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Freitag, 5. August 2011

Was ist hier falsch?

Schon oft gesehen, diesmal hier links auf Foto festgehalten!
Die Lösung sieht man schneller, wenn das Bild durch anklicken nochmals vergrößert wurde. Antworten bitte per Meinungsbekundung unten notieren.

Und mal ehrlich, wer hat den gleichen Schmonz auch schon verzapft? F. passierte es bereits mindestens einmal an einem geistig umnachteten Tag.

Freitag, 15. Juli 2011

Die kack Menschen sollen nicht so schnarchen, wenn ich zwitschere

Manche erwachsene Menschen haben eine solche Angst vor Hunden, daß sie dem Hundehalter selbst ein freundschaftliches Zusammentreffen im Freien am Grill verderben können. Obwohl der Hund brav Essen in Augenhöhe ignoriert, zumeist einen Meter Abstand von den anwesenden, befreundeten Leuten hält und niemals bettelt oder sich gar aufdrängt, wird er nie als gut erzogen wahrgenommen. Der Angstempfinder ignoriert nicht, sondern erwartet vom Tier weit mehr Beherrschung, als er selbst je aufbringen könnte. 
Er starrt den Hund ununterbrochen misstrauisch an, wird aber sofort hektisch, wenn dieser aus der Entfernung auch mal zurückschaut. Nicht nur den Angsthasen darf der Hund nicht anschauen, auch seine Tasche muß vor den Blicken des Tieres verschont bleiben, sonst fängt der Mensch umgehend an zu meckern. Sämtliche Lautäußerungen des Hundes, ob aus Freude, Neugier oder Überraschung werden als bedrohlich empfunden, auch wenn sie weit entfernt stattfinden.
Wie kommt es soweit?
Daß der Ängstliche bei fremden Hunden so reagiert, kann F. zwar nicht verstehen, sich aber besser im Kopf zurechtrücken. Nun handelt es sich jedoch nicht um ein fremdes Tier, sondern eines, das man schon mehrmals in friedlicher Aktion traf und die J. ist ja nun wahrlich nicht aufdringlich oder angsteinflößend.
Deshalb nun der endgültige Entschluß: Mit solchen Leuten wollen A. und F. nichts zu tun haben. Gern scharen sie haufenweise Menschen um sich, die Hunde nicht richtig toll finden und deswegen so geflissentlich ignorieren, wie J. das meistens von sich aus tut. Niemand muß das Tier mögen. Aber eine derartige Torheit und Dämlichkeit kann schwerlich akzeptiert werden. Selbst ohne Hund möchte man  nicht ihre Existenz mit der eigenen Anwesenheit erhellen. Leute, die sich so von Tieren entfernt haben, daß sie sie noch nicht einmal dulden können, verdienen keine Gesellschaft. Sie sollen allein versauern und sich mit Gleichgesinnten treffen, die ähnlich verzaubert durchs Leben bräsen. Das wäre dann auch schon Strafe genug.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Blöd, aber wahr

Viele Dinge auf der Welt sind total blöd, aber trotzdem absolut wahr. Zum Beispiel hängen für die Landtagswahlen gerade überall Plakate von FDP-Kandidat Michael Marquardt in der Gegend herum. Schriebe man nun in großen Lettern 'Mein Nachname ist doof.' auf die Poster, wäre das eine blöde Idee obendrein mit subjektivem Schnickschnackdenken garniert. Wahr ist es aber dennoch: Marquardt klingt wie ein unleckeres Stück germanischer Blockschokolade mit niedrigem Kakaoanteil. Ein staubiger Schokoquader mit 't' hinten dran, nach dessen Genuß jeder sofort ein Glas Flüssigkeit trinken möchte - sogar wenn ausschließlich 100%iger Orangensaft im Hause ist, welcher bekanntlich direkt nach dem Verzehr von Schokolade besonders eklig schmeckt. Genauso hört sich das an! 
Manche Namen haben ihre ganz eigenen Techniken, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Eine entfernt existierende weibliche Person heißt beispielweise 'Fotini'. In F.s Kopf formt sich unverzüglich das Bild einer lang verschollenen, unglaublich schwer herzustellenden sizilianischen Pastasorte mit ganz vielen Drehungen im Doppelhelixdesign. Für Menschen scheint der Name gänzlich ungeeignet. Mehr Fälle von dieser Sorte begegnen einem in der Schule: Kinder mit Migrationshintergrund heißen, als hätte der Vati kurz vor der Geburt in seinem Dönerladen auf die Speisekarte gelunst und dann der Mutter aufgetragen, das Kindlein 'irgendwie so' zu nennen. Das liest sich jetzt grenzrassistisch, muß jedoch genauso festgestellt werden. Blöd, aber wahr.
In den Todesanzeigen der evangelischen Gemeinderundschrift, die jeden Monat pünktlich A.s und F.s Briefkasten erreicht, fand sich letztens eine 91jährige Frau Hannelore Dettner geborene Detner. Was wird die sich nach der Heirat gedacht haben? 'Zum Glück muß ich nie mehr meinen Namen buchstabieren, jetzt, da ich endlich ein zweites 't' habe,' eventuell? Oder hat sie herzhaft gelacht über die kleinen Ironien des Lebens und über das komische Gefühl, das Wort Ironie in der Mehrzahl zu benutzen? Naja, fragen kann sie keiner mehr, denn Frau Dettner ist tot. Deswegen bleibt auch ungeklärt, ob sie sich aus Humorlosigkeit oder Pragmatismus gegen einen Doppelnamen entschieden hat. Wahrscheinlich war beides zu 50% der Grund.
Zum Schluß noch eine kleine Anmerkung ganz anderer Natur: Das Honda Autohaus M. aus Ettlingen-Bruchhausen  braucht ähnlich lang, einen Garantiefall abzuwickeln, wie ein Legastheniker benötigen dürfte, um den Namen der eben genannten Stadt fehlerfrei 100mal in ein unliniertes Heft zu schreiben. Ewig ewig ewig lange. 17 Anrufe, Nachfragen, Diskussionen und Labberrhabarber muß man tätigen, um beim schleimbeuteligen Chef endlich zum Ziel zu gelangen. Genau der Chef, dessen Stimme wie aus einem Pornofilm der Siebzigerjahre klingt: Ein Schuß reibeisig mit ganz viel Öl und abgerundeten Konsonanten. Blöd, aber wahr.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Wenn der Taube den Blinden führt

Gerade eben kamen A., F. und S. mit den Hunden J. und Sa. (lethargischer Labrador) vom Grillen in der Schreberanlage zurück. Man hatte Käse und Hühnchen auf dem Einweggrill gebrutzelt und sich den Sonnenuntergang angeschaut. Auf dem Rückweg zum Auto dämmerte es schon leicht und Equipment wurde in einer Klappkiste bergabwärts getragen, als plötzlich ein Mischling, kleiner noch als J., wild bellend angerannt kam. J. ging natürlich sofort dazwischen und verjagte den impertinenten Angreifer, der sich nach zwei heftigen Warnungen auch fiepend ins Gebüsch flüchtete. Irgendwann kam dann die Besitzerin hinterher, einen weiteren Hund im Schlepptau. Nach einer kurzen Entschuldigung gingen alle weiter; nur der kleine Mischling, der immer noch lautstark bellte, setzte nach und ehe F. es sich versah, hatte er sie von hinten durch die Hose in die Wade gebissen. 
'Der ist aus'm Tierheim', meinte die inkompetente Besitzerin, die schon wieder 20 Meter ohne ihren kläffenden Hund weitergegangen war, auf F.s Fluchen hin nur hilflos. Als ob das eine gute Erklärung dafür wäre, daß man seinen Hund nicht schon nach der ersten Bellattacke auf Menschen per Leine unter Kontrolle bringt (oder dies zumindest versucht). F. ist ja gar nicht zimperlich - eine fremde Person mal aus Versehen vor lauter Schreck im Dunkeln anzubellen - dafür bringt sie Verständnis auf. Wenn das Bellen dann aber nicht aufhört und der Hund es klar auf den Menschen und nicht auf die anderen Hunde abgesehen hat, sollte man als Halter jedoch einschreiten.
Die kleine Mischlingskröte hatte glücklicherweise nicht mit voller Kraft durch die Hose hindurch gebissen, es blutete nur ganz leicht und wurde halt einfach blau. Eher ein Zwicker, als ein handfester Biss. Und dennoch: wäre es ein kleineres Kind statt F.s 1,72m gewesen, hätte in derselben Höhe gut erreichbar eine kleine Hand gebaumelt - ohne den Schutz einer Hose und sehr viel fragiler, als F.s speckige Wade.
Der Lethargo-Labrador Sa. hatte zu der ganzen Episode übrigens gar nichts zu sagen. So sind sie, die schnarchnasigen Retriever. Auf J. hingegen ist gerade im Dunkeln Verlaß. Braver Hund!

Mittwoch, 9. Juni 2010

Der kann ja nicht mal einer Amsel nen BlueRay-Player verkaufen.

