Bartolli, Mezzosopranistin, wurde in der letzten Ausgabe der Brigitte gefragt, was sie "an kastrierten, toten Männern" fasziniere. Uns allen brannte jene Frage seit Monaten auf den gelmodellierten Fingernägeln, aber gerade die Brigitte zeigte Mut und sprach sich aus, wo eben noch eisiges Schweigen herrschte, prangerte an, wo Mißstände der Leserin bisweilen drückend die Luft zum Atmen nahmen. Dabei wurde die Schwere der mißlichen Lage kastrierter, toter Männer auch rhethorisch klar strukturiert: Diese Herren sind an oberster Stelle kastriert, in zweiter Linie erst tot. Liegt hier eine Wertung vor? Möchte die Brigitte andeuten, daß es schlimmer ist, kastriert, als tot zu sein? Oder handelt es sich um eine Kausalkette; sind die Männer dramatisch verstorben, weil sie mit schmutzigem Spritzbesteck im Séparé einer feministischen Fundamentalistinnenspelunke ihrer Triebknollen beraubt wurden? Darbten sie vor Kummer monatelang dahin, um schließlich vom Leben enttäuscht und gänzlich entmannt einsam zu sterben? Es könnte natürlich auch sein, daß all dies großer Humbug ist und die Adjektive ganz zufällig in ebenjener Reihenfolge dastehen. Die Männer verstarben, man bemächtigte sich ihrer Hoden, verhökerte diese auf dem chinesischen Schwarzmarkt für Suppen und Tinkturen und hatte statt Ideologie und Quälerei in Wirklichkeit nur Taler und Moneten im Sinn.

Frau Bartolli ist das total schnuppe, was die Brigitte so den lieben langen Tag zusammenschreibt. Sie antwortet nämlich ganz lapidar, an toten, kastrierten Männern fasziniere sie "alles". Eine sehr inklusive Einstellung, wie F. findet. Kann einen wirklich 'alles' an einer Sache faszinieren? Außerordentlich positive und lebensbejahende Gesellen können das sicher. Zu denen gehört F. aber nicht. Wenn sie so richtig inklusiv denkt, dann in Verbindung mit dem Verb 'stören'. Es kann einen zum Beispiel 'alles' an einem unsympathischen Menschen stören. Man steigert sich rein, man sucht nach Unrat im Wesen der üblen Person. Ist sie nicht doch etwas zu füllig, überqualifiziert, naiv? Kämmt sie ihr Haar auf bekrittelnswerte Weise? Sind die Klamotten ständig schmutzig oder zumindest geschmacklos und ist nicht ihr Lebensabschnittegefährte eine blöde Sau? Dieses Beispiel zeigt sehr anschaulich, daß mit dem Verb 'stören' so richtig was abgehen kann. Wer sich anständig gestört fühlt, braucht keinen Broterwerb, um den eigenen Kopf auf Trab zu halten. Sich-gestört-fühlen gibt es auch im Mehrspielermodus, zu zweit oder zu mehrt als Team, um Aggressionen abzubauen gar gegeneinander - dem Stören sind keine Grenzen gesetzt. Nicht nur Menschen können stören, auch Zustände haben ordentlich Potential.

Fast jede zweite Frau über 45 neigt zum Beispiel laut Dr.Wolff unter akuter Scheidentrockenheit. Zu Recht ballen also beinahe 50% der Frauen zornig ihre Fäuste in die Lüfte und fühlen sich von zuviel Trockenheit im Schritt massiv gestört. Anders als der private Groll gehen Herrn Schulz von nebenan stellt das so erschreckend häufige Leiden der Scheidentrockenheit ein ernsthaftes Problem dar. Jeder leidet auf seine Weise. Wessen Vagina reibt, der wird sein Leben kaum zusätzlich mit unnützem Geplänkel belasten. Viel zuviel Energie kostet das Wettern über den eigenen Körper, als daß einem noch schöne Verwünschungen gegen die lästigen Mitbürger einfallen würden. Die hungernden Kinder in Afrika scheren sich schließlich auch kaum um den überhängenden Kirschbaum des Nachbarn. Natürlich auch der Tatsache wegen, daß es in Afrika total selten Vorgärten mit Kirschbäumen gibt, weil die Ziegen da zum Fressen gar nicht herankommen würden.

Den scheidentrockenen Frauen kann mittlerweile geholfen werden. Die Vagisan(R) FeuchtCreme bietet Feuchtigkeit UND pflegende Lipide und kann in der Apotheke sogar wortlos erstanden werden. Linderung naht also mit großen Schritten herbei.



"Apotheker und Apothekerinnen wissen [bei Vorlage des Coupons], dass Sie eine Packung Vagisan(R) FeuchtCreme kaufen möchten." So beschrieben soll also der intime Kauf ohne Worte funktionieren. Oh traurige Welt, in der trockene Scheiden stumm über Papierstückchen kuriert werden, weil der Mitmensch sich durch die Terminologie gestört fühlt! Wortreich sollten die Kranken an den Apothekenschalter treten können! Blitzschnell soll es wieder flutschen, damit mehr Zeit bleibt zur Pflege des Griesgrams. Nur das gut geölte Genital läßt dem Träger und der Trägerin Raum für persönlichen Ärger.