Montag, 19. Januar 2009

Warum einfach, wenn's auch doof geht

An alle Straßenexperten, hier der Grund für A.s, F.s und J.s fast 500$ Strafzettelsammelsurium:

Na, was heißt das nun? Darf man hier parken? Oder doch nicht?

Folgende Fakten enthält das anschauliche Schildchenteam:
  • Hier hört das generelle Parkverbot auf.
  • Hier fängt zusätzlich das spezielle Parkverbot an. Es gilt zwischen 9 und 23 Uhr für alle außer Leute mit Sonderparkausweis Nr. 41. Die dürfen dort immer parken. Menschen mit offiziellen Stadtfahrzeugen sind auch immer herzlich zum rechtmäßigen Parken eingeladen, ABER:
  • Auch offizielle Stadtfahrzeuge und Sektor 41 Menschen müssen ihr Auto in der "verbotenen Periode" wegfahren. Die verbotene Periode steht dann gaaanz oben: Dienstag und Freitag zwischen 9 und 17 Uhr.
Ist doch ganz einfach, oder? Kanada blieb wahrscheinlich nur deswegen so menschenleer, weil potentielle Immigranten von den Parkschildern abgeschreckt wurden und panisch schreiend heimwärts schwammen.

P.S.: Wenn Schnee liegt, wird es noch komplizierter, dann kommt nämlich ein extra Schild ran, das einem sagt, daß man da entweder gar nicht mehr, nur von 7 bis 19 Uhr oder von 19 bis 7 Uhr parken darf, weil das Räumauto kommt. Manchmal kommt es auch nicht, dann war das Sonderschild sinnlos. Hammer's jetze?

Sonntag, 18. Januar 2009

Hüüüüja!

Was ergeben ein Plastikschlitten, 10 kg Katzenstreu Natur im Beutel, ein Zuggeschirr, zwei Leinen, ein Mensch und ein Hund?


Leider sind die 10 kg selbst Im Tiefschnee noch zu leicht und F. wird wohl einen weiteren Beutel kaufen. Die arme J. muß das dann ausbaden.

Samstag, 17. Januar 2009

Hundehalter hier gehören eingesperrt!


Zwischen -21°C und -27°C realer (nicht gefühlter) Temperatur mutiert F. zu einem dauersarkastischen, mäkeligen Monster. Nach 10 Minuten draußen hat sie starke Kopfschmerzen und kleine Erfrierungen an den Wangen.

J. findet das auch nicht so gut. Überall ist Salz gestreut, aber auch auf ungewürztem Schnee läuft es sich auf längeren Strecken bei dieser Kälte nicht so gut und sie hält ab und an eine Pfote hoch. Lange geht das aber nicht, denn man muß ja wie eine Wilde in der Gegend herumrasen, um warm zu bleiben.

Da die Batterie des Autos durch arge Blödheit F.s in Form von Lichtanlassen den Geist aufgegeben hat und die CAA (= kanadischer ADAC) Mitgliedschaft eine Wartezeit von 48 Stunden bis zum ersten Service verlangt, latschten F. und J. die letzten beiden Tage mißmutig durch die Stadt und hielten sich mehr als gewöhnlich in den wenig geliebten Hundeparks auf.

Dort trafen sie auf PeeWee, 5 Monate, Rauhhaar-Jack Russel, der tatsächlich Schuhe anhatte und dessen Besitzerin erst auf Hinweis F.s, daß am Penis des Welpen schon Eis hänge und er wirklich friere, Anstalten machte, den Kleinen einzufangen (Dauer: 10 Minuten) und nach Hause zu fahren.

Später kam Roger, Bassett mit tiefer Stimme, die er auch rege nutzte, um J. seine Spiellaune mitzuteilen. Rogers Frauchen fand das nicht so toll und knallte Roger erstmal auf den Rücken, F.s Protest einfach überhörend. Roger war damit natürlich gar nicht einverstanden - würde aber, nach Frauchens Aussage, die Geste ganz genau verstehen.

Dann war da noch Beagle-Jüngling Gaston. Auch er mit 3 Schuhen bekleidet, der 4. war wohl schon verloren gegangen. In wildem Spiel büßte Gaston dann auch noch einen weiteren Schuh ein, den er aber pflichtbewußt sofort einsammelte und fröhlich herum trug. J. hinterher. Herrchen begann dann, mitzuspielen und lief schimpfend hinter seinem Beagle her. Der fand es super, daß Herrchen, der bis dahin am Telefon gehangen hatte, endlich mal mitmachen wollte und rannte umso schneller. J. weiter hinterher. Aus lauter Sanftmut ließ Gaston Herrchen dann etwas näher heran - man will ja auch Chancen geben im Leben. Herrchen nutzte die Gelegenheit und versohlte Gaston ordentlich, warf ihn dann auf den Rücken und hielt ihm die Schnauze zu. Da hielt J. dann doch eher Abstand.