Liebes Blog,
gestern und heute war F. krank und mußte zuhause bleiben. Kein Schuldienst, kein Lehrerseminar, stattdessen Schwindelanfälle und langweiliges Abhängen in geschlossenen Räumen. Während draußen bis zu 30°C herrschten, blieb die kühle Wohngrotte bei angenehmen 24 Grädern, fast ein bißchen kalt für F.s Geschmack. Aber brave Kranke sitzen die ganze Zeit daheim und profitieren überhaupt nicht vom schmucken Wetterklimbim, herrjemine! F. wäre allerdings auch in keinem Zustand gewesen, durchs Viertel zu flanieren, da sie schon innerhalb der Kemenate alle Nase lang mit den Türrahmen kollidierte - so arg spielte ihr das Gleichgewicht Streiche. 
Dafür hatte sie genug Zeit, auf dem Balkon zu sitzen und A.s Pflänzchen vor der blöden Amselkuh zu beschützen, die ständig in den Kästen rumturnt und wühlenderweise irgendetwas sucht. Auf F.s Rat hin hängte A. am Wochenende schon jede Menge CDs an Stricken quer über den Balkon, um die Amselkuh das Fürchten zu lehren. Leider zeigte dies nicht den gewünschten Effekt. Die Amselkuh wühlte munter weiter. Wahrscheinlich wunderte sie sich sogar, warum die doofen Menschen ihren Wohnbereich mit leeren Rohlingen dekorierten und hätte auch glatt ein paar CDs eingesteckt, wenn sie nicht vor kurzem auf BlueRay umgestiegen wäre, damit die Amselfamilie ihr tolles Abendprogramm in HD genießen kann. Bei der Amselfamilie sieht es im Wohnzimmer übrigens genauso unwohnlich aus, wie in den meisten deutschen Menschenwohnzimmern: alle Möbel sind sklavisch nach dem Fernsehgerät ausgerichtet. Würden die Leute nicht so entsetzlich viel Fernsehen schauen, könnte man glatt meinen, sie besäßen das Gerät nur, damit sie wissen, in welche Richtung die Sitzgarnitur zeigen soll. Ohne Fernseher fehlte das Epizentrum der Wohnstube, welch grausiges Szenario! Also kaufen alle bei Saturn oder im Mediamarkt von komplett inkompetenten Servicemitarbeiter plakativ beschriebene Flachbildschirme, hängen oder stellen sie in massive Schrankwände oder auf Abstelltische mit Glastür und benutzen sie dann natürlich auch (wo sie doch einmal da sind). Verständlich.
Über das grandiose Halbwissen der Elekrogroßmarktmitarbeiter wollte F. schon seit längerem mal richtig abbitchen. Diese Tölpel! Diese Hochstapler! Hätte man etwa schon von Blumenfachverkäufern gehört, die Rosen nicht von Gerbera unterscheiden können? Oder würden bei DHL Typen ohne Fahrerlaubnis eingestellt? Natürlich nicht! Und dennoch besitzen Saturn und Co. die Impertinenz, Menschen zu beschäftigen die keine Ahnung von Videospielen haben oder nicht wissen, wie man einen MP3-Player bedient.  Stumpfe Grobiane, die noch nie einen PC von innen gesehen haben! Zurückgebliebene Germanen der Elektronik, durch den Limes der Großmarktpolitik unüberwindbar getrennt von den Fakten der modernen Technik.
Ahh, das tat gut. Die Gesundung rückt in greifbare Nähe und demnächst wird F. einen dieser Plastikraben kaufen und neben die CDs auf der Balkonbrüstung platzieren. Mal sehen, was die Amselkuh dann macht. 

Samstag, 27. Februar 2010

Warnung vor dem Fische!

Viele Menschen haben sogenannte Wachhunde und damit kein Besucher erschrickt, hängen sie ein 'Vorsicht Hund!' oder auch 'Achtung, freilaufender Hund!' Schildchen ans Gartentor, um Einbrecher und Postboten gleichermaßen vor den schrecklichen Bestien zu warnen.
F. hätte auch gern solch einen Hund, aber momentan gibt es da nur J. Die hat so gar keine Beschützerqualitäten, also braucht es auch kein Schild. Unglücklicherweise besteht damit jedoch die Gefahr eines ungeahndeten Einbruchs. Mitglieder verwerflicher Bevölkerungsgruppen mit rassistischem Einschlag würden das in F.s Wohnlage als besonders schlimm empfinden, da sie in einem Stadtteil mit hohem Ausländeranteil wohnt. Eines der größten Hobbys von Menschen mit Migrationshintergrund soll schließlich sein, sich das Hab und Gut anderer Leute - vornehmlich unbescholtener, hart arbeitender Deutscher - unter die unmanikürten Nägel zu reißen. Befände ein solcher ausländerfeindlicher Mensch sich in F.s Position, bräuchte er neben J. auch noch einen fleischfressenden Dinosaurier, um die Wohnung adäquat bewacht zu wissen.
Es ist nun aber eine Wonne festzustellen, daß F. dem Rassismus nicht nur nicht nahe steht, sondern ihm auch freudigen Blickes spitze, schwere und stumpfe, noch schwerere Gegenstände ins Genicke werfen würde, wenn er eine Person aus Fleisch und Blut wäre. Isser aber nicht. Rassismus ist ein Konzept, eine Idee, eine Schande auf dem Angesicht des sonst durchschnittlich sehr ansehnlichen Planeten. Man kann ihm nicht einfach mal so eins auf den Deckel hauen und der Typ lernt dann seine Lektion. Rassismus ist viel unbequemer beizukommen, als zum Beispiel einem schurkigen Siebtklässler, der immer seine Hausaufgaben vergißt. Wo F. dem Siebtklässler in der Regel ganz klassisch zehn Schläge mit der Rute auf die Finger haut, daß es pfeffert, kann sie in Sachen Rassismus nur bei sich selbst aufpassen und darum hoffen, daß andere Leute ähnlich vernünftige Ideen haben. Mit gutem Beispiel vorangehen und die Augen offenhalten!
Aus diesem Grunde schafft F. sich in Kürze keinen übertriebenen Raubsaurier an ,um das traute Heim zu bewachen, sondern hat sich für einen friedlichen Riemenfisch entschieden. Der besitzt zwar keine Zähne, wird aber bis zu elf Meter lang und kann etwaige Invasoren prima im Ganzen verschlucken. Sie plant, die gesamte Wohnung bis auf ein Zimmer für den Hund in ihrer Abwesenheit mit Wasser zu füllen. So kann der Riemenfisch optimal patroullieren. Öffnet ein - wahrscheinlich deutscher - Einbrecher unbefugterweise die Tür, fließt zwar das gesamte Wasser aus der Wohnung und der arme Wachfisch erstickt, durch den Todeskampf setzt das Hirn des gepeinigten Tieres aber auch Adrenalin frei, was es aggressiver werden läßt. In den letzten Sekunden seines Lebens würde der Riemenfisch den Dieb mit Haut und Haar verschlingen! Herd und Laptop, Kosmetikartikel und Wertgegenstände wären in Sicherheit! 
Natürlich müßte man nach jedem erfolgreich abgewehrten Einbruch einen neuen Riemenfisch aus der Tiefsee besorgen... da aber noch niemals eingebrochen wurde, spielt dieses Risiko kaum eine Rolle. F. läßt nächste Woche gleich das neue Schild für die Tür anfertigen: 'Warnung vor dem Riemenfisch!'

