Donnerstag, 29. Januar 2009

Kaufentscheidung trifft Tierquälerei

Es ist ja nun gemeinhin bekannt, daß F. keine richtige Kamera hat und ihre Erinnerungen deswegen auf schmierigen, pixeligen, schlecht beleuchteten Fummelbildchen aufnehmen muß. Trüge sie eine Camera Obscura von 16hundertirgendwas mit sich herum, hätten die Bilder wenigstens einen nostalgischen Kunsttouch. So sind sie einfach nur doof. Bei 2 Bildern pro Minute werden Schnappschüsse außerdem sehr unwahrscheinlich. Dem soll nun ein Ende gemacht werden. Vom tollen Umrechnungskurs begünstigt wurde unvernünftigerweise eine Canon Powershot A590IS erstanden, die in drei Tagen in der Kemenate eintreffen soll. Spannung, Spannung!

Auf der Mission des Kamera-im-Geschäft-betatschen-dann-aber-im-Internet-bestellens führte F.s und A.s Weg in ein großes Einkaufszentrum. Aus purer Hundespielzeugsneugier betrat man ein Tiergeschäft namens "Safari". Entsetzliches bot sich dem Blicke dar; F. wird sich nie daran gewöhnen, daß das hier noch erlaubt ist: In kleinen 1x1x1 Meter Boxen aus weißem Kunststoff ohne Kissen, ohne richtigen Boden (dafür mit Gitterrost, damit der Kot durchfällt) ohne Spielzeug, ohne Gesellschaft saßen je ein Weimaraner, Border Collie, Malteser, Schäferhund, ShiTzu, Chihuahua, Lhasa Apso, Westhighland Terrier , Jack Russell, u.A. im Alter von 8 bis 16 Wochen, von den gaffenden Kunden nur getrennt durch eine Plexiglasscheibe. Etliche Katzenbabys gab es auch. Niemand wunderte sich darüber oder schien ansatzweise entsetzt. Was mit den Tieren geschieht, wenn sie bis zum Erwachsenenalter nicht verkauft werden, ist unklar. In solchen Läden kauft F. natürlich nichts, denn da fällt auch ihr kein flotter Spruch mehr ein.

Hätte ich einen großen Fön, würde ich den Schnee wegfönen!


Rechtes Bein bis zum Knie versunken, Schnee trotz Schneefang schön ins Hosenbein gerutscht - was will man mehr!


Auf der Suche nach dem Boden...


Das Tier liegt nicht im Platz, es steht tatsächlich! Wenn die 18kg Fliege schon so tief einsinkt, wie ergeht es dann erst Mammut F.?


Schnauf!

Das Unglück geht weiter...

Heute also wieder Autofahrt zum Gassiort. F. hatte die tolle Idee, mal einen Tapetenwechsel zu versuchen und J. in den Kofferraum zu setzen. Half aber nichts, es wurde trotzdem gehechelt und gezittert, als würde der Antichrist persönlich mit hinten im Fahrzeug weilen.
Aus dem Auto raus hatte man sich nach 5 Minuten rennen wieder beruhigt. F. beging den kapitalen Fehler, folgende ihrer Gedanken wahrhaft für plausibel zu halten:


"Der neugefallene Schnee sieht ja gar nicht so tief aus, ich lauf mal die ganze Runde, so tief werde ich schon nicht einsinken. Wenn schon Streß durch Autofahren, dann wenigstens das Tier gleich richtig auspowern."
Also wie doof kann man eigentlich sein? Bis über die Oberschenkel sank F. bisweilen ein und kam auf der ca. 8km langen Strecke an den Rand ihrer Kräfte. Zwischendurch mußte sie sich hinsetzen und J. stupste sie immer wieder aufmunternd an, sonst wäre sie wohl liegengeblieben und hätte A. angerufen.
Rückzu wurde nur auf der zweiten Hälfte der Fahrtstrecke gehechelt, die erste Hälfte schlief die hündische Dampfmaschine.

