Nach neun Monaten Aufenthalt in Montreal hat Dauermäklerin F. beschloßen, in einer ausgedehnten Denksitzung die positiven Aspekte Quebecs zusammenzutragen. Nach mehrtägigem Brüten fielen ihr diese Dinge ein:
Soweit zur mageren Ausbeute der positiven Aspekte. Zwei studierte deutsche Menschen marterten ihre Hirne und fanden doch keine weiteren guten Punkte. Dafür aber jede Menge blöde/schlechte/nervige Seiten Quebecs:
- Es gibt zahlreiche wohlschmeckende, zuckerfreie und damit zahnfreundliche Limonadesorten, z.B. zuckerfreie Litschi-, Preiselbeer-, Granatapfel-, Limetten-, Kirsch-, Erdbeer-, Trauben-, Zitronen- und Ingwerlimonade zu tollen Preisen (45 Cent pro Liter). Diese werden von den Einheimischen verschmäht, weil sie nicht dick machen.
- Die Straßen sind in der Regel doppelt so breit wie in Deutschland, ebenso die Parkplätze. Selbst F. flutscht hier die Fünfmeterkutsche in unter zehn Zügen in jede Lücke.
- Die Menschen räumen (fast) immer den Kot ihrer Hunde weg, in (fast) allen Parks, Naherholungsgebieten und auf sonstigen Grünflächen. Auf dem Gehweg liegt NIE Hundekacke. F.s Schuhprofil bleibt verhältnismäßig geruchsneutral.
- Schneegarantie im Winter: mindestens drei Monate lang gibt es eine geschlossene Schneedecke.
Soweit zur mageren Ausbeute der positiven Aspekte. Zwei studierte deutsche Menschen marterten ihre Hirne und fanden doch keine weiteren guten Punkte. Dafür aber jede Menge blöde/schlechte/nervige Seiten Quebecs:
- Die Straßen sind zwar breit, aber entsetzlich in Stand gehalten. Auch hier scheint der arthritiskranke, einhändige Riese, der schon F.s und A.s Bad flieste, als Straßenbauarbeiter am Werk gewesen zu sein. Die Beschilderung ist extraschlecht, damit verzweifelte Einwanderer oder Touristen nie wieder den Weg zurück ins Heimatland finden und auf immerdar in Quebec bleiben müssen. Spuren enden ohne Vorwarnung, Ausfahrtshinweise werden drei Meter vor der jeweiligen Ausfahrt platziert und Entfernungsangaben kennt man kaum. Quebecer müssen keine Fahrschule machen, um den Führerschein zu bekommen, sondern nur eine Prüfung in einem selbstgewählten (!) Fahrzeug absolvieren. Die meisten wählen einen Panzer, vergessen dann später im Straßenverkehr aber, daß sie jetzt in einem normalen Kraftwagen sitzen.
- Die (französischsprachigen) Menschen sind unfreundlich, unsozial, distanziert und feindselig. Sie mögen keine englischsprachigen Menschen (die im Lande durchaus beheimatet sind), keine Ausländer und auch keine anderen französischsprachigen Individuen. Vorallem aber mögen sie keine anderen Quebecer. Persönlicher Austausch ist unerwünscht. Der/die normale, Bekanntschaften suchende Europäer(in) fühlt sich regelmäßig wie ein(e) verrückte(r) Stalker(in), nur weil er/sie versucht, eine(n) Quebecer(in) zum Kaffee zu treffen.
- Essen ist teuer. Zwei Liter Milch kosten fünf Dollar, ein Kilo vom billigsten Käse 25 Dollar, eine Dose Pulvercappuccino acht Dollar. Deswegen sind die Quebecer etwas weniger dick, als ihre nordamerikanischen Nachbarn und fühlen sich diesen überlegen.
- Quebecer denken, ihre Provinz hätte einen starken europäischen Anstrich, was nicht stimmt. Gleichzeitig finden sie Europa doof. Nordamerika auch. Weil die Stadt Montreal drei U-Bahn- und zwei Dutzend Buslinien auf 1,6 Millionen Einwohner hat, denken die Leute, sie wären umweltfreundlich. Autos mit 25 Liter Verbrauch sieht man aber dennoch an jeder Ecke. Die Stadt verlassen, um in umliegende Grüngebiete zu kommen, ist ohne KFZ nicht möglich.

