Freitag, 16. Januar 2009

Schwierige Situationen im Ausland - bitte hier anstellen!


A. und F. nehmen wirklich alles mit. Was wäre ein Auslandsaufenthalt auch ohne verzweifelte Situationen und Havarien am laufenden Band? Man würde sich glatt langweilen. Damit den Beiden dies auch ja nicht passiert, umgehen sie jedes Fettnäpfchen und springen direkt in die Fritteuse:

  • Auto tot nach 4 Tagen bei -21 bis -27°C? - Wir nehmen's mit!
  • Anderthalb Stunden im Auto ohne Heizung in der Schlange am Grenzübergang bei -15°C und beschlagenden Scheiben? - Wir nehmen's mit!
  • Am Wochenende alle Werkstätten geschlossen und keine Möglichkeit zur Reparatur? - Wir nehmen's mit!
  • Die Fensterscheibe der Terrassentür fällt bei arktischen Temperaturen fast aus dem Rahmen und hinterläßt einen nicht zu reparierenden, 4cm breiten Spalt? - Wir nehmen's mit!
  • In der Badewanne sitzen, Wasser nachlassen wollen und feststellen, daß kein heißes mehr da ist (obwohl wir keinen Boiler haben)? - Wir nehmen's mit!
  • Erfrierungen an Gesicht und Händen? - Wir nehmen's mit!
  • Jalousie der Mietwohnung fällt beim Versuch des Hochziehens vor lauter Schreck in Nichtfunkionalitätsstarre? - Wir nehmen's mit!
  • Waschbär bepinkelt sämtliche Müllsäcke, die auf der Terrasse lagern und man faßt aus Versehen rein, sodaß die Hände ewig nach wilder Libido duften? - Wir nehmen's mit!
  • Der Tiefkühlschrank geht kaputt und 10kg Fleisch vergammeln? - Wir nehmen's mit!
  • Der Schlüssel steckt noch im Zündschloß, als F. die Tür des Wagens 5km von zuhause entfernt zumacht? - Wir nehmen's mit!
  • Ein Eichhörnchen wird aus eigener Blödheit und suizidalem Verhalten vor den Augen dreier entsetzer Zeugen von J. auf Kommando F.s aus Versehen getötet? - Wir nehmen's mit!
  • Die Wohnungtemperatur geht nie über höchstens 19°C? - Wir nehmen's mit!

Weitere Vorschläge, Opfer alltäglicher Mißgeschicke zu werden bitte an: Franziska@da_mußte_ma_bißl_offpassen.de

Donnerstag, 8. Januar 2009

Nichtstun macht keine Schwielen an der Hand aber Beulen im Kopf

F. ist frustriert. Seit zwei Monaten sucht sie nun schon nach Arbeit und nur eine einzige der ganzen Firmen war so seriös, tatsächlich abzusagen. Diese steht unter deutschem Management. Eine weitere, amerikanische Firma schickt F. gerade durch einen aufwendigen Auswahlprozeß voller enthusiastischer Telefonate und langer Wartezeiten. Bisher hatte sie die Ehre, sich für folgende Stellen zu bewerben:

  1. Deutschlehrerin bei Berlitz Kanada
  2. Private Deutschlehrerin
  3. Videospieltesterin bei Volt
  4. Übersetzerin bei einer deutschen Firma
  5. Telefonistin für Kundenbetreuung eines Online Deutschlerndienstes
  6. Mitarbeiterin einer Hundesitterfirma
  7. Übersetzerin für Videospiele bei Bug-tracker
  8. Deutschlehrerin für Firmenkunden
  9. Vollzeit Fruchtzerschneiderin in einem Brunch-Restaurant
  10. Private Hundesitterin
  11. Hundegassitante in einem Gassiservice
  12. Das Bekleben von 2000 Visitenkarten einer Zahnarztpraxis mit kleinen künstlichen Zahnteilchen (weiß der Geier, warum die da drauf sollten).
  13. Vollzeitnachtschicht in einer Plastefirma, die in die Jobanzeige schreibt, "wenn man einen Lebenslauf habe, solle man diesen mitsenden". Es gibt also tatsächlich Personen OHNE Lebenslauf.
  14. und andere mehr...
  15. Fortsetzung folgt.

Keine dieser Firmen, außer der beiden oben schon genannten, hat sich jemals gemeldet. Auf telefonische Anfrage hin konnten auch keine Erfolge verbucht werden. Nicht einmal die Zahnarztpraxis war bereit, F. Zahnprothesenstücke mit kleinen Klebepunkten auf Visitenkarten kleben zu lassen.