Montag, 26. Oktober 2009

VolkeroderGünther erklärt Lanzarote

Lanzarote wird auch die Feuerinsel genannt und um Feuerinseln zu besichtigen, muß man 6:45 Uhr am Nachbarhotel bereitstehen. Der deutsche Reiseführer im Bus heißt Volker oder Günther und erlaubt sich gleich in den ersten 20 Minuten – während der Fahrt zum Fuerteventuraer Hafen – randausländerfeindliche Kommentare zur spanischen Mentalität und der verkommenen Selbständigkeit der Jugend. Ist ja auch völlig unverständlich, daß die Eltern ihre Kinder nicht die 5km bis zur Grundschule an der 4spurigen Autobahn entlangradeln lassen wollen. Früher hätte es SOWAS nicht gegeben.
Im Bus hängen an den Fenstern kleine geraffte Vorhänge in azurblau. Neben einem solchen sitzend stellt F. fest: Der Vorhang baumelt ihr immer ins Gesicht und riecht höchst unangenehm. Aber obwohl er so stinkt, würde F. seine schattenspendende Wirkung natürlich nie verschmähen und ihn sogleich brav zuziehen, wenn die Sonne grimmig zum Fenster hereinbrütete. Die durch das Zuziehen stark vergrößerte Oberfläche könnte ihren Geruch dann noch effizienter verteilen, aber wenigstens wäre man vor unbarmherzigen UV-Strahlen geschützt. An diesem Sachverhalt sieht man, daß bereits die simple Gefahr von Hautkrebs und Netzhautablösung ein Innehalten und Umdenken gegenüber schlecht gepflegten Einrichtungsgegenständen bewirkt. Die Benutzerin blickt sogleich tief ins gutmeinende Seelenleben des Vorhangs und erkennt seine wahren Werte.
Genauso sollte es den Leuten bei übergewichtigen Menschen gehen. Allzu oft noch hört man Bösewichte Unkreatives über den kugelrunden Tischnachbarn raunen. Jeden Bissen mißgönnt der spargelige Kritiker dem dicken Miturlauber, bei Kindern wird doppelt so hart mit der imaginären Faust auf den Tisch gehauen. Auch F. nutzte früher viele Kunstgriffe der Dickenschmähung, erkannte jedoch ihr Irren und reduzierte diese unwitzigen Ausgeburten erst drastisch und dann endgültig bis fast auf Null, nachdem sie drei Wochen unfreiwillig den endlosen Geschmacklosigkeiten ihr bekannter Menschen ausgesetzt war. Ab und an ein Witz über eine 150kg Frau ist okay, genauso wie gelegentliches, aufgeklärtes Lachen über Roberto Blanco oder Witze auf Kosten hungernder/kranker/ungeimpfter Kinder und Kampflesben. Auch über häßliche Tiere darf man lachen. Der Dauerbeschuß Vollschlanker ist jedoch ungefähr so sinnvoll, wie das regelmäßige Hochwürgen vorverdauter Speisen: Funktioniert bei Greifvögeln mit Nachwuchs ganz gut, ist aber für Menschen nichts. Ob die Vogeleltern ihren Freifahrtsschein nutzen und deswegen durchgehend Witze über dicke Artgenossen oder Nilpferde machen, bleibt wieder einmal verborgen. Sie segeln aber auch immer so hoch, daß sogar ganz fette Tiere viel schlanker wirken. Gut möglich also, daß es den wilden Fliegerichen gar nicht extra auffällt und unkommentiert bleibt. Zugvögel hingegen tratschen ganz sicher über die anderen Tiere. Die Armen sind ewig unterwegs und haben zwischendurch fast nichts zu tun. Verständlich, daß einem da der eine oder andere Kalauer herausrutscht.
Aber zurück zu den Menschen. Selbst der ärgste Dickenwitzereißer wird im Angesicht der Gefahr nicht die Hilfe eines übergewichtigen Menschen verschmähen. Der Prüfling, welcher stark verspätet aus der S-Bahn springt, wird sein Examen nicht sausen lassen, weil der Taxifahrer eine fette Qualle ist. Die panische Frau im brennenden Haus wirft mit Freuden ihr gefährdetes Baby dem pummeligen Feuerwehrmann entgegen. Auch eine Prostituierte kurz vor ihrem Vorstellungsgespräch im Edelbordell wird kaum aus Ekel vor den Pfunden der Nagelstudiosa schreiend und mit angeknabberten Fingernägeln das Etablissement verlassen. Ist Not am schlanken Menschen, wendet dieser sich gern dem dicken Helfer zu. Dementsprechend sollte man auch die eigenen verbalen Entgleisungen überdenken.
Der eben geschriebene Abschnitt enthielt übrigens eine Falle. Wer diese nicht bemerkte und es versäumte, jäh zeternd aufzuspringen, um den Mißstand anzuprangern, soll mit großer Verachtung bestraft werden. Ist's der werten Leserin und dem werten Leser nicht aufgefallen? Es wurden Berufe verwendet, die noch immer auf höchst unschöne Weise dem Joch der Geschlechtsstereotypen unterworfen sind. Feuerwehrmann, Taxifahrer, Prostituierte. Die Reiseführerin wäre eigentlich auch ein gutes Beispiel, würde der vielwissende Lanzaroteguide VolkeroderGünther dem nicht tatkräftig entgegenwirken. Führer, die kompetent große Wissensmengen anhäufen, sind in der gängigen Vorstellung eher männlich. Männer führen einfach besser – allerdings nur, wenn es um gewaltfreie Auslandsaufenthalte geht. Wer bei Nacht und Nebel in Polen einmarschiert, mag zwar an sich faktisch viel auf dem Kasten haben, eignet sich aber ansonsten nur für schäbige und verheerende Dinge wie Weltkriege und Massenmördertum. Hitler war schon als deutscher Führer ein Desaster, als Lanzaroteführer möchte man sich ihn gar nicht erst vorstellen.
VolkeroderGünther hingegen machte zwar ausnahmslos schlechte Witze, wußte aber über Lanzarote jede Menge sehr interessanter Dinge zu erzählen. Die Insel hat einen ganz außergewöhnlichen Nationalpark, in dem das Ausmaß der 1730 bis 1736 stattfindenden Vulkanausbrüche beschaut werden kann. Riesige Krater, zu ewigem Pudding erstarrtes Gestein und weite Trümmerfelder auf einer haarsträubend engen Busroute – das fand F. wirklich toll. Am Ende des Tages resümierte sie, daß es sich sehr gelohnt hatte, im Morgengrauen aufzustehen. Fotos von der Vulkanlandschaft hat sie aber keine gemacht. Wo man live einen imposanten Krater sieht, zeigt das Foto am Ende nur ein kluftiges Loch. Deswegen quälte sie ihre 4GB Speicherkarte nicht mit hunderten Bildern, die durch salzig-verschmierte Busfenster über sorgsam frisierte Köpfe hinweg geschossen wurden, sondern trägt die Erinnerungen genauso ewiglich im Herzen, wie sie den muffigen Vorhanggeruch in der Nase behält. Beides zusammen ergibt Lanzarote, die Feuerinsel im Atlantik.

Freitag, 24. Juli 2009

10 von 10 Leuten sind sich einig: Wir sind uns einig!

F.s kreative Säfte enthalten zur Zeit viel Fruchtfleisch, so daß die Beiträge nicht durch den Trinkhalm passen. Es bleibt immer die Hälfte in kleinen Klumpen unten am Halm hängen. Das liegt daran, daß auch J. droht, in kleinen Klumpen in Montreal hängenzubleiben, was F. und A. große Sorgen bereitet. Hier eine Aufstellung der Ereignisse:
  1. Januar 2009: F. ruft bei AirCanada an, um ihren ursprünglich auf Februar gelegten Flug mit Reservierung für J. auf ein anderes Datum zu verlegen. Sie fragt den AirCanada Mitarbeiter extra, ob die Umbuchung auf Ende Juli auch für den Hund in Ordnung gehe. Jener bejaht und schickt F. eine Bestätigung zu.
  2. 20. Juli 2009: A. ruft bei AirCanada an, um nur schnell routinemäßig zu klären, ob mit Flug und Reservierung alles in Ordnung ist. Die AirCanadamitarbeiterin erklärt ihr, daß die Reservierung hinfällig sei und der Hund aufgrund des Sommerembargos vom 20. Juni bis 2. September nicht transportiert werden könne. A. entfährt ein "Was?!". Die AC-Schlenze legt einfach auf.
  3. 21. Juli 2009: F. ruft bei AirCanada an, um die Angelegenheit zu klären. Der Mitarbeiter erklärt ihr, daß ihm die Reservierung egal sei und legt auf.
  4. Mit A., die per British Airways über London nach Berlin fliegt, kann J. nicht fliegen, da GB unglaubliche strenge Durchreisebestimmungen für Tiere hat. Dafür ist es nun zu spät.
  5. A. und F. suchen händeringend nach einer Cargolösung. Es eröffnet sich die Möglichkeit KLM über Amsterdam nach Berlin. Eine neue Box zwei (!) Nummern größer muß gekauft werden, weil allen Fluggesellschaften außer AirCanada die aktuelle Box zu klein ist. Daraufhin wird eine kleine Plastikturnhalle für J. angeschafft.
  6. Status der KLM Buchung am 24.Juli um 16 Uhr MESZ: in Arbeit. KLM muß die den Hund entgegennehmende Person kontaktieren und tut sich schwer mit dem Telefonat. F. sitzt wie auf Kohlen. Am 29. Juli soll der Hund mittags zum Flughafen gebracht werden.
  7. 24. Juli 16:20 Uhr: KLM Buchung bestätigt. Die Jagd nach den von KLM geforderten Dokumenten beginnt. J. wird aus der kleinen Plastikturnhalle gescheucht und ins Auto gepackt; es geht zum Tierarzt!
Fortsetzung folgt...

Freitag, 19. Juni 2009

Einmal mit Profis arbeiten...!

Schon wieder keine Bilder. Dafür der Preis der Autoreparatur: weil der Rohling X. in eine Rohlingsspindel der Gewalt geraten war und besonders heftig am Wischer gewürgt hatte, war nicht nur selbiger ab, sondern auch die Pivotvorrichtung darunter beschädigt worden. Deswegen belief sich der stolze Preis am Ende auf 340 Dollar (220 Euro). F. trachtet danach, dem Aggressor mit einer stumpfen Gabel die Beinchen abzuschneiden, um seinen Bewegungsradius im behindertenunfreundlichen Montreal drastisch zu reduzieren. Ja, richtig gelesen, mit einer Gabel! Jede einzelne Zinke sollte sich langsam durchs Gewebe des Mannes graben! Die Hände wären dann auch gleich noch mit dran, damit er den Rollstuhl nicht rollern könnte. Dafür würde F. dann aber einen Kaffeelöffel nehmen.
Die inkompetenten Neandertaler in der Werkstatt ersetzten nicht nur die fehlenden und kaputten Teile, sondern vergaßen auch gleich noch, den Schlauch der Wischerflüssigkeit wieder an den Tank anzuschließen bzw. rissen ein Stück davon ab. Natürlich bemerkten sie dies nicht (Lernen aus Fehlern also ausgeschloßen) und mußten erst von A. darauf hingewiesen werden, die sich wunderte, warum der Tank, den sie eben vollgefüllt hatte, gleich wieder leer lief. Ein Blick unter den Wagen klärte schnell das Problem.
Fazit: Ein bekloppter männlicher Typ benimmt sich daneben und versorgt so seine Geschlechtsgenoßen mit Verdienstmöglichkeiten. Der Kreislauf ist perfekt.