Fazit: Wer eine Zeitreise in Sachen Hundehaltung machen will, komme gern nach Montreal. Beratungsresistente, uninteressierte, gewaltbereite Menschen gepaart mit hilflosen Hunden und modernen Erziehungshilfen schaffen ein Drama ungeahnten Tiefgangs. Morgen wird das Auto repariert; J. und F. freuen sich schon darauf, den Hundeparks wieder größenteils den Rücken zukehren zu können.

Freitag, 16. Januar 2009

Schwierige Situationen im Ausland - bitte hier anstellen!


A. und F. nehmen wirklich alles mit. Was wäre ein Auslandsaufenthalt auch ohne verzweifelte Situationen und Havarien am laufenden Band? Man würde sich glatt langweilen. Damit den Beiden dies auch ja nicht passiert, umgehen sie jedes Fettnäpfchen und springen direkt in die Fritteuse:

  • Auto tot nach 4 Tagen bei -21 bis -27°C? - Wir nehmen's mit!
  • Anderthalb Stunden im Auto ohne Heizung in der Schlange am Grenzübergang bei -15°C und beschlagenden Scheiben? - Wir nehmen's mit!
  • Am Wochenende alle Werkstätten geschlossen und keine Möglichkeit zur Reparatur? - Wir nehmen's mit!
  • Die Fensterscheibe der Terrassentür fällt bei arktischen Temperaturen fast aus dem Rahmen und hinterläßt einen nicht zu reparierenden, 4cm breiten Spalt? - Wir nehmen's mit!
  • In der Badewanne sitzen, Wasser nachlassen wollen und feststellen, daß kein heißes mehr da ist (obwohl wir keinen Boiler haben)? - Wir nehmen's mit!
  • Erfrierungen an Gesicht und Händen? - Wir nehmen's mit!
  • Jalousie der Mietwohnung fällt beim Versuch des Hochziehens vor lauter Schreck in Nichtfunkionalitätsstarre? - Wir nehmen's mit!
  • Waschbär bepinkelt sämtliche Müllsäcke, die auf der Terrasse lagern und man faßt aus Versehen rein, sodaß die Hände ewig nach wilder Libido duften? - Wir nehmen's mit!
  • Der Tiefkühlschrank geht kaputt und 10kg Fleisch vergammeln? - Wir nehmen's mit!
  • Der Schlüssel steckt noch im Zündschloß, als F. die Tür des Wagens 5km von zuhause entfernt zumacht? - Wir nehmen's mit!
  • Ein Eichhörnchen wird aus eigener Blödheit und suizidalem Verhalten vor den Augen dreier entsetzer Zeugen von J. auf Kommando F.s aus Versehen getötet? - Wir nehmen's mit!
  • Die Wohnungtemperatur geht nie über höchstens 19°C? - Wir nehmen's mit!

Weitere Vorschläge, Opfer alltäglicher Mißgeschicke zu werden bitte an: Franziska@da_mußte_ma_bißl_offpassen.de

Donnerstag, 8. Januar 2009

Nichtstun macht keine Schwielen an der Hand aber Beulen im Kopf

F. ist frustriert. Seit zwei Monaten sucht sie nun schon nach Arbeit und nur eine einzige der ganzen Firmen war so seriös, tatsächlich abzusagen. Diese steht unter deutschem Management. Eine weitere, amerikanische Firma schickt F. gerade durch einen aufwendigen Auswahlprozeß voller enthusiastischer Telefonate und langer Wartezeiten. Bisher hatte sie die Ehre, sich für folgende Stellen zu bewerben:

  1. Deutschlehrerin bei Berlitz Kanada
  2. Private Deutschlehrerin
  3. Videospieltesterin bei Volt
  4. Übersetzerin bei einer deutschen Firma
  5. Telefonistin für Kundenbetreuung eines Online Deutschlerndienstes
  6. Mitarbeiterin einer Hundesitterfirma
  7. Übersetzerin für Videospiele bei Bug-tracker
  8. Deutschlehrerin für Firmenkunden
  9. Vollzeit Fruchtzerschneiderin in einem Brunch-Restaurant
  10. Private Hundesitterin
  11. Hundegassitante in einem Gassiservice
  12. Das Bekleben von 2000 Visitenkarten einer Zahnarztpraxis mit kleinen künstlichen Zahnteilchen (weiß der Geier, warum die da drauf sollten).
  13. Vollzeitnachtschicht in einer Plastefirma, die in die Jobanzeige schreibt, "wenn man einen Lebenslauf habe, solle man diesen mitsenden". Es gibt also tatsächlich Personen OHNE Lebenslauf.
  14. und andere mehr...
  15. Fortsetzung folgt.