Abends dann wurde ein extra-ungesunder Kauknochen im Jumboformat gekauft, der fortan nur auf Autofahrten im Kofferraum zum Knabbern bereitliegen wird. Wir versuchen umzuverknüpfen und werden dem bösen Übersprungsverhalten hoffentlich den Garaus machen.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Waschanlagenpanik und behauchte Scheiben


Ein sehr stressiger Tag geht zur Neige. Das Tier trieb die sonst so sanftmütige F. heute fast in den Wahnsinn. Dazu muß noch schnell folgende, Vorgeschichte erzählt werden:
2 Wochen früher. A und F. kamen mit J. auf dem Rücksitz vom Spaziergang zurück und beschloßen spontan ob der entstellenden Dreckigkeit des Fahrzeuges, selbiges mal durch die Waschstraße zu fahren. Also wurde an der nächsten Tankstelle die Deluxewäsche gebucht und ins Waschanlagenlokal eingefahren. An den ruhig hinten sitzenden Hund dachte man nur nebenbei, F. freute sich viel zu sehr auf den Ritt durch die Wäsche. Eben jener Hund schob jedoch im eingeseiften Auto eine derartige Panik, wie A. und F. es noch nicht erlebt hatten. Wahnsinniges Hyperventilieren, Speicheln, Hecheln, Fiepsen, wilde Todesangst in den Augen, Leckerlieverweigerung (!). Aus der Waschanlage kommt man natürlich nicht so ohne Weiteres heraus und selbst danach beruhigte sich J. kein bißchen. Erst als man 10 Minuten später zuhause ankam und sie aus dem Auto ließ, wurde es besser. Seitdem (nicht sofort danach, erst einige Tage später) hechelt Madame nun ca. 5 Minuten nach Fahrtbeginn fiepsend vor sich hin. Bei jeder Fahrt. Normalerweise würde F. das einfach ignorieren, aber...
...heute ging das nicht. Bei dichtem Schneegestöber fuhr man zum Gassi los, Hund auf angestammtem Platze hechelnd. Nun kamen aber starkes Hecheln und Schneefall zusammen und die Lüftung schaffte es nicht mehr, die Frontscheibe vorm Beschlagen zu bewahren. Anhalten Downtown war natürlich nicht drin und es hätte ja auch nichts genützt - erfahrungsgemäß würde J.s Streßhechelei durch nichts aufzuhalten sein. Der Zustand nagte an F.s Nerven. Halb wahnsinnig kam sie am Park Angrignon an, verrichtete im tiefen Schnee stapfend den Spaziergang und fuhr dann mit links und rechts geöffneten Fenstern nach Hause, nur um noch in einen Stau zu geraten. Was für eine hitleröse Fahrt!

Interessante Adjektive

Diese Woche geschahen mehrere erstaunliche Dinge, die ihre herausragenden Facetten in Montreal erstrahlen ließen. Erstens: F. hat jetzt Arbeit bei einer Umfragefirma, die online nicht genannt werden möchte; aus diesen Gründen soll diese Firma hier LochImBauch GmbH getauft werden. Die LochImBauch GmbH führt weltweit Umfragen zu verschiedenen Themen durch und verdient damit augenscheinlich viel Geld. Da auch Leute in Deutschland befragt werden sollen, muß F. mit ihren exotischen Deutschkenntnissen an die prestigeträchtige Umfragefront rücken.

Um dies tun zu dürfen, verbrachte sie gestern fast zwei Stunden damit, sich selbst einem unglaublich unseriös gekleideten Mittzwanziger anzupreisen. Dieser Angestellte, der die O-Ton "humanen Ressourcen" Kanadas in Spreu und Weizen trennt, trug ein weit aufgeknöpftes, türkisfarbenes Hemd und sehr spitze Schuhe (wahrscheinlich an die 2mal so lang wie seine eigentlichen Füße) zu hautengen Jeans und einem Pferdeschwanz. Mit genau diesem Outfit würde man im alten Europa die Chefetagen sicher im Sturm erobern. F.s alte, konservative Seele seufzte vor Schmerz. Gleich darauf durfte dann aber vor Freude geseufzt werden, denn der Humanressourcenagent befand F. als weizig genug und orderte sie am Freitag um 12 zur Einweisung. Freude, Freude! Dank selbst einteilbarer Schichten muß auch J. keine Einsamkeiten fürchten und F. hat endlich Gelegenheit, ihre Brillianz dem Arbeitsleben zuzuführen.