Perfekt war auch die Folge unglaublicher Ereignisse am Mittwoch auf F.s Arbeit. Vorinformation am Rande: nächste Woche Mittwoch begehen die Einwohner der Provinz den Nationalfeiertag Quebecs. Da F. bei den landesüblichen Feiertagen noch nicht so der Profi ist, fragte sie also ihre Chefin (gebürtige Polin), ob an jenem Tage arbeitsfrei wäre. Die Chefin bejahte dies und meinte, es handele sich schließlich um den Nationalfeiertag Quebecs. Verwundert rief F. aus, daß Quebec ja gar kein Land sei. Den hinter ihr sitzenden Quebecer erzürnte dieser laut ausgesprochene Fakt derart, daß er F. ein herzhaftes gerbrülltes "Fuck you!" (zu dt.: unsachliche, sehr vulgäre Beleidigung) entgegen schmetterte. Das ging ja mal noch, denn von jenem subversiven Subjekt konnte man wahrlich nichts Fruchtbareres erwarten. Der Knüller kam nach wenigen Sekunden Bedenkzeit; der Typ drehte sich erneut um und fügte hinzu, daß sein Land wenigstens keine Abermillionen Juden ermordet hätte. Ob dieser unangebrachten, der gegenwärtigen Situation keinerlei wertvolle Informationen hinzufügenden Bemerkung empörte sich F., deren tatsächliche Verantwortlichkeiten bezüglich des Holocaust aufgrund leichter zeitlicher Hindernisse doch eher gering ausfallen, in recht intensivem Maße. Den anwesenden Kollegen standen sowieso die Münder offen. Im Zuge F.s eingelegter Beschwerde wegen Diskriminierung wurde besagter Mensch innerhalb von zehn Minuten fristlos gekündigt und der Firmenhallen verwiesen.
Fazit Nummer zwei: Bisweilen funktionieren gewisse Prozeße auch in Quebec effizient.

Montag, 15. Juni 2009

Fiktive Beschreibung eines fast fiktiven Menschen

Dieser Beitrag handelt von Person X. Person X. ist männlich, Mitte 20 und hat in ihrem Leben wichtige, zu entscheidenden Reifeprozessen führende Informationen leider nur in homöopathischen Mengen genossen. Aus abwendenswertem Elternhaus stammend hatte X. schon in der Grundschule keine Freunde, dafür aber umso mehr Pickel, die jedoch nicht von seiner gnadenlos unmodischen Kleidung und dem starken Übergewicht ablenken konnten. Große Dummheit gepaart mit erhöhter Gewaltbereitschaft machten das Charmepaket komplett. Selbst die Lehrer halfen X. nicht gegen die Attacken der Mitschüler, da diese sehr berechtigt waren. Die starken gesichtsbezogenen Defizite verwuchsen sich mit zunehmendem Alter zu sonderbarer Intensität. Nach einem rekordverdächtig schlechten Schulzeugnis arbeitete X. 50 Nachtschichtstunden pro Woche im langweiligsten Fließbandjob der Welt und faltete tagein tagaus Slipeinlagenkartons im grellen Neonlicht eines unbeheizten Fabrikgebäudes. Von vermögenswirksamen Leistungen und Krankenversicherung sprechen wir lieber nicht. Seine Wohnung war klein und feucht, dabei schlecht eingerichtet und aufgrund persönlicher Vorlieben extrem unsauber. Zu sexuellen Handlungen war es zum Vorteil aller potentiellen Beteiligten niemals gekommen.
X.ens Freizeitprogramm bestand in der Regel aus lauwarmen Mikrowellenmahlzeiten im Scheine entsetzlicher Unterschichtenfernsehsendungen und gelegentlichen Sauftouren durch die Montrealer Innenstadt. Dabei walzte er seinen unansehnlichen Körper gestern Nacht durch eine Nebenstraße unweit des Stadtzentrums und passierte eine Reihe am Straßenrand geparkter Wagen. In unberechtigter Verzweiflung und einem ekligen Potpourri anderer schlechter Gefühle schwelgend stieg Aggression im Körper des misslungenen Wesens empor! Es streckte seine fettige Hand aus und riss mit großer Wut den linken Scheibenwischer eines weinroten Oldsmobile Cutlass Cruiser SL V6 Kombi (Besitzerinnen: F. und A.) samt Blatt und Wischerarm vom schmucken Wagen ab, verbog beides bis zur Unkenntlichkeit und warf es 20 Meter weiter in den Rinnstein.
Zwar widerfuhr dem Wesen X. keine unmittelbare Strafe, sein weiter langsam dahinmäanderndes Leben soll jedoch Bezahlung genug für diese gräßliche Handlung sein! Möge X. sich zu den ohnehin auf schmerzenden Hüften wabernden 50kg Übergewicht weitere 30 in Folge der Unzufriedenheit über die eigenen breitgefächerten Unzulänglichkeiten anfressen! Möge das Fernsehprogramm so schlecht werden, daß selbst X. vollkommen gelangweilt vor dem Bildschirm in die Mikrowellenmahlzeit sabbert! Mögen kreisrunder Haarausfall am Kopf und Yetihaarwuchs am restlichen Körper in den nächsten Jahren mit Siebenmeilenstiefeln voranschreiten! Möge X.ens Supermarktkassenschlange immer die längste sein und seine Geldkarte in acht von zehn Fällen nicht funktionieren! Möge sein Klopapier immer grad alle und der Heißwasserboiler ständig leer sein! Wehe wehe wehe!

Donnerstag, 11. Juni 2009

Das Leben ist ein zorniges Wurstbrot

Nach neun Monaten Aufenthalt in Montreal hat Dauermäklerin F. beschloßen, in einer ausgedehnten Denksitzung die positiven Aspekte Quebecs zusammenzutragen. Nach mehrtägigem Brüten fielen ihr diese Dinge ein:
  • Es gibt zahlreiche wohlschmeckende, zuckerfreie und damit zahnfreundliche Limonadesorten, z.B. zuckerfreie Litschi-, Preiselbeer-, Granatapfel-, Limetten-, Kirsch-, Erdbeer-, Trauben-, Zitronen- und Ingwerlimonade zu tollen Preisen (45 Cent pro Liter). Diese werden von den Einheimischen verschmäht, weil sie nicht dick machen.
  • Die Straßen sind in der Regel doppelt so breit wie in Deutschland, ebenso die Parkplätze. Selbst F. flutscht hier die Fünfmeterkutsche in unter zehn Zügen in jede Lücke.
  • Die Menschen räumen (fast) immer den Kot ihrer Hunde weg, in (fast) allen Parks, Naherholungsgebieten und auf sonstigen Grünflächen. Auf dem Gehweg liegt NIE Hundekacke. F.s Schuhprofil bleibt verhältnismäßig geruchsneutral.
  • Schneegarantie im Winter: mindestens drei Monate lang gibt es eine geschlossene Schneedecke.
Außerhalb Quebecs ist die Kundenfreundlichkeit in jeglichen Läden und Geschäften erstklassig. Dinge umtauschen ohne Kassenzettel? Kein Problem! Die Einkäufe werden einem eingepackt und bis zum Auto getragen, Verkäufer sind (beinahe) immer freundlich, man umwirbt den Kunden.
Soweit zur mageren Ausbeute der positiven Aspekte. Zwei studierte deutsche Menschen marterten ihre Hirne und fanden doch keine weiteren guten Punkte. Dafür aber jede Menge blöde/schlechte/nervige Seiten Quebecs:
  • Die Straßen sind zwar breit, aber entsetzlich in Stand gehalten. Auch hier scheint der arthritiskranke, einhändige Riese, der schon F.s und A.s Bad flieste, als Straßenbauarbeiter am Werk gewesen zu sein. Die Beschilderung ist extraschlecht, damit verzweifelte Einwanderer oder Touristen nie wieder den Weg zurück ins Heimatland finden und auf immerdar in Quebec bleiben müssen. Spuren enden ohne Vorwarnung, Ausfahrtshinweise werden drei Meter vor der jeweiligen Ausfahrt platziert und Entfernungsangaben kennt man kaum. Quebecer müssen keine Fahrschule machen, um den Führerschein zu bekommen, sondern nur eine Prüfung in einem selbstgewählten (!) Fahrzeug absolvieren. Die meisten wählen einen Panzer, vergessen dann später im Straßenverkehr aber, daß sie jetzt in einem normalen Kraftwagen sitzen.
  • Die (französischsprachigen) Menschen sind unfreundlich, unsozial, distanziert und feindselig. Sie mögen keine englischsprachigen Menschen (die im Lande durchaus beheimatet sind), keine Ausländer und auch keine anderen französischsprachigen Individuen. Vorallem aber mögen sie keine anderen Quebecer. Persönlicher Austausch ist unerwünscht. Der/die normale, Bekanntschaften suchende Europäer(in) fühlt sich regelmäßig wie ein(e) verrückte(r) Stalker(in), nur weil er/sie versucht, eine(n) Quebecer(in) zum Kaffee zu treffen.
  • Essen ist teuer. Zwei Liter Milch kosten fünf Dollar, ein Kilo vom billigsten Käse 25 Dollar, eine Dose Pulvercappuccino acht Dollar. Deswegen sind die Quebecer etwas weniger dick, als ihre nordamerikanischen Nachbarn und fühlen sich diesen überlegen.
  • Quebecer denken, ihre Provinz hätte einen starken europäischen Anstrich, was nicht stimmt. Gleichzeitig finden sie Europa doof. Nordamerika auch. Weil die Stadt Montreal drei U-Bahn- und zwei Dutzend Buslinien auf 1,6 Millionen Einwohner hat, denken die Leute, sie wären umweltfreundlich. Autos mit 25 Liter Verbrauch sieht man aber dennoch an jeder Ecke. Die Stadt verlassen, um in umliegende Grüngebiete zu kommen, ist ohne KFZ nicht möglich.
An dieser Stelle mußte F. aufhören nachzudenken, sonst wären ihre Halsadern armesdick angeschwollen. Zur eigenen Beruhigung ging sie eine Runde mit dem Hund spazieren und kam auf dem Weg zum Park (10km) an 26 Ampeln vorbei, die alle per Zufall willkürlich eingestellt wurden und in keinster Weise aufeinander abgestimmt waren, weswegen sie an 14 dieser Ampeln anhalten mußte. Rückzu natürlich nochmal dasselbe Spektakel. Sie nahm sich vor, auf der nächsten Fahrt in einem Anfall ungezähmter Zerstörungswut jede rote Ampel mit einer großen Säge umzusägen. Dieses Vorhaben scheiterte am Mangel an qualitativ hochwertigen Sägen. Argh.