Keine dieser Firmen, außer der beiden oben schon genannten, hat sich jemals gemeldet. Auf telefonische Anfrage hin konnten auch keine Erfolge verbucht werden. Nicht einmal die Zahnarztpraxis war bereit, F. Zahnprothesenstücke mit kleinen Klebepunkten auf Visitenkarten kleben zu lassen.

Im Brunch-Restaurant werden die Ananas nun wahrscheinlich von HIV-positiven (Stichwort Schwulenviertel), unwissenden Stümpern auf ineffiziente Art und Weise geschlachtet. Kann Aids auch über Bananen übertragen werden? Die richtige Form hätten sie ja.

F. fühlt sich ungebraucht und es fehlen neue Ideen zum Bewerben. Außerdem sind offenbar alle Firmen von F.s Bewerbung so stark abgeschreckt, daß sie es nicht einmal schaffen, zurückzuschreiben. Vielleicht sind ihre Unterlagen für den nordamerikanischen Raum auch einfach zu seriös gestaltet. Es muß mehr Sex rein. Religiöse Einstellungen, patriotische Denkmuster.

Alles muß anders werden.

Samstag, 3. Januar 2009

6h für 200km und 1 Arbeitserlaubnis


Hat man den Antrag auf die kanadische Arbeitserlaubnis bewilligt bekommen, muß man zu einem Grenzübergang, um sich selbige ausstellen zu lassen. Ein Flughafen geht dafür nicht, denn das wäre zu einfach. Man muß schon 100km bis zur US-amerikanischen Grenze nach New York fahren, ausreisen und wieder in Kanada einreisen, um das Blättchen in den Paß geheftet zu bekommen.

An der Grenze in die USA wird man schon vor dem Grenzhäuschen im Auto fotografiert. Das Gespräch mit dem Beamten im Häuschen zeichnet die vernünftige Regierung per Video auf. Nachdem der erste Beamte die Pässe und den Brief über die Bewilligung der Arbeitserlaubnis in Kanada eingehend studiert hat, behält er diese ein (!) und ein zweiter eskortiert zu Fuß das Auto zu einem nahegelegenen, von 11 Polizeiautos umgebenen Parkplatz. Dort muß man seine Autoschlüssel abgeben und wird in das Grenzgebäude geführt, an dessen Eingang natürlich eine Wache steht.

Alle Beamten haben 9 Ledertäschchen an ihren Gürteln hängen, zusammen mit einer Handfeuerwaffe, einem Metallschlagstock und einer Metalltaschenlampe. Natürlich tragen alle kugelsichere Westen, die es erstaunlicherweise auch in Übergrößen zu geben scheint (die Beamten halten wohl nicht so viel von gesunder Ernährung und Sport). Man wird mit seinem Vornamen aufgerufen und muß den Grund für das Stören an der Grenze erklären. Dann werden Fingerabdrücke beider Hände genommen und Fotos der potentiellen Eindringlinge gemacht, damit schonmal Suchplakatvordrucke als PDF-Datei im FBI-Ordner gespeichert werden können. Man wird nach dem Wirken der eigenen Großeltern im zweiten Weltkrieg gefragt. Nee, Scherz. In Wirklichkeit wird man nur gefragt, ob man eine Axt mit sich führt.

Die ganze Prozedur findet wohlgemerkt statt, obwohl man ja gar nicht in die USA einreisen, sondern nur über die Grenze und schnell wieder zurück gehen möchte, um im kanadischen Immigrationsgebäude seine Arbeitserlaubnis ausgestellt zu bekommen.

Die US-amerikanischen Beamten sind aber nun einmal extra vorsichtig, schließlich müssen sie alle Terroristen der Welt abwehren, die natürlich sicher indirekt an der drohenden Pleite von Ford und GMC schuld sind. Was die Beamten in den vielen Ledertaschen an ihrem Gürtel verstaut haben, traute F. sich nicht zu fragen, aus Angst, dann mit erhobenen Händen breitbeinig an die Wand gestellt zu werden. Wahrscheinlich sind es nur Taschentücher und Lutschbonbons. Oder Handcreme. Bestimmt aber Pfefferspray, eine Liste beleidigender Wörter auf Arabisch, ein Zertifikat über mangelnde Bildung bezüglich internationaler Angelegenheiten, ein Zettel mit einer Argumentationskette und plausiblen Ausreden, die einem aus einer möglichen Anklage wegen Folter helfen könnten, ein Snickers und eine Fernsehfernbedienung.