Woran sie das Arbeitsleben jedoch nicht teilhaben lassen wird, ist die neuentdeckte Tatsache, daß Hitler im Englischen ein offizielles, im Wörterbuch verzeichnetes Adjektiv hat: "hitlerian". Das ließ F. natürlich sofort überlegen, wie das deutsche Äquivalent dazu lauten könnte. Hitlerisch? Hitleresk? Hitlerig? Hitlerös? Letztere Version gefällt ihr am Besten. Sie plant, es als ihr neues, ultimatives Lieblingsnegativadjektiv zu gebrauchen, da es recht unheilsschwanger und historisch demonös klingt.

Das in den letzten Wochen doch ziemlich hitleröse Wetter ist in den letzten Tagen stauffenbergisch gut geworden, mit Sonnenschein und -12°C Tagestemperaturen. Bei solch sommerlichen Temperaturen kann man die Handschuhe jetzt zum Naseputzen wieder ausziehen, statt alles an den Stoff der Daumenrückseite zu wischen. Sehr gut. Weitermachen.

Als Letztes - als Vorschau auf den nächsten Artikel - noch informative Details aus Deutschlands Supermarktlandschaft. Haben nicht viele von Euch schon zahllose schlaflose Nächte über der Frage verbracht, warum der Edeka-Markt Edeka heißt? Ja? So erging es auch F. bis vorgestern, als die herausfand, daß Edeka früher E.d.K. hieß und "Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler" bedeutete. Ob der wenigen Kolonien der BRD muß F. mit erstauntem Blicke das dennoch reichhaltige Angebot der Edeka-Märkte loben. Weiter so!

Donnerstag, 22. Januar 2009

Invasion unseres Parks

Als naturliebender Mensch kennt man das ja schon: Bei Sauwetter trifft man in den schönsten Parks, Wäldern und Grünanlagen niemanden. Jedermann wendet sich symbolisch und tatsächlich von der unüberdachten Welt da draußen ab. Wer möchte schon gern durch Pfützen schlurfen, sich die Schuhe dreckig machen und naß werden...
F. ist der Ansicht, daß aus diesem Grunde eine bestimmte Anzahl obligatorischer Besuche von Grünanlagen bei schlechtem Wetter eingeführt werden sollte, die nötig ist, um auch bei Sonnenschein Eintritt in den Park zu bekommen. So könnte jeder Mensch ein Stempelheft haben und F. müßte im Sommer nicht mehr einer Milliarde Deckenlungerern begegnen, denn die Leute wären mit Sicherheit viel zu faul, ihr Schönwetter/Schlechtwetterkonto ausgeglichen zu halten.
Wer denkt, dies sei totalitärer Überwachungsstaatenstyle, hat damit vollkommen recht. Jedoch erfordern harte Zeiten und blöde Leute auch entsprechende Maßnahmen. Solange F.s Freiheiten nicht eingeschränkt werden, können die Freiheiten anderer Menschen ihrer Meinung nach ruhig nackig gemacht werden. Nächstenliebe ist schließlich schon lange total out.

Im Winter begegnet man derselben Impertinenz: Die Flocken stapeln sich, die Kälte klirrt, der Park bleibt einsam. F. findet das gut. Sollen die Schönwetterbratzen doch bleiben, wo der Ofen bullert. Eine deutsche Frau friert nicht, eine deutsche Frau zittert vor Wut, daß es nicht kälter ist. Gleiches gilt für Hunde deutscher Frauen.