Im Brunch-Restaurant werden die Ananas nun wahrscheinlich von HIV-positiven (Stichwort Schwulenviertel), unwissenden Stümpern auf ineffiziente Art und Weise geschlachtet. Kann Aids auch über Bananen übertragen werden? Die richtige Form hätten sie ja.

F. fühlt sich ungebraucht und es fehlen neue Ideen zum Bewerben. Außerdem sind offenbar alle Firmen von F.s Bewerbung so stark abgeschreckt, daß sie es nicht einmal schaffen, zurückzuschreiben. Vielleicht sind ihre Unterlagen für den nordamerikanischen Raum auch einfach zu seriös gestaltet. Es muß mehr Sex rein. Religiöse Einstellungen, patriotische Denkmuster.

Alles muß anders werden.

Samstag, 3. Januar 2009

6h für 200km und 1 Arbeitserlaubnis


Hat man den Antrag auf die kanadische Arbeitserlaubnis bewilligt bekommen, muß man zu einem Grenzübergang, um sich selbige ausstellen zu lassen. Ein Flughafen geht dafür nicht, denn das wäre zu einfach. Man muß schon 100km bis zur US-amerikanischen Grenze nach New York fahren, ausreisen und wieder in Kanada einreisen, um das Blättchen in den Paß geheftet zu bekommen.

An der Grenze in die USA wird man schon vor dem Grenzhäuschen im Auto fotografiert. Das Gespräch mit dem Beamten im Häuschen zeichnet die vernünftige Regierung per Video auf. Nachdem der erste Beamte die Pässe und den Brief über die Bewilligung der Arbeitserlaubnis in Kanada eingehend studiert hat, behält er diese ein (!) und ein zweiter eskortiert zu Fuß das Auto zu einem nahegelegenen, von 11 Polizeiautos umgebenen Parkplatz. Dort muß man seine Autoschlüssel abgeben und wird in das Grenzgebäude geführt, an dessen Eingang natürlich eine Wache steht.

Alle Beamten haben 9 Ledertäschchen an ihren Gürteln hängen, zusammen mit einer Handfeuerwaffe, einem Metallschlagstock und einer Metalltaschenlampe. Natürlich tragen alle kugelsichere Westen, die es erstaunlicherweise auch in Übergrößen zu geben scheint (die Beamten halten wohl nicht so viel von gesunder Ernährung und Sport). Man wird mit seinem Vornamen aufgerufen und muß den Grund für das Stören an der Grenze erklären. Dann werden Fingerabdrücke beider Hände genommen und Fotos der potentiellen Eindringlinge gemacht, damit schonmal Suchplakatvordrucke als PDF-Datei im FBI-Ordner gespeichert werden können. Man wird nach dem Wirken der eigenen Großeltern im zweiten Weltkrieg gefragt. Nee, Scherz. In Wirklichkeit wird man nur gefragt, ob man eine Axt mit sich führt.

Die ganze Prozedur findet wohlgemerkt statt, obwohl man ja gar nicht in die USA einreisen, sondern nur über die Grenze und schnell wieder zurück gehen möchte, um im kanadischen Immigrationsgebäude seine Arbeitserlaubnis ausgestellt zu bekommen.

Die US-amerikanischen Beamten sind aber nun einmal extra vorsichtig, schließlich müssen sie alle Terroristen der Welt abwehren, die natürlich sicher indirekt an der drohenden Pleite von Ford und GMC schuld sind. Was die Beamten in den vielen Ledertaschen an ihrem Gürtel verstaut haben, traute F. sich nicht zu fragen, aus Angst, dann mit erhobenen Händen breitbeinig an die Wand gestellt zu werden. Wahrscheinlich sind es nur Taschentücher und Lutschbonbons. Oder Handcreme. Bestimmt aber Pfefferspray, eine Liste beleidigender Wörter auf Arabisch, ein Zertifikat über mangelnde Bildung bezüglich internationaler Angelegenheiten, ein Zettel mit einer Argumentationskette und plausiblen Ausreden, die einem aus einer möglichen Anklage wegen Folter helfen könnten, ein Snickers und eine Fernsehfernbedienung.

Nach einer weiteren kurzen Wartezeit bekommt man einen Zettel, auf dem steht, daß die Einreise in die USA verweigert wurde. Dabei wollte man ja gar nicht einreisen. Ein jähzorniger Beamter führt einen dann wieder "nach Kanada" zurück. Das Aufbegehren gegen Zollbeamte ist übrigens eine Straftat und keine Ordnungswidrigkeit. Es kann zur Inhaftierung führen. Über diese Fakten wurde der oder die Einreisende schon vorher auf großen Schildern informiert.