Mittwoch, 22. April 2009

Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz und Ignoranz ist von allen Seiten häßlich

Um kurz nach halb zwei giekste es F. heut an der rechten Brust. Sie saß grad am Nintendo DS und testete ein Vorschullernspiel. Ein Griff ans betreffende Organ machte sofort klar: BH kaputt. Oh schlimmer Tag, an dem der Metallbügel des Büstenhalters den Stoff durchstößt und die junge Haut des nichtsahnenden Mädchens malträtiert! Auf der Toilette fummelte F. den blöden Bügel heraus. Während die rechte Brust nun fast bis zum Boden hängt, sitzt die linke noch voll okay im dafür vorgesehenen Körbchen. 50% tolle Busenperformance müssen zu Zeiten der allgemeinen Rezession ausreichen. Eventuell kann man das beschädigte Kleidungsstück ja auch auf links drehen, sodaß jeden Tag eine andere Brust hängt. Das Bindegewebe wird es F. danken.

F. wiederum würde es manchen Mitmenschen in Montréal ungemein danken, wenn sie sich nicht immer an komische Dinge erinnerten, sobald sie erfahren haben, daß man aus Deutschland komme. Dann könnte man sich folgende Dialoge sparen:


Dialog A
Person über 70: "Ach, Sie sind aus Deutschland? Ja, ich erinnere mich noch gut an den Krieg..."
F.: "Mhm. Ich hab auch schonmal davon gehört."
P. ü. 70: "Das war schon so eine Sache damals, nicht."
F.: "Stimmt, ich sehe es noch vor mir, als wäre es gestern gewesen."

Dialog B
Portugiesischer Kühlschrankreparateur fortgeschrittenen Alters: "Deutschland? Bist Du ein Nazi? *schmunzelschmunzellach*"
F.: "Ja."
P. K. f. A.: "Wirklich? Ich dachte das hätte sich gegeben. Naja, ist ja auch verständlich, ich kann auch keine Ausländer leiden."

Dialog C
Intellektuell unterentwickelte Kollegin: "Barack Obama ist auf Facebook (Freundenetzwerk im Internet, Anm. d. Autorin). Den hätte ich gern in meiner Freundesliste. F. wen hättest Du gern in deiner Freundesliste? Hitler?"
F.: "Den hätte ich nicht gern in meiner Liste, den habe ich schon in meiner Liste. Zusammen mit Leni Riefenstahl und Dr. Josef Mengele."
I. u. K.: "Ist der nicht schon lange tot?"
F.: "Nee, das denken nur immer alle. Der ist 120 Jahre alt, aber noch rüstig, lebt im Jerusalemer Untergrund und kann sogar SMS schreiben. Den erkennt nur keiner, weil seine Haare jetzt weiß sind und er den Arm nicht mehr hoch kriegt. Da machen die Gelenke nicht mehr so mit."
I. u. K.: "Also meine Oma kann nicht mal mit dem Handy telefonieren. Und die ist viel jünger."

Diese Gespräche fanden wirklich statt und wurden nur ganz leicht verfremdet. Außer dem Krieg gibt es noch weitere unwahre Annahmen über F.s Eigenschaften als deutsche Person: Zwar hat F. durchaus blonde Haare, der Rest der recht überschaubaren deutschen Bevölkerung bestreitet sein Leben erstaunlicherweise aber auch mit rotem, braunem oder schwarzem Schopfe. Nur weil F. aus Deutschland ist, heißt das auch noch lange nicht, daß sie sich besonders für Autos interessierte oder gar Ahnung davon hätte. Was sie mit Sicherheit weiß, ist nur, daß amerikanische Autos mit großer Wahrscheinlichkeit scheiße sind und 20 Liter Benzin auf 100km verbrauchen. Dieses Wissen hat aber fast jeder Mensch auf Erden.

Erfahren die lieben Nordamerikaner gar noch, daß F. aus Ostdeutschland komme, setzt sofort Bestürzung ein und man bemitleidet sie aufgrund ihres entbehrungsreichen Lebens. Daraufhin fragt man nach, ob es in der ehemaligen DDR mittlerweile überall Strom gäbe. F. erzählt dann gerne, daß sie sich die ersten sechs Jahre ihres Lebens gar nicht waschen konnte und an ihr immer eine kleine rote Flagge befestigt wurde, wenn sie das Haus verließ. Bereitwillig glaubt die Zuhörerschaft dies und nickt einfühlsam die Stirn runzelnd.
Demnächst plant F., den kaputten BH in dieses Szenario mit einfließen zu lassen. Sie wird den Menschen erklären, daß es in Ostdeutschland bei Frauen Tradition sei, die rechte Brust hängend zu tragen, um durch die hoch und straff getragene linke Brust symbolisch darzustellen, daß die linke Seite des politischen Idealismus der rechten auch in Sachen Attraktivität überlegen ist. Männer tragen auch irgendetwas links, aber da man in der ehemaligen DDR in Arbeitslagern nach Geschlechtern getrennt aufwächst, weiß F. nicht ganz genau, wie das bei denen aussieht oder heißt.



Mittwoch, 15. April 2009

Wie riecht eigentlich Stinktiersekret?