Nach einer weiteren kurzen Wartezeit bekommt man einen Zettel, auf dem steht, daß die Einreise in die USA verweigert wurde. Dabei wollte man ja gar nicht einreisen. Ein jähzorniger Beamter führt einen dann wieder "nach Kanada" zurück. Das Aufbegehren gegen Zollbeamte ist übrigens eine Straftat und keine Ordnungswidrigkeit. Es kann zur Inhaftierung führen. Über diese Fakten wurde der oder die Einreisende schon vorher auf großen Schildern informiert.

In der Schlange "nach Kanada" mußten F., A. und J. dann sage und schreibe anderthalb Stunden warten. Was die Wartezeit gefühlt arg verlängerte, war die Tatsache, daß kurz nach Fahrtantritt in den 50 Meter entfernten USA die Heizung und das Gebläse des Autos den Dienst versagten. Es wurde also nicht nur total kalt im Auto (der/die geschätzte Leser(in) erinnere sich an die -13°C Außentemperatur), sondern die Scheiben beschlugen auch alsbald. Deswegen mußte das Fenster geöffnet werden. Nie warteten F. und A. länger in einer Schlange...

Reifliche Überlegung und väterliche Hilfe ließen vermuten, daß fehlende Kühlflüssigkeit für den Motor die Ursache des Übels sein mußte. Solche stand im Wartebereich der Grenze leider auch nicht zum Verkauf. Man fror still vor sich hin, während die Kinder im Toyota nebenan DVD guckten.

Nach 90 Minuten waren die französischsprechenden Beamten im Zollgebäude sehr freundlich. Im unbewachten Warteraum gab es einen Kaffeeautomaten und die Beamten hatten außer einer Taschenlampe und dem Schlagstock nur noch je einen großen Stempel am Gürtel hängen. Endlich konnte F. ihre Arbeitserlaubnis in den Händen halten!

Zurück im Auto fror der Hund, der die ganze Zeit hatte warten müssen. F. und A. fuhren zur nächstgelegenen Tankstelle und füllten die Kühlflüssigkeit auf. Nachdem die Heizung auf Blitzkrieg gestellt war, ging es zackig mit 100km/h heimwärts. Nie kam einem das Apartment in der Rue de la Visitation gemütlicher vor - so ganz ohne Schlagstöcke und Kameras.

Freitag, 2. Januar 2009

Auf dem Klo einen Tagebucheintrag schreiben - Es lebe der Laptop!

Wenn es ganz kalt ist, zieht F. sich den Schal bis an die Nase und pustet warme Luft hinein. Leider beschlägt dabei öfter ihre Brille. Läuft dann auch noch die Nase, reißt ihr der Geduldsfaden und sie fliegt nach Kuba. Lieber Armut sehen, als Kälte spüren!

Abfall während der Fahrt aus dem Autofenster werfen kostet in der Stadt mehr ($200) als auf dem Lande ($100). Wahrscheinlich weil in der Natur mehr Platz ist und der Abfall dort weniger auffällt.

Bei einem Geradeaus-Zwingpfeil links abbiegen kostet $154, am Hydranten parken $37, Autos mit 25 Litern Spritverbrauch auf 100km besitzen hingegen ist nicht unter Strafe gestellt.

Bringt man im Supermarkt seine eigenen Tüten mit, bekommt man 5 Cent pro Tüte gutgeschrieben, ob man, wenn man einen Schokoriegel für $1 kauft und dann mit 20 Plastiktüten in der Hand durch die Kasse geht, den Schokoriegel kostenlos bekommt, gilt es auszuprobieren. Fakt ist, daß im Spätshop 2 Snickers $3,26 kosten, 1 Snickers hingegen $2,50. Ob die Erdanziehungskraft in Kanada stärker ist und normale Zahlen sich dadurch irgendwie unregelmäßig zusammenrechnen?

Feuchtes Klopapier kostet $5,50 pro 200 Blatt, Poabwischtücher für Babys mit Aloe Vera und Teddybärendruck nur $2,30 pro 400 Stück. Haben junge Menschen ein preiswerteres Recht auf reine Popos?

Und die letzte und schwierigste Frage: Warum kosten grüne Gurken $4 das Stück?