In der Schlange "nach Kanada" mußten F., A. und J. dann sage und schreibe anderthalb Stunden warten. Was die Wartezeit gefühlt arg verlängerte, war die Tatsache, daß kurz nach Fahrtantritt in den 50 Meter entfernten USA die Heizung und das Gebläse des Autos den Dienst versagten. Es wurde also nicht nur total kalt im Auto (der/die geschätzte Leser(in) erinnere sich an die -13°C Außentemperatur), sondern die Scheiben beschlugen auch alsbald. Deswegen mußte das Fenster geöffnet werden. Nie warteten F. und A. länger in einer Schlange...

Reifliche Überlegung und väterliche Hilfe ließen vermuten, daß fehlende Kühlflüssigkeit für den Motor die Ursache des Übels sein mußte. Solche stand im Wartebereich der Grenze leider auch nicht zum Verkauf. Man fror still vor sich hin, während die Kinder im Toyota nebenan DVD guckten.

Nach 90 Minuten waren die französischsprechenden Beamten im Zollgebäude sehr freundlich. Im unbewachten Warteraum gab es einen Kaffeeautomaten und die Beamten hatten außer einer Taschenlampe und dem Schlagstock nur noch je einen großen Stempel am Gürtel hängen. Endlich konnte F. ihre Arbeitserlaubnis in den Händen halten!

Zurück im Auto fror der Hund, der die ganze Zeit hatte warten müssen. F. und A. fuhren zur nächstgelegenen Tankstelle und füllten die Kühlflüssigkeit auf. Nachdem die Heizung auf Blitzkrieg gestellt war, ging es zackig mit 100km/h heimwärts. Nie kam einem das Apartment in der Rue de la Visitation gemütlicher vor - so ganz ohne Schlagstöcke und Kameras.

Freitag, 2. Januar 2009

Auf dem Klo einen Tagebucheintrag schreiben - Es lebe der Laptop!

Wenn es ganz kalt ist, zieht F. sich den Schal bis an die Nase und pustet warme Luft hinein. Leider beschlägt dabei öfter ihre Brille. Läuft dann auch noch die Nase, reißt ihr der Geduldsfaden und sie fliegt nach Kuba. Lieber Armut sehen, als Kälte spüren!

Abfall während der Fahrt aus dem Autofenster werfen kostet in der Stadt mehr ($200) als auf dem Lande ($100). Wahrscheinlich weil in der Natur mehr Platz ist und der Abfall dort weniger auffällt.

Bei einem Geradeaus-Zwingpfeil links abbiegen kostet $154, am Hydranten parken $37, Autos mit 25 Litern Spritverbrauch auf 100km besitzen hingegen ist nicht unter Strafe gestellt.

Bringt man im Supermarkt seine eigenen Tüten mit, bekommt man 5 Cent pro Tüte gutgeschrieben, ob man, wenn man einen Schokoriegel für $1 kauft und dann mit 20 Plastiktüten in der Hand durch die Kasse geht, den Schokoriegel kostenlos bekommt, gilt es auszuprobieren. Fakt ist, daß im Spätshop 2 Snickers $3,26 kosten, 1 Snickers hingegen $2,50. Ob die Erdanziehungskraft in Kanada stärker ist und normale Zahlen sich dadurch irgendwie unregelmäßig zusammenrechnen?

Feuchtes Klopapier kostet $5,50 pro 200 Blatt, Poabwischtücher für Babys mit Aloe Vera und Teddybärendruck nur $2,30 pro 400 Stück. Haben junge Menschen ein preiswerteres Recht auf reine Popos?

Und die letzte und schwierigste Frage: Warum kosten grüne Gurken $4 das Stück?

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Der Papst bläst uns den Marsch

Im ach so liberalen Montréal gibt es, wie sich herausstellte, doch nur eine einzige Gemeinde, die eine alternative sexuelle Orientierung der Mitglieder ohne Zähneknirschen hinnimmt. Erstaunlicherweise handelt es sich dabei um Katholiken. Wer hätte das gedacht?

Zwar haben sowohl Messdiener als auch Bischöfe und Priester katholischer Konfession seit jeher einen eher metrosexuellen Kleidungsgeschmack, dies schien aber nie Ausdruck einer offenen Einstellung gegen Andersfühlende zu sein. Der Papst und die von ihm im Amt Eingesetzten sind keine verkappten Transvestiten oder gar Freizeit-Drag-Queens, nein, die seltsame Kleiderordnung gehört zur Liturgie.