Oben stehende Frage wollte F. schon immer mal beantwortet haben. Unglücklicherweise überschlugen sich heute Abend beim Joggen im abgelegenen Inselpark die Ereignisse und sie durfte diese facettenreiche Erinnerung in den mittelgroßen Stapel ihrer Lebenserfahrung einsortieren. Es geschah Folgendes:
Man fuhr auf den Inselparkplatz der St. Hélène und erwischte einen Waschbären dabei, wie er mit dem Oberkörper halb in der Mülltonne steckend den Abfall nach leckeren Resten durchsuchte. Das Auto scheuchte ihn auf, man entlud den Hund und joggte los. Unterwegs im dunklen Park an jeder Ecke Waschbären, die auf Bäume flüchteten, aber J. war an der 5-Meter-Leine und hielt sich vorbildlich. Hier und da das eine oder andere neugierige Stinktier, um das ein großer Bogen gelaufen wurde. Man begegnete dem Überwachungsdienst, angenehme Temperatur, schöne Strecke, alles super, als plötzlich ein Stinktier direkt am Wegesrand saß. So schnell konnte F. gar nicht reagieren, da ging J. kurz mal gucken, der Skunk hob den Schwanz, F. rief J., J. kam auch gleich weiter und F. und A. dachten noch gaaanz kurz, es wäre alles gut gegangen.
Dann rochen sie ES. Ein abartig scharfer Geruch, wie angebratene Zwiebeln mit Knoblauch (nur 100mal stärker) vermischt mit penetrantem Raubtiergeruch. J. stank hundserbärmlich!!! Das Geschirr, ihr Leuchthalsband, die Leine, der ganze Hund - alles konnte man noch 30 Meter hinter ihr deutlich riechen. Einmal den Leinenkarabiner angefasst, um die Leine zu lösen und das Tier in den Fluß zu schicken und die Finger stanken genauso ekelhaft! Nach dem Bad im Fluß wurde der Geruch durch das Wasser nur noch schlimmer.
J. schien das alles gar nicht zu stören. Falls sie merkte, daß sie wie eine bösartige Kampfgasbrigade roch, störte es sie zumindest überhaupt nicht. F. vermutete, daß sie bei jedem neuen Stinktier ohne Weiteres wieder schauen gehen würde.
Man lief also weiter zum Auto und versuchte, den Hund auf Abstand zu halten, Körperkontakt tabu! Dann stellte sich schon die nächste Frage: Wie das miefende Viech im Auto transportieren, ohne selbiges unverkäuflich zu machen? Ruckzuck holte man alle Decken aus der guten Plastikbox und schickte den Hund - nachfolgend nur noch Würgegeruchbombe genannt - hinein. Sofort erfüllte der tränentreibende Gestank den Wagen. Mit sämtlichen Fenster ganz heruntergekurbelt fuhr man nach Hause. An einer roten Ampel rochen die Passanten ganz genau, was den Insassen wohl passiert sein mußte und es wurde gelacht. Schön, daß noch jemand die Situation lustig fand.
Die Würgegeruchbombe wurde von F. sofort ins Bad bugsiert. Wie aber jetzt die WGB in die Wanne heben, ohne sie anzufassen? F. band ein altes Handtuch unter ihren Bauch und faßte vorn mit zwei Fingern ans Geschirr, um sie sanft hineinzusetzen. A. befragte das Internet nach Hausmittelchen, da Tomatensaft bekanntlich NICHT wirkt, auch wenn man dies überall erzählt bekommt. Hier das ultimative Rezept, dessen Zutaten sich wunderbarerweise alle in der Wohnung befanden (Der Herr sei gepriesen!):
  • 1 Eßlöffel Aufwaschmittel (Fit o.Ä.)
  • 250ml Wasserstoffperoxid (3%ige Lösung)
  • 60g Backpulver (Natriumbicarbonat)
Damit wurde die Würgegeruchbombe eingerieben, während A. ihr zu Beruhigung Wienerwurststücke fütterte. Geschirr, Leuchthalsband und Leine brauchten dieselbe Behandlung. Es wirkte Wunder! Der Gestank verschwand sofort! Einzig die Hundebox steht noch müffelnd auf der Terrasse und wartet auf ihre morgige Reinigung, da das Wasserstoffperoxid dann zur Neige ging.
Nach dem vierten Vollbad ihres Lebens war die ehemalige Würgegeruchbombe etwas beleidigt und sehr zerzaust.
Welch ein aufregendes Abenteuer, daß sich hoffentlich nicht wiederholen wird. Und wieder wurde eine klaffende Wissenslücke mit dem heilsamen Balsam der praktischen Erfahrung am eigenen Leibe geschlossen!

Dienstag, 14. April 2009

Tausche zweimal Tierequälen gegen einmal im Teich baden

Vorgestern fuhren F., A. und J. ein zweites Mal in den Naturpark Pointe-aux-Prairies, bei dem es sich in Wirklichkeit einfach um ein kleines Wäldchen handelt. Wäldchen klingt aber wohl zu banal, deswegen heißt der Flecken Erde halt Naturpark. Man startete um drei recht spät, da es vorher noch eine Roststelle am Gefährt zu verarzten gab.
F. - in ihrem unendlichen handwerklichen Geschick - schmirgelte losen Rost ab, vertraute blind auf den am Lacksprühdosendeckel angegebenen Rotton und sprühte munter drauf los. Nun sieht der Wagen von einer Seite aus, als wäre er entwedervon jugendlichen Vandalen oder einem farbenblinden Hobbylackierer attackiert worden. Das Rot ist nämlich eher ein dunkles Orange und paßt nicht mal ansatzweise zum feschen Bordeauxrot des Straßenkreuzers. Statt wie sonst mit stolz erhobenem Haupt den Automatikschalthebel zu betätigen, fährt F.s Ego nun arg geprellt im weinroten Plüschsitz spazieren. Demnächst wird neue Farbe gekauft, deren Deckel hoffentlich nicht wieder ein mieser Lügner ist. Den 80jährigen chinesischen Senioren, die in Nachtschichten für drei Cent die Stunde 16 Stunden am Tag Lackdosendeckel per Hand mit ganz kleinen Pinseln in unzureichend beleuchteten Kellergruften anmalen, um ihre Rente aufzubessern, wünscht F. zwar keine Kürzung ihrer mitternächtlichen, unbezahlten 5-Minutenpause, dafür aber noch kleinere Pinsel - ungefähr von der Größe, wie sie in den Malen-nach-Zahlen Sets enthalten sind. Natürlich trifft die Chinesen an sich gar keine Schuld, aber wenn F.s Auto leiden muß, sind rabiate Maßnahmen angebracht.

Mit dem Vandalenkreuzer kam man also 16:00 Uhr am Park an, der weit abseits der ohnehin nur dürftig zivilisierten kanadischen Stadt liegt. Die Öffnungszeiten von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang sind reichlich bemessen und man wog sich in der Annahme, noch drei schöne Stunden spazierengehend zu verbringen. Nach anderthalb Stunden vergnügten Laufens brauste jedoch laut hupend ein Parküberwachungsauto heran, dessen Fahrer F. und A. mit finsterem Gesicht mitteilte, daß der Park wohl schon bis zum Sonnenuntergang geöffnet sei - der Parkplatz allerdings nur bis halb fünf. Welchen Sinn dies haben soll, wo man doch ohne Auto niemals zum Park gelangen kann und weit und breit keine andere Parkmöglichkeit existiert, das wird traurigerweise auf immerdar vor dem Auge der Logik verborgen bleiben. Das ärgerliche Männchen schärfte den drei Spaziermädels ein, auf schnellstem Wege zurückzulaufen und rollte von dannen.
A., F. und J. tippelten also rasch zum Auto zurück und fanden unter dem Scheibenwischer folgenden schönen Zettel:Für alle armen Menschen, die des Französischen nicht mächtig sind, ein kurzer Auszug auf Deutsch:
  • Im Park mit unangeleintem Hund oder einer Leine >2m spazierengehen. - 75$
  • Hundekot nicht sofort hygienisch entfernen. - 75$
  • Mit Hund in Teile des Parkes gehen, die für Hunde verboten sind. - 75$ (Anm. v. F.: Hunde sind auf bestimmten Wegen ganz verboten.)
  • Betreten des Parks mit mehr als einem Hund. - 75$
  • Den Hund in einem Gewässer baden lassen. - 75$
  • Ein Wildtier verletzen, quälen, fangen oder füttern. - 42$
  • Fischen an verbotenen Stellen. - 42$
  • Aktivitäten nachgehen, die im Park nicht angeboten werden. - 42$
  • Nach dem Schließen des Parkplatzes um 16:30 Uhr ein Auto auf selbigem parken. - 42$
Alle Vergehen, die mit einem Hund zu tun haben, sind fast doppelt so teuer, wie die restlichen kriminellen Dinge. Besonders besorgt ist F., daß man zum Preis von zwei gequälten/verletzten Wildtieren auch einmal den Hund in den Teich hüpfen lassen kann. Eine Portion Tierequälen wird demnach als weniger verwerflich eingestuft, als der im Tümpel watende Hund. Was unter "Aktivitäten, die im Park nicht angeboten werden" zu verstehen ist, bleibt unklar. Sollte man also wirklich für's Federballspielen (wird nicht angeboten) auf der Wiese 42$ zahlen müssen? Und wenn man sich einen Billardtisch mitbringt und eine Runde Pool spielt, kostet das genauso? Oder sollten nicht jugendfreie Handlungen gemeint sein? Sex und Drogenhandel werden im Naturpark schließlich auch nicht angeboten. Stuhlgang und Urinablassen für Menschen hingegen wird angeboten, jedoch nur an dafür vorgesehenen Stellen. Pullern im Gebüsch kostet also auch.
F., A. und J. jedenfalls haben sich an diesem Tage gleich mehrerer Dinge schuldig gemacht; sie haben
  • den Hund zeitweise ohne Leine laufen gelassen und eine Leine benutzt, die länger als 2m war - 75$
  • den Hund im Teich baden lassen - 75$
  • mit Hund Wege betreten, die für Hunde ganz verboten sind - 75$
  • ins Gebüsch gepullert - 42$
  • das Auto nach 16:30 Uhr geparkt - 42$
Macht zusammen 309$ - ein teurer Ausflug. Zum Glück wurden die Missetäter aber nur beim späten Parken (mit korrektem Parkzettel für 7$) erwischt und zum Glück ist der Zettel auch nur eine Verwarnung, denn der Parkwächter selbst darf keine Strafzettel verteilen. Dazu muß er die Polizei rufen, was er aber in seiner Güte nicht tat. So kamen die subversiven Subjekte ein weiteres Mal ungeschoren davon. Hämisch kicherten sie über diesen Erfolg: Heute pullern sie in den Park und morgen erobern sie die ganze Welt!



Donnerstag, 12. März 2009

Mir ist kalt, ich hab Hunger, ich bin müde, ich hab Durst, wann sind wir da.