Schlimmer noch wird die ohnehin schon wenig applaudierenswerte Situation allerdings, wenn auch in der kalten Jahreszeit immerdar lauernde Ausnahmen auftreten. So beobachtet heute in F.s Stammpark Jean Drapeau auf der Île Ste Hélène. Sonst trifft man dort pro 2 Stunden Spaziergang im Schnitt eine lausige Person, die zudem nur als 0,5 Personen gezählt werden kann, weil sie entweder a) obdachlos (wenn man keine Bleibe drinnen hat, gilt der Aufenthalt im Freien logischerweise nur zu 50%) oder b) ein Fotograf (der dick eingepackt den Weg vom Auto zum Fotografierobjekt und zurück sprintet, um kürzer draußen zu sein) ist. Heute war in Vorbereitung auf die Fête des Neiges, das Schneefest, alles voll mit skulpturenformenden Pseudokünstlern und soundcheckenden Familien-DJs. Kinder können in toll geformtem Umfeld rutschen
und sich auf 12 nebeneinander angelegten Spuren mit Gummireifen in die Tiefe stürzen. Auf dem Weg um die Insel herum wurde eine 3km lange Eislaufbahn angelegt. Es gibt einen Lift, plärrende Popmusik, Eisstockschießen, ein Hockeyturnier, Eisbaden im Fluß, und Einiges mehr. Alles in allem schauen schon die Vorbereitungen spannend aus. J. kann gar nicht hingucken. Die üblicherweise so einsame Insel wird überschwemmt von entertainementhungrigen 3jährigen + Eltern sein. Genau richtig für F. und A. Die werden das Gassigehgebiet für dieses Wochenende woandershin verlegen, dafür aber mal beim Reifenrutschen vorbeischauen. Vielleicht ändert die sanftmütige F. ja dann ihr Urteil und erlaubt dem Amüsiervolk offiziell den Aufenthalt in ihrem Park. Altruismus und Freigiebigkeit sind schließlich ihre zweiten Vornamen. *räusper*

Mittwoch, 21. Januar 2009

Wenn die Natur ruft!

[Kalt + windig + draußen + Harndrang - öffentliche Toilette] - das ist eine Kombination, die man durch die Formel [lange Unterhose + winddichte Kleidung + hinter winziges Gebüsch hocken + laufenlassen] noch gut bewältigen kann. Haben wir alles schon gehabt, läßt uns mit keiner Wimper zucken.

Was aber, ja was tut man gehen die allseits gefürchtete Kombination aus [Kalt + windig + draußen + dringend benötigter Stuhlgangauswurf - öffentliche Toilette]?

Winzige Gebüsche, notdürftig von zwei Seiten blickgeschützt, die einem zum Pullern noch gut genug erschienen, erhalten in der eigenen Vorstellung plötzlich imaginäre Scheinwerfer und spontan auftauchende Menschenmengen als unerwünschte Attribute.

Die schlimmste Frage für den sonst so gewissenhaft Kot wegräumenden Hundehalter bleibt außerdem: Wohin mit der eigenen - im Vergleich zum normalerweise aufgehobenen Stuhl des mittelgroßen Hundes überdimensionierten - Kackwurst? Liegenlassen? Niemals! Denn kommt man drei Tage später zum erneuten Gassigang am Ort des Vergehens vorbei, möchte der Hund ganz sicher einen Happs vom lockenden Altkot nehmen - vom unästhetischen Anblick mal ganz zu schweigen.

Die Lösung liegt also nahe - Tüte raus und mitgenommen. So geschehen jüngst hier in Montreal durch eine Person, die diesmal gar nicht genannt werden möchte. Daß diese Person im Anschluß in Ermangelung guten Klopapiers noch den Schnee zur Säuberung des eigenen Hinters verwendete, soll nur am Rande erwähnt werden.

Die Sache ging zum Glück gut aus, da man als Superhundehalter ja immer viele, volumentechnisch reichlich bemessene Plastiktüten mitführt. Fotos von der Aktion müssen aus Gründen der Privatsphäre leider unterbleiben. Guten Abend.