Man trippelt zum Altar, man schwingt Weihrauch und singt in tiefem Bass auf der Kanzel stehend aus dem Evangelium, aber das Statement bleibt zugeknöpft wie immer. Am 23.12.2008 unterstrich Benedikt XVI. noch einmal in einer Rede vor der Kurie, daß er alles über die heimlichen Pläne der Homosexuellen wisse. "Wir" versuchen "die Familie" zu unterwandern, wollen Lehrer werden, um Kinder in unsere Reihen zu ziehen und gehen Pseudoehen ein, um auf Pärchenabenden das HI-Virus im Aperitif zu verstecken.

Wie kann es also sein, daß eine katholische Gemeinde in Montréal homosexuelle Mitglieder nicht nur willkommen heißt, sondern im Eingangsbereich der Kirche neben Info-Blättchen zum Gottesdienst und Einladungen zu gebetsgetränkten Strickabenden von Witwen unter 90 auch Argumentationsbroschüren zum Thema Homosexualität und Kirche ausliegen hat?

All diese Fragen stellten sich auch F. und A., als sie am 24.12. abends die Weihnachtsmesse besuchten und ein Gotteshaus erblickten, das zu 80% mit schwulen, bekleideten Endvierzigern gefüllt war. Die ca. 400 Anwesenden applaudierten zu dem fast legendären Eröffnungssatz, der da aus dem Munde des Priesters E. kam: "Nun lasset uns die Wort Benedikts XVI. vergessen." Man konnte es unter dem weiten weißen, mit Gold bestickten Gewand nicht sehen, aber der Mann hatte definitiv die Hosen an und einen Arsch in selbigen.

Was folgte war ein sehr schöner, feierlicher Gottesdienst. Der Herr sei mit Euch!

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Video: So räumt man Schnee weg!

Tolle Teamarbeit in den Straßen Montreals.

Viel Spaß beim Anschauen!

http://www.youtube.com/watch?v=w4dAPFb6MeM

Dienstag, 9. Dezember 2008

20cm in 6 Stunden


Gestern Abend lag nur hie und da ein Krümelchen Schnee, Heute morgen sind das Auto dick bedeckt und die Straße zu bei -12°C (gefühlt -19). Yippieh, denkt F. für circa drei Sekunden, bevor sie sich daran erinnert, daß das Auto freigekratzt werden muß und der Schnee beim noch so vorsichtigen Öffnen der Autotür auf den Sitz fallen wird. Das Eis sitzt unter den Scheibenwischern, der Schnee fällt so dicht, daß man nur 20 Meter schauen kann und der Verkehr läuft quälend langsam.

Im Park wird gestapft, während die Schneeflocken auf F.s vorstehendem Schal kleine Türmchen bilden. Bei dem Wetter verschneidet doch tatsächlich ein Parkarbeiter die Bäume. Im Oktober war dazu wohl zu gutes Wetter. Beim Bäumestutzen will man sich ja schließlich von eisigen Böen quälen lassen, sonst ist das Feeling nicht so jack-london-mäßig.

Das Tier wühlt sich endlos durch den Schnee, wälzt und robbt, zieht mit der Schnauze Schneisen durch das Pulver und friert gar nicht. F. verwirft den Gedanken an einen wärmenden Hundemantel endgültig und beschließt, das Geld stattdessen für eine Sturmhaube auszugeben.

Nach einer anderthalben Stunde Gassi liegen auf dem Auto schon wieder 5cm Schnee. Der Kombi hat hinten keinen Scheibenwischer, aber die interessanten Dinge passieren beim Autofahren eh vorn. Wer möchte schon auf die Kadaver längst überfahrener Kleinkinder und Kuschelpuschelhasen zurückblicken?

Abends läßt der Schneefall dann nach und geht später in gefrierenden Regen über. Regen, bei -9°C? Wer hat sich das denn ausgedacht? Neben den parkenden Autos liegt eine 40cm hohe Schneewulst, die friert bis morgen früh und muß dann abgetragen werden - ob die Stadtreinigung das übernimmt? Für den Fall, daß das nicht so ist, haben F. und A. heute eine Schneeschippe gekauft, zusätzlich zu

  • dem kurzen Besen für den Schnee
  • dem langen Besen für den Schnee
  • dem Eiskratzer
  • dem Schloßenteisungmittel
  • der Scheibenwischerflüssigkeit bis -45°C
  • dem Sandsack
  • und den Fleecedecken.

Den Winter haben eindeutig die Kapitalisten erfunden. Alle anderen Jahreszeiten übrigens auch.