Die F. hat sich ja nun einige Zeit nicht gemeldet. Das liegt daran, daß die A. nicht im Lande ist, was die F. wiederum ihrer Muse beraubt. So etwas hat sicher schon Jede(r) erlebt: Man hat tolle Speisen, Zeit, Geld, schönes Wetter, Bücher, Entertainement-möglichkeiten, Internet, Shoppingmeile, menschliche Gesellschaft, Hund und noch alles Mögliche andere ausreichend zur Verfügung, kann aber nur den einen Satz wiederholt im wahlweise vakuum- oder knetgefüllten Kopfe zum Erklingen bringen:

Mir is' laaangweilig...!

Dann surft man ein bißchen unwillig im Netz, guckt was bei Wikipedia, geht mit dem Hund Gassi, wischt das Bad und guckt dreimal in den Kühlschrank, ohne etwas rauszunehmen, nur um sich dann wieder nölig auf die Couch zu fläzen mit dem erneuten Gedanken:

Maaaann, is' mir langweilig...

Anschließend macht man eine Liste mit 10 erledigungswürdigen Dingen, von denen am Ende nur eine Sache halb abgehakt werden kann, ißt etwas vollkommen Ungesundes, auf das man gar keinen Appetit hatte und a) surft weiter sinnlos im Internet b) schaut eine intellektbeleidigende Fernsehsendung oder c) bekommt einen Anruf von einer Person, mit der man schon sehr lange überhaupt nicht reden wollte. Danach ist der Tag rum und man ärgert sich, daß mal wieder nichts geworden ist.
Vielleicht geht es ja nur den (Achtung, unreflektierte Phrase:) jungen Leuten ab und an so - mit zunehmendem Alter (noch so ein Hautotbegriff) weiß man bestimmt einfach besser, mit der spärlich bemessenen Zeit des Lebens umzugehen. Für sehr wahrscheinlich hält die F. diese Vermutung aber nicht. Vielmehr tauschen manche Menschen im Laufe ihres Daseins die gelegentliche Herzensaussage des

Boah, ich hab heut auf GAR NICHTS Lust.

gegen ein dumpfes Gefühl der Dauermonotonie aus, das fortan den Alltag ausfüllt und doch leer läßt. Schließlich hat insgeheim sicher jede Seele hin und wieder einen absolut uninspirierten Tag - oder auch zwei. Dies zuzugeben degradiert deswegen nicht zwangsläufig zum Lebenserfahrungsgrünschnabel. Die F. stellt sich solche Tage gern als Anziehkrise des Tatendrangs vor. Der Tatendrang hibbelt nervös vor dem Kleiderschrank, in 5 Minuten steht die Mutti mit dem Auto auf dem Weg zum 77. Geburtstag der Großmutter hupend vor der Tür und die quälende Aussage erfüllt den Raum:

Ich hab ja überhaupt nichts Anzuziehen!

Dann probiert man panisch Oberteile durch, nur um alles verwurschtelt auf dem Bett liegenzulassen und am Ende genau das anzuhaben, was man ganz am Anfang ausgewählt, aber wieder verworfen hatte. Die am sehnlichsten gewünschte Hose ist immer gerade in der Wäsche. Obwohl man schon viel zu spät ist, ruft man wirr durch's Etablissement:

Ich muß noch meine Haare machen!

Vor Ort stellt man ernüchtert fest, daß das Outfit nicht das Richtige ist und der Pulli viel zu kurz, sodaß man selbigen dann den ganzen Abend immer wieder mit den Händen runterkneten und -zerren muß, bis der Rand unten ganz knittrig ist. Im selben Moment kommt die Tante Lore vorbeigerauscht und fragt mütterlich-ironisch, ob man denn kein Bügeleisen habe. Die Jugend von heute!
Solche Modedesaster erlebt der Tatendrang halt auch manchmal: Tage, an denen man alles unternehmen könnte, aber nichts tut - der Kleiderschrank ist randvoll, randvoll mit Nichtsanzuziehen. Abends geht man ins Bett und fühlt sich doof. Man vergißt, die Heizung zuzumachen und muß nochmal aufstehen. Danach hat man Durst, 30 Minuten später muß man auf's Klo und endlich im Bett liegend ist die Decke zu kurz. Am nächsten Morgen aber scheint alles wieder normal. Nochmal Glück gehabt.

Freitag, 20. Februar 2009

Am Ende meines Körpers von den Füßen ausgesehen

F.s Stirnfalten sind in letzter Zeit öfter gerunzelt, wenn sie sich versonnen vor dem Spiegel betrachtet. So selten dies vorkommt, muß sie doch mittlerweile eingestehen, daß ihre Haarpracht bedenkliche Länge annimmt, ohne die fachkundige Unterstützung eines Friseurs genossen zu haben. Bevor sich also eine Ökoschlenzenmatte bilden kann, muß gehandelt werden. Jedoch: dies gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn als A. vor einigen Wochen das Abenteuer Haareschneiden wagte, erfuhr sie während des Schneidprozesses gar Schreckliches! Die Friseurausbildung dauert in Kanada inklusive Theorie, Praxis und Prüfung gerade einmal sechs (in Ziffern 6) Monate (nicht Jahre). Dementsprechend ungelenk werkelte der scherenbewährte Jüngling dann auch an A.s Schopf herum, was sich 30 Minuten später in einem bemitleidenswert anzusehenden Pony manifestierte.
Aus diesem Grunde hat F. die Coiffeurophobie gepackt, die panische Angst vor dem Friseurbesuch. Bald schon sieht sie aus wie ein Yeti, konnte sich aber bisher nicht zur Exekution der eigenen Schönheit durchringen. Bis zur Rückkehr nach Deutschland verbleiben sechs Monate (wir erinnern uns, so lange braucht der einheimische Friseur für das Erlernen seines Handwerkes), das menschliche Haupthaar wächst circa 0,33mm pro Tag, also einen cm pro Monat. Mit angstverzerrten Gehirn stellt F. sich ihr Aussehen in einem halben Jahr vor. Sie wird einen Haargummi (ostdeutsch: Zopfhalter) käuflich erwerben und sich einen Schulmädchenzopf binden oder gar einen rosa Plastikhaarreifen verwenden müssen! Es schaudert ihr! F.s irrer Blick bewertet gedanklich jedes Friseurgeschäft an dem sie vorbeiläuft, um an der Aura der dort arbeitenden Menschen den ungefähren Inkompetenzgrad ablesen zu lernen. Wehe wehe! Sie weiß nun, wie Theo Weigel sich damals gefühlt haben muß, als er gezwungen war, sich auf Grund des Mangels an gut ausgebildeten Augenbrauenstutzern jahrelang das obere Gesichtshaar wachsen zu lassen, bis es aussah, als wären pelzige Säuger auf seiner Stirn verendet. Verständlich bleibt, daß F. keinesfalls aussehen möchte, als hätte ein Golden Retriever Welpe auf ihrem Kopf sein frühes Ende gefunden. Keine Macht dem Hippietum! Mit unordentlichen Frisuren droht auch der Drogenkonsum und wer Drogen nimmt, peppt sein Auto mit Unterbodenlicht und Tieferlegung auf und solche Leute wiederum sind unbestritten am untersten Ende der Gesellschaftsleiter angelangt und sollten von rechts wegen ununterbrochen finster angestarrt werden. F. als sehr unbescholtene Bürgerin möchte natürlich nicht so tief sinken.

Zwar nicht gesellschaftlich, aber doch in der Gunst ihrer Ehefrauen und -männer müssen diese armen Menschen zweifelsohne abgrundtief gesunken sein, wenn sie sich an einem Tage mit -15°C Außentemperatur tatsächlich genötigt sehen, in Kanus auf dem St. Lorenz Strom herumzupaddeln. Nur wer kein schönes Heim sein Eigen nennt, durchstößt freiwillig in Spezialkluft die Eisschollen des im Schnitt einen Kilometer breiten Flußes. Die Begegnung mit den verrückten Gesellen war recht seltsam. A., F. und J. standen am Ufer herum, als plötzlich kleine Punkte sichtbar wurden. Man rätselte, was das wohl sein mochte, bis die Kanuten näher ans Ufer kamen und kein Zweifel mehr bestand. Schnell wurde die Handykamera gezückt, während die Flußreisenden einen Snack einnahmen, um dann weiterzuschwimmen. Auf Grund ihrer eventuell schönen Frisuren nach ihrem Stammfriseur zu fragen, kam leider nicht in Frage, da die Herren Helme trugen.

Freitag, 6. Februar 2009

Die mit der doofen Nase, bitte Handzeichen geben!

Oben wird deutlich sichtbar, daß J. eine olle Schieletante ist und in mehrere Richtungen gleichzeitig schauen kann. F. hingegen hält ihren glasklaren Blick meist unverwandt dem Leben entgegengerichtet und steht mit der flatternden Fahne des Schicksals am Abgrund der Ereignisse. Dieser wölbte seine Tiefen heut besonders eindrucksvoll, als F.s Schönheit durch ein Mißgeschick stark eingeschränkt wurde: Ihre Nase ist ganz knubbelig angeschwollen. Diese optische Wertminderung hält hoffentlich nicht allzu lang vor. Natürlich war der Unfall zu 100% selbstverschuldet - F. hat noch niemanden Wehrlosen gefunden, auf den sie die Verantwortung hätte abschieben können. Und zwar geschah es wie folgt: F., A. und J. beschritten die Natur, als man beschloß, mal Faxen auf Kamera aufzunehmen. Gesagt getan, es entstand dieses Filmchen:


Toll, ne? Nicht so superduper war allerdings die Tatsache, daß J. beim zweiten Filmversuch mit ihrem knetigen Betonschädel genau an F.s sommersprossige Nase donnerte. F.s Contenance geriet im Angesicht der Schmerzen doch arg ins Wanken. Es spritzten Körpersäfte, Zähne wurden geknirscht. Erst später in der trauten Kemenate vor dem Spiegel entdeckte F. dann den entstellenden Nasenschaden.

Später traf man noch einen anderen Hund, der tatsächlich ohne Leine lief und spielen durfte:



Der Schnee war wieder recht tief.
J. sprang dennoch durch die Gegend.
*durchstart*
Hier nochmal F. am Abgrund der Ereignisse. Die Schicksalsfahne ist leider nicht mit im Bild, denn die hat das Foto gemacht, weil A. grad nicht konnte.

Sonntag, 1. Februar 2009

Sind sie relativ zufrieden oder sehr zufrieden?

Sonntagabendschicht von 17 bis 21 Uhr, erster Arbeitstag bei der LochimBauch GmbH.

Alle außer den Neuen kommen auf den letzten Drücker. Einführung in die Handhabung der Software für anderthalb Stunden an flimmernden 15 Zoll Monitoren von vor dem Krieg. In den Tastaturen klebt "Zeugs". Da das Callcenter aus über 100 (!) Plätzen besteht, die fast alle besetzt sind, herrscht ein ständiges Hintergrundgemurmel. Welche Art von Umfrage ist denn bitte so wichtig, daß die Regierung Kanadas eine Durchführung Sonntagabends anordnet? Nunja, denkt sich F., das kann heiter werden.

Die Umfrage heißt Alberta und richtet sich ausschließlich an Bewohner dieser Provinz. In einer 15minütigen Fragesession soll herausgefunden werden, wie wenig zufrieden die Albertaner mit ihrer Regierung sind. Es stellte sich heraus, daß sie sogar dermaßen unzufrieden sind, daß eine Umfrage für sie keine Option ist. Nach zweieinhalb Stunden am Telefon hat F. gerade mal einen Fragebogen vollständig, den eine 70jährige Frau mit Katze beantwortet hat.
Auszug aus dem Gespräch:
  • F.: Wo sehen Sie sich in 5 Jahren? Wie wird es Ihnen gehen? Besser, schlechter oder gleich?
  • Frau mit Katze: In 5 Jahren bin ich bestimmt tot.
  • F.: Gilt das als "besser" oder "schlechter"?
  • F.m.K.: Besser.
Alles muß sehr genau sein. Die Antwortenden dürfen nicht einfach sagen, daß sie "zufrieden" sind. Sie müssen unbedingt auswählen zwischen "relativ zufrieden" und "sehr zufrieden". Man kann auch nicht einfach mit etwas "übereinstimmen" - entweder man "stimmt ein bißchen überein" oder "vollkommen".
Nach 4 Stunden am Telefon wußte F. eines ganz genau: Dies war der blödeste Job des Universums. Im Auftrag der Regierung zuhause bei Leuten anrufen und ihnen die Zeit stehlen, dafür dann am Telefon zusätzlich angeschrien werden. Was will man mehr.

Glücklicherweise ruft F. nur am Wochenende in Privathaushalten an. Wochentags von 8 bis 12 werden Firmen in Deutschland belästigt. Herr Dr. Johann-Brechtholdt Müller von Taubich-Stein, Chef der Marketingabteilung von der Schnürsenkel-Gossefriemel GmbH hat aber keine 15 Minuten Zeit und Frau Annika-Elke Storkhahn-Zwetschge ist gerade in einem Meeting. Herr Marlik Kossepugel arbeitet schon seit Oktober nicht mehr hier und bei Pfundshubel und Söhne machen wir ja generell keine Umfragen mit. Frau Sonja Nathias ist grad zur Tür raus. Der Herr Koschfromm hat bis Freitag Urlaub. F. hört unzählige Warteschleifenmelodien in dreifacher Ausführung, komplett mit der in stark akzentbehaftetem Englisch von der Sekretärin aufgesprochenen Mitteilung, daß man doch auch eine Mail schicken könne. Juur coall is werie impoartent tuu ass! Manchmal setzt man auf Samba, bei Volkswagen klimpert ein fünftklassiger Keyboardkünstler und die Linda AG spielt Schlager.
Immerhin ist es weit weniger peinlich, Leute vom Arbeiten abzuhalten, als unbescholtenen Bürgern sonntags ihre Freizeit zu klauen. Dennoch bleibt als Fazit, daß berufsmäßige Belästigung im großen Stil nicht ganz F.s Temperament entspricht. Übergangsmäßig sicher auszuhalten, schließlich bieten sich innerhalb der nächsten Zeit hoffentlich noch weitere Möglichkeiten. Für 5 Monate allerdings eine absolute Horrorvision.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Waschanlagenpanik und behauchte Scheiben


Ein sehr stressiger Tag geht zur Neige. Das Tier trieb die sonst so sanftmütige F. heute fast in den Wahnsinn. Dazu muß noch schnell folgende, Vorgeschichte erzählt werden:
2 Wochen früher. A und F. kamen mit J. auf dem Rücksitz vom Spaziergang zurück und beschloßen spontan ob der entstellenden Dreckigkeit des Fahrzeuges, selbiges mal durch die Waschstraße zu fahren. Also wurde an der nächsten Tankstelle die Deluxewäsche gebucht und ins Waschanlagenlokal eingefahren. An den ruhig hinten sitzenden Hund dachte man nur nebenbei, F. freute sich viel zu sehr auf den Ritt durch die Wäsche. Eben jener Hund schob jedoch im eingeseiften Auto eine derartige Panik, wie A. und F. es noch nicht erlebt hatten. Wahnsinniges Hyperventilieren, Speicheln, Hecheln, Fiepsen, wilde Todesangst in den Augen, Leckerlieverweigerung (!). Aus der Waschanlage kommt man natürlich nicht so ohne Weiteres heraus und selbst danach beruhigte sich J. kein bißchen. Erst als man 10 Minuten später zuhause ankam und sie aus dem Auto ließ, wurde es besser. Seitdem (nicht sofort danach, erst einige Tage später) hechelt Madame nun ca. 5 Minuten nach Fahrtbeginn fiepsend vor sich hin. Bei jeder Fahrt. Normalerweise würde F. das einfach ignorieren, aber...
...heute ging das nicht. Bei dichtem Schneegestöber fuhr man zum Gassi los, Hund auf angestammtem Platze hechelnd. Nun kamen aber starkes Hecheln und Schneefall zusammen und die Lüftung schaffte es nicht mehr, die Frontscheibe vorm Beschlagen zu bewahren. Anhalten Downtown war natürlich nicht drin und es hätte ja auch nichts genützt - erfahrungsgemäß würde J.s Streßhechelei durch nichts aufzuhalten sein. Der Zustand nagte an F.s Nerven. Halb wahnsinnig kam sie am Park Angrignon an, verrichtete im tiefen Schnee stapfend den Spaziergang und fuhr dann mit links und rechts geöffneten Fenstern nach Hause, nur um noch in einen Stau zu geraten. Was für eine hitleröse Fahrt!

Montag, 19. Januar 2009

Warum einfach, wenn's auch doof geht

An alle Straßenexperten, hier der Grund für A.s, F.s und J.s fast 500$ Strafzettelsammelsurium:

Na, was heißt das nun? Darf man hier parken? Oder doch nicht?

Folgende Fakten enthält das anschauliche Schildchenteam:
  • Hier hört das generelle Parkverbot auf.
  • Hier fängt zusätzlich das spezielle Parkverbot an. Es gilt zwischen 9 und 23 Uhr für alle außer Leute mit Sonderparkausweis Nr. 41. Die dürfen dort immer parken. Menschen mit offiziellen Stadtfahrzeugen sind auch immer herzlich zum rechtmäßigen Parken eingeladen, ABER:
  • Auch offizielle Stadtfahrzeuge und Sektor 41 Menschen müssen ihr Auto in der "verbotenen Periode" wegfahren. Die verbotene Periode steht dann gaaanz oben: Dienstag und Freitag zwischen 9 und 17 Uhr.
Ist doch ganz einfach, oder? Kanada blieb wahrscheinlich nur deswegen so menschenleer, weil potentielle Immigranten von den Parkschildern abgeschreckt wurden und panisch schreiend heimwärts schwammen.

P.S.: Wenn Schnee liegt, wird es noch komplizierter, dann kommt nämlich ein extra Schild ran, das einem sagt, daß man da entweder gar nicht mehr, nur von 7 bis 19 Uhr oder von 19 bis 7 Uhr parken darf, weil das Räumauto kommt. Manchmal kommt es auch nicht, dann war das Sonderschild sinnlos. Hammer's jetze?